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Weil nur die Meilensteine zählen

Eigentlich wollte ich mich davon nicht ärgern lassen. Trotzdem geht es in meinem Kopf herum. Weniger, wegen mir. Ich kann es nicht leiden, wenn Menschen, die ich liebe, verletzt werden. Das Gewitterhexlein bekommt es so direkt noch nicht mit, aber ich denke, sie merkt schon sehr genau, wie ihre Großeltern tatsächlich zu ihr stehen. Es ging letztens mal wieder darum, wie toll doch die einen Monat jüngere Nichte ist. Hat ja die Tests bei der U6 so toll gemacht. Und wiegt ja auch mehr (wog zur Geburt schon mehr). Und ist ja so offen und fröhlich. Und läuft schon seit sie 11 Monate ist. Und das Hexlein mit 14 1/2 Monaten ja „immer noch nicht“. Aber mein Mann hätte ja auch „so lange“ gebraucht, er lief ja immerhin „erst“ mit 16 Monaten. Wenn ich sowas höre, dann werde ich echt sauer. Enkel und eigenen Sohn gleich mal indirekt als Versager hingestellt. Mein Mann fühlt sich ohnehin schon so (und da kann ich reden und machen was ich will, das krieg ich aus ihm auch nicht mehr raus).

Es scheint mir immer wieder, als wenn nur die „offiziellen“ Meilensteine, so wie sie irgendwelche Ratgeber mal definiert haben, gelten würden. Und dann auch nur die ganz „großen“ Krabbeln, Laufen, Durchschlafen. Eventuell noch Sprechen. Am besten natürlich noch vor den definierten Zeitrahmen erreicht. Mir fällt es sehr schwer mich in solchen Momenten in Gleichmut zu üben. Ja, es sollte mir egal sein. Ich sehe ja, was sie alles kann. Dass sie nichts davon zeigt, wenn man ihr auf den Sender geht, dass sie nicht dressiert ist irgendwas zu machen, sondern wenn etwas aus freien Stücken tut, ist ein anderes Thema. Dass sie bei ihren Großeltern fremdelt wird mir ja auch indirekt in die Schuhe geschoben. Ich geb sie halt nicht her, wenn sie schon „Nein“ signalisiert. Und ich wahre ihre Grenzen, wenn ich sehe, dass jemand sie überschreitet. Auch die eigenen Großeltern. Nur, dass die das so nicht kennen. Unsere beiden Nichten sind ja ständig bei ihnen, auch allein, da ist niemand, der mal sagt „Du, sie möchte jetzt nicht auf den Arm/mit Dir spielen/damit spielen“ und so weiter.

Ich weiss, dass mein Gewitterhexlein alles dann lernen wird, wenn sie es braucht. Sie probiert gerade viel aus, sowohl im grobmotorischen, als auch im sprachlichen Bereich. So wirklich weiss sie da noch nicht, was sie will. Dafür weiss sie immerhin was sie nicht will, Nein kann sie in unterschiedlichen Varianten, angefangen beim Wedeln mit dem Finger bis hin zu vehementem „Neinnein (Mama)“. Ich weiss auch, dass sie irgendwann mal ruhig durchschlafen wird. Bis dahin darf sie sich gern Zeit lassen, denn wenn sie durchschläft, steht sie um 4 Uhr auf. Dann lieber ab und an nachts wach und bis 5 oder gar halb 6 Uhr schlafen.  (Dass sie recht früh ins Bett geht und entsprechend früh aufsteht ist natürlich auch total unnormal, andere Kinder schlafen ja bin 9 Uhr durch in dem Alter…)

