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Wie die Zeit vergeht – aus der kleinen Dame wird ein Gewitterhexlein

Es kommt mir vor, als wäre es erst gestern gewesen, dass die kleine Dame sich auf den Weg in unsere Welt gemacht hat. Und doch ist es jetzt tatsächlich schon ein Jahr her.

Ich hatte von Anfang an das Gefühl, dass sie nicht zum errechneten Termin kommen würde, sondern früher. Ebenso, wie ich von Anfang an das Gefühl hatte, dass wir eine Tochter bekommen. Mit der Schwangerschaft begann ich ausserdem mich mit Achtsamkeit zu beschäftigen und habe mich damit auch auf die Geburt vorbereitet, wie diejenigen, die mir schon etwas länge folgen, wissen. Ich zehre nach wie vor von den Übungen, die ich mit Hilfe der Bücher „Der achtsame Weg durch Schwangerschaft und Geburt“ und „Ressourcen für Mütter“ erlernt habe.

Wer mir schon ein bisschen folgt, hat vielleicht mitbekommen, dass ich ein großer Fußballfan bin. Entsprechend habe ich scherzhaft immer wieder gemeint „So lange ich die letzten wichtigen Spiele (letztes Spiel meines Vereins, DFB-Pokal, Europa League und Championsleague Finale) sehen kann, ist alles in Ordnung, dann kann sie gern kommen.“ Und so kam es dann, dass ich am Abend des CL Finales irgendwie immer wieder so ein Ziehen hatte. Mein Instinkt sagte mir schon gleich, dass es wohl Wehen sein werden. Da sie noch sehr unregelmäßig und in großen Abständen kamen, hab ich meinem Mann erstmal nichts gesagt. Nur nebenher den Wehentracker auf dem Handy angeworfen, um die Abstände im Blick zu haben. In der Halbzeitpause ging ich duschen, mehr um zu sehen, ob die Wärme etwas ausmacht, weniger zur Reinigung (davon abgesehen dusche ich einfach gern). Geändert hatte sich erst einmal nichts, also habe ich weiter geschaut, mich geärgert, dass Juventus seine Chance verpasst hatte und immer mal auf meinen Tracker geschielt. Mein Mann hat davon so gar nichts mitbekommen. Wir gingen dann zu Bett, ich schlief erstmal ein, jedoch nicht für lange, denn die Wehenabstände wurden langsam kürzer. Mittlerweile hatte es auch zu gewittern begonnen. Ich hielt weiter meinen Tracker im Auge, schlief aber auch zwischen den Wehen immer wieder kurz ein. Als wir bei einem Abstand von grob 10 Minuten waren, weckte ich meinen Mann mit den Worten „Du, ich habe Wehen, kommen jetzt etwa alle 10 Minuten, wir sollten vielleicht mal aufstehen und uns so langsam fertig machen.“ Er stand dann gleich halb im Bett, während ich gaaanz gemütlich aufgestanden bin. Da musste ich erstmal ein bisschen Tempo rausnehmen und habe ihn daran erinnert, dass diese Phase seeeehr lange dauern kann. Ich war auch immer noch auf 12 Stunden oder länger Eröffnungsphase eingestellt. „Ich habe noch nicht das Gefühl, dass wir schon los müssen. Ich mache uns erstmal einen Tee und Toast.“ Mit leerem Magen wollte ich irgendwie nicht ins Krankenhaus. Wir aßen etwas, ich gab meiner Schwester über Skype Bescheid, dass es jetzt wohl bald los geht. Da war es etwa 3 Uhr. Gegen halb sind wir dann los gefahren. Die Wehen kamen weiterhin alle 10 Minuten, da sie schon eine Weile so kamen, war mir schon klar, dass sie jetzt nicht einfach weg gehen werden. Etwa 20 Minuten später waren wir im Krankenhaus. Anmelden und dann erstmal ans CTG, ich glaube 30 Minuten waren es. Am Ende kam dann die Frage „Und, was machen die Wehen?“ „Joar, sind noch da und machen keine Anstalten wieder weniger zu werden.“ Verlegenes Lachen. „Ja, weil ja so viele Erstgebärende mit Wehen kommen und die sind dann hier schlagartig weg.“ Einen Kommentar dazu habe ich mir erspart, mir stand nicht der Sinn nach doofen Sprüchen. Als nächstes wurde der Muttermund untersucht, Stand ca. 5:30 waren 2cm, ich konnte also aufgenommen werden. Im Zimmer machte mein Mann nochmal ein bisschen die Augen zu, ich saß rum und hatte Wehen. Lust irgendwas anderes zu machen als die Zeit im Auge zu behalten, hatte ich nicht. Gegen 8 Uhr wurde der Abstand auf einmal kürzer und wir gingen wieder in den Kreissaal. Bis dahin war auch die Hebamme, die mich betreuen würde (in diesem Krankenhaus gibt es ein Wahlssystem, man kann sich die betreuende Hebamme vorher aussuchen), angekommen. Wir machten nochmal ein CTG, ich bat zudem um eine PDA (ich habe immer noch mit einigen Stunden Wehen gerechnet), die Hebamme untersuchte mich und verkündete, dass der Muttermund bei 5cm steht und wir jetzt in den Kreißsaal einziehen. Ich bekam meine PDA gelegt, kam wieder ans CTG und dann waren wir erstmal allein im Kreißsaal, naja, eher Geburtszimmer, eher klein und in Ansätzen gemütlich. Wir hatten ja beim Infotag schon alles gesehen. Es gingen alle davon aus, dass es noch eine Weile dauern würde. So wurde mein Frauenarzt, der Belegarzt in diesem Klinikum ist und daher auch bei der Geburt dabei war, nochmal nach Hause geschickt. Spontan beschloss die kleine Dame, dass jetzt der perfekte Zeitpunkt wäre, um geboren zu werden. Ich hatte die erste Presswehe und die Fruchtblase platzte. Mein Mann flitzte die Hebamme holen, klingeln hätte uns zu lange gedauert, denn es war viel los (lag wohl am Gewitter). Diese ordnete an, dass mein Arzt dann mal gleich wieder zurück kommen wollte (er war wohl gerade zuhause angekommen) und erklärte mir, was so Sache war. Die kleine Dame lag noch nicht im Becken und wurde durch die Presswehen langsam runter geschoben. Die Hebamme befand das als sehr gut, da so das Gewebe langsamer gedehnt würde. Irgendwer hatte es zwischenzeitlich geschafft, den Schlauch der Infusion für die PDA abzuknicken, so dass diese, kurz nachdem die Wirkung hätte beginnen sollen, keine Chance mehr hatte zu wirken. Aber es war keine lange Zeit zwischen PDA legen und Presswehen vergangen, so dass ich es nicht so schlimm fand. Gefühlt vergingen zwischen der ersten Presswehe und der Geburt des Köpfchens nur wenige Sekunden. Etwas länger wird es wohl gewesen sein, aber das Gefühl für Zeit und Raum geht komplett verloren, wenn man sich allein auf diese eine Aufgabe konzentriert. Hätte ich vorher ahnen können, dass es so schnell geht, hätte ich sicher nicht um eine PDA gebeten. (Dass diese nicht gewirkt haben kann, zeigte sich recht schnell auf Station, weil ich direkt wieder laufen konnte, was wohl eigentlich nicht gehen sollte). Um 10:59 Uhr war es dann soweit, die kleine Dame erblickte das Licht der Welt und wurde mir direkt auf die Brust gelegt. Da lag dieses winzige kleine Wesen und sah mich mit großen Augen an. Ich weiss nicht, was mich mehr berührt hat, dieser Moment oder der Blick in den Augen meines Mannes, als er seine Tochter zum ersten Mal sah. Ich weiss nicht wie lange ich sie im Arm hatte, sie wurde auf jeden Fall auf meiner Brust abgenabelt und dann kurz zur Untersuchung (wiegen, messen etc.) auf den Tisch neben uns gelegt. Mein Mann konnte bei ihr sein, während meine leichte Geburtsverletzung versorgt wurde. Wir kamen dann in ein Nebenzimmer, dort konnten wir dann erst einmal alle in Ruhe ankommen. Ziemlich schnell konnten wir uns dann gar nicht mehr erinnern, wie es nur ohne diese kleine Wesen war.

