Warum ich so ein zufriedenes Kind habe

Tja, gute Frage. Das weiss ich ehrlich gesagt selbst nicht. Ich höre es immer wieder, dass sie so fröhlich und ausgeglichen und so überhaupt nicht unzufrieden wäre. Dass sie so wenig weint. Und auch gar keinen Nuckel braucht, ausser eventuell zum Schlafen.

Es folgt dann oft die Frage, wie wir das machen. Als ob es ein Patentrezept dafür gäbe, dass sich ein Kind wohl fühlt. Nein, das gibt es nicht. Und ja, es gibt Tage, das ist die kleine Dame sehr sehr unzufrieden. Mit sich, mit der Welt, mit uns. Kein Mensch, egal wie alt, ist immer nur zufrieden. Das, was andere sehen, ist eben eine kleine Momentaufnahme.

Wer dann dennoch darauf beharrt erfahren zu wollen, was wir denn nun machen:

  • Stillen: Auch mit knapp einem Jahr stillen wir weiterhin. Momentan nicht ganz so viel, aber doch zumindest zum Einschlafen. Nicht zuletzt deswegen wird der Nuckel auch nur zum (Weiter-)Schlafen gebraucht, meistens fliegt der jedoch auch im Laufe der Nacht raus und sie schläft ohne weiter. Auch wenn sie nur nuckeln möchte, darf sie erstmal an die Brust. Und das weiss sie auch.
  • Tragen: Zumindest, wenn sie Lust dazu hat. Es gab Phasen, da war getragen werden total uncool, egal ob drinnen oder draussen. Momentan ist Tragen wieder in, auch in der Wohnung, aber nicht für lange. Nichts desto trotz, wenn wir raus gehen, egal ob einkaufen oder spazieren gehen, sie wird getragen, darf dabei schlafen oder rum schauen, alles anfassen wollen und vor allem immer die Nähe geniessen.
  • Familienbett: Passt für uns einfach am besten. Seit einiger Zeit haben wir ein 3,60m Matratzenlager. Trotzdem kommt es vor, dass wir alle in eine Ecke gekuschelt liegen. Immer dann, wenn mindestens 2 von uns 3 grad viel Nähe brauchen. Dennoch, wenn die kleine Dame unruhig schläft, kann sie rum rollen, soviel sie Platz braucht, ohne dass wir uns gegenseitig stören. Und doch sind wir nur eine Armlänge maximal entfernt. Sie weiss, dass immer jemand da ist. Und ich muss fürs nächtliche Stillen nicht aufstehen und irgendwo hin laufen. Kurz aufsetzen, stillen, ablegen, kuscheln, weiter schlafen.
  • Zuhören, mitfühlen, einfühlen, verbalisieren: Der elementarste Punkt für mich. Alles andere kann für andere Familien passen, muss aber nicht. Da muss jeder seinen Weg finden. Was wirklich zählt ist, wie nehme ich mein Kind wahr? Hinterfrage ich meine eigenen Gefühle und Handlungen, spüre ich, wenn ich in alte Muster verfalle? Höre ich, was mein Kind mir mitteilt, verbal und nonverbal? Höre ich ihm wirklich zu? Helfe ich ihm durch verbalisieren, seine Gefühle kennen und damit umgehen zu lernen? Lasse ich es spüren, dass ich es sehe, es wahrnehme, mit ihm in Kontakt bin?

Für mich beziehungsweise uns funktioniert dieser bedürfnisorientierte Ansatz einfach am besten. Wir erziehen nicht aktiv. Heisst, wir üben nichts, ohne eine Aufforderung von der kleinen Dame erhalten zu haben. Wir versuchen sie nicht in eine bestimmte Richtung zu leiten, Meilensteine (vorzeitig) herbei zu führen. Wir begleiten sie einfach bei dem, was sie tut. Erklären, wenn sie an ihre Grenzen stößt. Oder an unsere. Wir erklären und mahnen, wenn etwas für sie gefährlich ist (Kabel sind und bleiben super spannend) oder andere zu schaden kommen könnten (ins Auge pieksen, auch wenn es keine Absicht ist).

Vielleicht ist die kleine Dame auch einfach so zufrieden, weil wir mit unserem Weg zufrieden sind. Uns mit diesem Weg wohl fühlen. Denn letztendlich ist das doch das wichtigste: das es sich für einen selbst richtig anfühlt.

Comments

  1. wir handhaben es mit unserem hörnchen genauso und bis jetzt (hörnchen ist ‚erst‘ 3 monate alt) funktioniert es für uns auch sehr gut! auch werden wir immer wieder darauf angesprochen, dass unser kind so ausgeglichen und zufrieden ist und so eine gute farbe hat.. manchmal fragen wir uns dann schon, wie andere babys/kinder dann sein müssen bzw. welches bild man von anderen babys hat? anscheinend dauergrantige bleichgesichter die nie lachen oder einfach mal entspannt sind. dabei sind es, wie du sagst, nur momentaufnahmen, denn natürlich gibt es unruhige und grantige phasen… was durchaus berechtigt ist!
    ich glaube, der spruch „entspannte eltern, entspanntes kind“ trifft auch in gewisser weise zu 😉
    greets cao

