Zweite Übung – Achtsames Hören

Wir denken immer, ein ruhiger Ort muss auch ein Ort der Stille sein. Dass es keine Geräusche geben darf. Das Problem bei dieser Denkweise ist, dass es bereits alles vorab bewertet. Und wir uns innerlich direkt auf Störungen durch unsere Umwelt einstellen. Und damit automatisch unsere Praxis mit einer genervten Grundeinstellung beginnen. Tatsächlich bedeutet ungestört jedoch lediglich, dass wir uns nicht stören lassen (können). Was wiederum bedeutet, dass es mit etwas Übung ist es möglich sich überall seinen eigenen ungestörten Raum zu schaffen.

Für den Anfang sollten wir uns einen Ort und eine Zeit aussuchen, in der wir uns für unsere formelle Praxis auch in äußerer Ruhe durchführen können. Das bedeutet, dass kein Einfluss von aussen, z.B. unser Partner, Haustiere oder unsere Kinder, uns aus der Konzentration holen kann. Es bedeutet nicht, dass es vollkommen still sein muss. Im Gegenteil. Die Geräusche unserer Umwelt können wir zu einem Bestandteil der Übung des achtsamen Hörens machen.

Wir beginnen wie beim achtsamen Atmen damit uns zunächst auf unseren Atem zu konzentrieren und ihn fliessen zu lassen. Wir können dabei die Augen schliessen oder den Blick unfokussiert vor uns auf den Boden fallen lassen. Dann richten wir unsere Aufmerksamkeit auf die Geräusche in unserem Umfeld. Wir nehmen sie wahr, benennen sie ohne sie zu bewerten. Vielleicht beobachten wir sie ein wenig.  Dabei spüren wir weiterhin wir unser Atem fliesst. Wenn wir bemerken, dass unsere Gedanken zu wandern beginnen, führen wir uns sanft zum Atmen zurück. Wenn wir spüren, dass wir beginnen Geräusche zu bewerten, dass unsere Wahrnehmung von der Gefühlswelt beeinflusst wird, lassen wir sanft diese Gefühle los und wenden uns wieder dem Atmen zu.

Ziel dieser Übung ist es, dass wir lernen ohne Bewertung wahrzunehmen und das, was unsere Umwelt ausmacht, so zu akzeptieren, wie es ist. Unsere Wahrnehmung ist durch unsere Gefühlswelt eingefärbt, unsere Empfindungen beeinflussen sie ebenfalls. Dazu haben wir einen Geist, der uns dauernd etwas vorplappert. „Warum muss der Nachbar gerade jetzt in seiner Wohnung bohren, wo ich doch so Kopfweh habe?“ „Müssen die Kinder gerade jetzt laut kreischend durch das Treppenhaus rennen?“ Diese und ähnliche Gedanken kennt sicher jeder. Und jeder kennt dieses unangenehme, entnervte, manchmal schon wütende Gefühl dabei. Etwas geschieht, das wir nicht beeinflussen können. Wir ärgern uns, dass wir es nicht beeinflussen oder gar verhindern können. Das wiederum verursacht eine schlechte Stimmung bei uns selbst. Unsere Gedanken kreisen darum, warum denn niemand auf usn Rücksicht nimmt. Wir machen in Gedanken allem und jedem Vorwürfe, auch uns selbst, weil wir uns ärgern, dass wir uns ärgern. Eine negative Spirale, die uns ganz schnell den kompletten Tag verderben kann. Wenn wir lernen, unsere Umwelt so anzunehmen und zu akzeptieren, wie sie ist, können wir sehen, dass wir gar nicht „Ziel“ des Geschehens sind. Es geschieht zufällig am gleichen Ort, an dem wir uns gerade ebenfalls befinden. Es ist nicht Intention des Nachbarn uns weiterhin mit Leiden zu erfüllen. Ebenso wenig, wie Kinder uns damit ärgern wollen, wenn sie laut kreischend durch die Gegend laufen. DIese Übung hilft uns vor allen Dingen, Akzeptanz der Dinge, wie sie sind, zu erlernen. Akzeptanz ist ein wichtiger Aspekt im Leben, besonders jedoch im Leben mit Kindern. Es gibt Geschehniss, die zum Kind sein gehören, wie zum Eltern sein. Sie passieren unweigerlich, egal, obwir damit hadern oder nicht. Mit Akzeptanz erleben wir sie auf jeden Fall stressfreier.

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