Über die Zeit danach, die erstmal nicht leicht war, habe ich bereits einiges geschrieben. Wenn ich zurück blicke, dann bin ich froh, meinen Weg gefunden zu haben und gegangen zu sein. Unser Start war wirklich nicht einfach, obwohl die Schwangerschaft ohne Probleme verlief und die Geburt wirklich schön war. In der ersten Woche, die sie zum größten Teil zur Überwachung auf der Intensivstation lag, habe ich die schlimmsten Ängste meines Lebens ausgestanden. Vollkommen irrational, aber trotzdem irgendwie real, weil sie so klein und leicht war. Umso schneller kam jedoch ihr Charakter deutlich durch und sie zeigte uns bereits da, dass sie sich nicht so leicht unterkriegen lässt. Klein, aber oho, das ist wohl ihr Lebensmotto.

Nach einem Jahr schaue ich nun zurück und stelle fest, mein Baby ist keines mehr. Es ist ein Kleinkind, das seinen Weg gehen möchte. Dass von uns begleitet werden möchte und auch ohne Worte schon ziemlich gut klar machen kann, was sie will. Bereits vor einigen Wochen begann diese Transformation. Ungefähr zeitgleich als sie anfing sich überall hoch zu ziehen, begann sie jeden Tag neue Fertigkeiten, neue Feinheiten in ihren Charakterzügen zu zeigen. Mit jedem Tag wurde aus dem kleinen Baby, ein kleines Kind. Von einem kleinen Wesen, dass sich nur durch reine Laute bemerkbar machen konnte, ist ein Kind geworden, dass Sprechen übt, dass mit Gesten zeigen kann, was es möchte. Das spielt und tobt, das auffordert zum Spielen (ja, sogar die Kaninchen zum spielen auffordert) und Kuscheln. Das gern im Haushalt und bei allem anderen, was wir an Aufgaben haben, helfen möchte und darf (Wäsche aufhängen und abnehmen, ein Lerntum für die Küche kommt noch, ebenso ein eigener kleiner Besen).  Ein Kind, dass gerade beginnt sich so richtig zu entfalten. Ich bin gespannt, wohin sie ihr und damit unser Weg uns noch führen wird.

Egal was kommt, sie kann sich unserer Unterstützung und unserer Liebe immer gewiss sein.

 

4 thoughts on “Wie die Zeit vergeht – aus der kleinen Dame wird ein Gewitterhexlein

  1. ist echt erstaunlich, wie schnell die zwerge ‚groß‘ werden und scheinbar jeden tag was neues können!
    bei mir war es mit den wehen übrigens wirklich so: bei der einstündigen fahrt ins kh bereits regelmäßig alle 4 min und im kh am ctg erstmal nichts… allerdings nur für 10-15 min, dann gings weiter 😉
    greets cao

    1. Nach einer Stunde Fahrt ist ja klar, dass der Körper erstmal kurz Ruhe braucht und dann nochmal los legt. Wir hatten ja nur 20 Min. Fahrt 🙂 Ja, die Zeit vergeht wahnsinnig schnell.

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