    1. Naja, bei Madam heissts immer, dass sie blass ist. Sind wir allerdings beide, das liegt halt in der Familie. Ich denke, die meisten haben immer die dauerweinenden mit Nuckel zum Schweigen gebrachten Babies im Kopf. Der Trend zur Bedürfnisorientierung setzt sich ja erst so langsam durch. Wenn ich so daran denke, wie ich oder meine Eltern aufgewachsen sind, da kann man halt schon solche Bilder im Kopf haben.
      Entspannte Eltern gehen zumindest nicht sofort durch die Decke, was auf lange Sicht auch die Kinder mehr entspannt. Grundsätzlich muss ich aber sagen, grad in so klettigen Phasen ist es verdammt schwer entspannt zu sein (wenn die Dusche dann wirklich das einzige ist, wo man mal 5 Min. für sich hat). Da wünsche ich mir fast die Zeit zurück, wo alle 2 Std für mindestens 1 Std in meinem Arm geschlafen wurde (war ja mit knapp 5 Mo. vorbei XD ). Aber nur fast, die Zeit jetzt ist schon toll.

      1. ja genau so wird es sein. wir wurden bei einer ärztlichen untersuchung, wo unser hörnchen dann etwas zum quengeln angefangen hat, sogar mit nachdruck aufgefordert „jetzt gebens dem baby endlich den schnuller!“ – dabei nimmt es den nicht! es ist halt recht einfach, das baby so zum schweigen zu bringen. von älteren bekannten haben wir auch erfahren, dass sie den schnuller in honig oder sogar alkohol getunkt haben, damit das kind länger ruhig ist. kann ich mir garnicht vorstellen und bin froh, dass sich die zeiten geändert haben und weiterhin ändern…
        ja klar kann es zeitweise echt anstrengend sein, aber ich denke das ist es wert!! hätte mir früher nicht gedacht, dass ich 5 min unter der dusche mal sooo genießen werde!!

        1. Die Frage kam bei uns auch, Antwort: Nö, nimmt sie nicht. Und selbst wenn sie ihn so nehmen würde, hätte ich ihr den nicht gegeben. Babies haben genauso ein Recht ihren Unmut kund zu tun. Wenn sie richtig sauer ist, geht sie auch nicht an die Brust.
          Ja, das mit dem Honig kenn ich auch. Aber früher war es auch üblich Babies ab 3 Monaten Tee zu verabreichen oder Möhrensaft mit in die Flasche zu tun und solche Scherze. Damit es satter ist und schneller durch schläft. Und lieber früher als später mit Beikost anfangen.
          Es wird noch anstrengender, wenn man immer intensiver mitbekommt, was da so im Kopf vorgeht. Und wenn dann so die Zeit kommt, wenn es was ausdrücken will und nicht kann. Aber irgendwann gibt sich das und dann werden uns die Ohren abgequasselt XD Es ist schon toll mit Kind.

  2. Ich muss ein bisschen schmunzeln. Wir haben den gleichen Umgang mit unserem kleinen Schatz, aber dennoch ist unser Kleiner nicht soooo der entspannte Zeitgenosse. Er verlangt uns schon einiges an Geduld ab und bis vor 1-2 Monaten hing er total an mir, wenn wir woanders auf Besuch waren. Wollte nur auf meinen Arm und ließ sich von keiner Oma oder Tante oder wem auch immer bespaßen. Mittlerweile ist es etwas besser, aber das kann nicht das Patentrezept sein 😛

    1. Madam wird in 2 Wochen 1 Jahr und klebt oft an mir (und dann mal wieder nicht). Das ist gut so, Mama ist Ruhepol. Wenn wir woanders sind braucht sie auch erstmal etwas Zeit und will dann mehr Nähe bzw.stillt dann mehr. Bespaßen lassen findet sie voll blöd (musste sich SchwieMu erstmal dran gewöhnen. Und Geduld brauchst Du eh immer, wird ja nicht weniger anstrengend, vor allem, wenn die Entwicklung von Fertigkeiten und Fähigkeiten an Fahrt aufnimmt.
      Wie gesagt, das meiste sind nur Momentaufnahmen. Wir haben auch genug Tage, die nicht entspannt sind 😀

  3. Hier wurde auch lange gestillt, es gab kein Schnuller und dieses bedürfnisorientierte halte ich für das erste Lebensjahr absolut richtig.

    Ab dem 14. Lebensmonat wurde es dann schwieriger, weil hier mehr der Wille des Kindes ins Spiel kommt. Z. B. der Ausblick auf meinem Arm viel besser, aber mein Rücken machte das nicht mehr mit. Konsequenterweise musste ich das dann komplett zu Hause einstellen, damit sie nicht ständig quengelt. Das hat drei Tage gedauert.

    Jetzt ist sie mit Umarmen und Kuscheln zufrieden, weil sie es nicht mehr erwartet. Bedürfnisorientiert – habe ich also gelernt -kann also auch bedeuten die Bedürfnisse/Erwartungen so zu moderieren, dass es für beide passt.

    1. Nach dem ersten Geburtstag würde ich als Bezeichnung zu bindungsorientiert neigen, da sie ja dann auch anfangen Bedürfnisse unterschiedlich zu gewichten, Gefühle kommen dazu und die Tatsache, dass auch andere Bedürfnisse haben. Es beginnt ja auch langsam die Autonomiephase. Da ist zuhören, hinterfragen, aber auch das klare Kommunizieren der eigenen Bedürfnisse, und dann ggf vermitteln, gemeinsame Lösungen finden, ganz wichtig. Ihr habt da ja eine gute Lösung gefunden.

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