Warum mir Anteilnahme so schwer fällt

Es gab vor kurzem einen Anlass, bei ich Anteilnahme an der Situation ausdrücken sollte. Zumindest wird das in bestimmten Situationen von der Gesellschaft erwartet. Nun bin ich weder ein Freund großer Durchalteparolen, noch von Aussagen, die in Richtung Mitleid gehen. Grundsätzlich bin ich da doch eher bodenständig und nenne das Kind beim Namen.
Doch warum fällt es mir so schwer einfach „was nettes“, „was aufbauendes“ zu sagen, habe ich mich gefragt. Die Antwort: weil es nicht gut ist. Es ist weder gut falsche Hoffnungen zu wecken durch Parolen (denn was ist, wenn der gewünschte Erfolg nicht eintritt?). Noch ist es gut sich in Mitleid für die Situation des anderen zu ergehen. Beides ist zudem unachtsam dem anderen gegenüber. Denn derjenige hat nun gar keine Chance mehr in Ansätzen so an die Situation heran zu gehen, wie sie ist. Nein, Anteilnahme, in der Form, wie sie gesellschaftlich praktiziert wird, bringt immer eine Erwartungshaltung mit sich und ist somit wiederum reine Anhaftung. Würde sich die Gesellschaft von diesen Konventionen der Nettigkeiten, zu denen diese Formen der Anteilnahme gehören, wäre einiges leichter zu meistern.
Ich sage nicht, dass man teilnahmslos durch die Weltgeschichte ziehen soll. Nein. Man darf schon teil haben, aber eben wahrhaftig, ungeschönt und achtsam. Kein „Du schaffst das schon, kann doch nur aufwärts gehen.“ oder „Du bist ein Kämpfer, Du kriegst das hin.“ Sondern „Ja, die Situation ist nicht leicht. Es kann in die eine oder in die andere Richtung gehen. Das weisst Du nicht. Und Du kannst es nicht ändern. Lasse es auf Dich zukommen und sieh es als die Chance an, die es ist.“ Der Blick geht doch viel klarer auf eine Situation, eine Entscheidung, eine Begebenheit auf unserem Lebensweg, wenn wir diesen klären und gesellschaftlichen Ballast abwerfen. Leben ist nun mal nicht bequem und einfach. Anteilnahme, die letztendlich maskiertes Mitleid ist, macht es jedoch durch seine Maskerade noch schwerer und nicht leichter.

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