Es ist an sich ja nicht verkehrt sich einfach darüber auszutauschen, was die Kinder so können. Aber ohne Wertung. Ohne dieses von oben herab und vor allem dieses verletzende. Reden, dass alles normal ist, sowohl mit 11 Monaten laufen (gerade bei jüngeren Geschwistern ja nicht so ungewöhnlich), als auch mit 16 oder 18 Monaten. Dass Kinder dann sprechen, wenn es ihnen passt und auch das in Schüben (Sprachexplosion) passiert. Dass kein Kind Schlag 18 Monate X Wörter können MUSS (zumal gerne vergessen wird, dass eigene Wortkreationen als Wörter gelten). Es ist nicht leicht und es ist schade, dass sachliche Argumente da nie etwas bringen. Sie wissen es sowieso besser und da es ja bei den Nichten funktioniert, kann es nur an uns liegen. Ja, ich bin eine schreckliche Rabenmutter und Rabenschwiegertochter dazu. So bin ich und das wird sich nicht ändern. Damit werden sie leben müssen, allein schon, weil meine beiden Menschen hier mich so lieben, wie ich bin und mich lieben, weil ich so bin, wie ich bin. Was interessiert mich eigentlich der Rest?

19 thoughts on “Weil nur die Meilensteine zählen

  1. Ganz so offensichtlich ist es hier nicht, mehr unterschwellig. Ich glaube, sie kapieren auch einfach nicht, dass das unsinnig (und verletzend) ist, was sie da von sich geben. Es interessiert sie auch überhaupt nicht, was Hexlein schon kann, nur dass sie noch nicht das kann, was die Nichte kann. Traurig. Vor allem, weil sie nur diese Großeltern hat (meine Eltern sind ja noch Kaliber härter, da will ich definitiv den Kontakt nicht herstellen).

  2. Ich finde, diese Fixierung auf die Meilensteine sagt immer sehr viel über eine Person aus. Deren Kind möchte ich nicht sein (bzw. nicht gewesen sein). Bleib‘ genau so wie Du bist, Ilaina. Damit wird Dein Kind sicher sehr viel glücklicher. Und man sollte sich in der Tat viel mehr darauf konzentrieren, dass die Grenzen eines Kindes eingehalten werden. Dann kann es sich bestimmt wunderbar entwickeln.

    1. Ja, das sagt sehr viel aus. Es wurde auch Rabatz um die Zähne gemacht. Bei uns gings früh los, aber sehr lange kam nichts durch, dafür jetzt alles auf einmal (wie ich die ganze Zeit vermutet hatte). Aber die Nichte, da war ja mit 9 Monaten 2 Zähne durch.
      Ne, ich hab nicht vor mich zu ändern, ich bin zufrieden mit mir. Ich bin glücklich mit dem, was ich habe. Ich liebe Mann und Kind so, wie sie sind. Sonst wären es nicht meine 😉

        1. Natürlich. Man trainiert doch bitte auch mit dem Kind drehen, krabbeln und laufen. Und schleppt es in Pekip und Kinderturnen (der Kurs der großen Schwester). Sonst wird das doch alles nix. Vermutlich wurde das eher als Einbildung meinerseits abgetan.

  3. Eben. Und jedes Kind lernt seinem Charakter entsprechend. Verunsichern lasse ich mich nicht, solche Aussagen sind einfach verletzend.

  4. Hm, ja, Generation, aber auch eine Charakterfrage. Man muss halt auch immer was haben, womit man sich vor anderen vortun kann (Kirchengemeinde, im QiGong Kurs etc.) Sie wohnen 2 Std. entfernt, erwarten immer, das wir kommen, was ich unterbinde. Wenn sie ihre Enkelin sehen wollen, dürfen sie gern auch mal selbst her kommen. Aber das geht ja nicht „weil sie ja immer die anderen beiden haben“. Als ob man die nicht ins Auto setzen und mitnehmen kann (soferns meine Schwägerin nicht verbietet, was ich nicht glaube). Ich seh nicht ein, dass wir dauernd Geld in den Tank oder Zugtickets stecken, nur um dann bei ihnen nur rum zu sitzen, weil ja auch nichts mal zurückstellen kann, wenn wir da sind (sprich Kirchengemeinde, Kurse oder sonstige „Verpflichtungen“ sind dann trotzdem wichtiger). Zum Durchschlafen: Laut Schwiegermutter schläft die kleine Nichte durch. Tut sie nicht, wie mein Mann beim Telefonat mit seiner Schwester erfahren hat.

    1. Oh man, ja das kenn ich.
      Meine Mutter beschwert sich, dass sie ihren Enkel zu wenig sieht, dann komm ich mit ihm und sie macht tausend andere Dinge, statt sich um ihren Enkel zu kümmern…
      Ach und vieles ist einfach auch nur Gerede…

  5. Nein, zumindest nicht durch mich. Ich gehe mal davon aus, dass meine Schwester nicht dicht gehalten hat. Lange Geschichte, ich habe meine Gründe, warum ich keinen Kontakt mehr habe. (hab das als Thema meiner Blogparade gehabt, hat nur keiner mitgemacht, Beitrag ist unter Blogparade zu finden.)

    1. Stimmt, ich erinnere mich. Ich hätte gerne mitgemacht, aber irgendwie ist das bei uns auch ein sehr komplexes Thema und ich kann mich irgendwie noch nicht damit auseinandersetzen. Noch nicht.
      Obwohl ich das dringend sollte.

      Weisst Du schon, wie du es später handhaben willst, wenn sie nach Oma/Opa fragt?

      1. Wenn der richtige Zeitpunkt für Dich ist, wirst Du Dich von allein damit auseinander setzen.
        Ich weiss zwar noch nicht ganz, was ich sagen werde, aber ich weiss, dass ich nicht verhindern würde, wenn sie irgendwann den Kontakt suchen sollte.

  6. Witzigerweise hatten wir das Thema heut beim Mittag. Weil wir beide vermuten, dass meine Eltern wissen, dass sie Großeltern sind. Und trotzdem nicht versuchen in Kontakt zu treten. Ich bin halt die Böse, die, die nicht so ist, wie sie sein soll. Ich stelle sie nicht (mehr) über mich. Grad meine Mutter gehört zu den Menschen, die sowieso immer jemanden, dem sie Schuld an allem geben kann.
    Eben, ich will nicht, dass man ihr das gleiche antut wie mir. Wobei ich nicht mal sicher wäre, dass überhaupt Interesse an ihr da wäre. Meine Schwester, ihre Patin, meldet sich ja auch seit einem dreiviertel Jahr nicht mehr.

    1. Das ist wirklich sehr schade von ihnen, denn die Kleine kann ja am Allerwenigsten etwas dafür.
      Zumindest VERSUCHEN hätten sie es ja können – wie ihr dann damit umgegangen wärt, steht ja auf einem ganz anderen Blatt.

      Ich habe auch ein anderes Selbstverständnis von FAMILIE. Da sollten kein Neid, Missgunst und Eitelkeiten vorherrschen.
      Ich meine, wo kommen wir denn da hin?
      In was für einer Gesellschaft leben wir, wenn schon innerhalb der eigenen Familie Kriege entfachen? Ich finde das so schlimm.
      Und hätte ich es nicht selbst erlebt, läge das auch außerhalb meiner Vorstellungskraft.

      1. Ja, das kann sich kaum jemand vorstellen. Das allerabstrusteste überhaupt: Meine Mutter hat eine Ausbildung zur Mediatorin angefangen, kurz bevor ich den Kontakt abgebrochen habe.
        Ich denke, es hängt viel damit zusammen wo und wie man aufgewachsen ist und was man dann draus macht.

  7. Keine Ahnung. Aber allein diese Schizophrenie, der Umgang mit mir/uns (ich versteh immer noch nicht, wie meine Schwester darüber hinweg sehen kann) und dann Mediator werden wollen.
    Keine Ahnung, ob sie sie beendet hat. Ist mir auch egal.

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