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Warum Elfenbeintürme respektlos sind (und schlimme Fallen noch dazu)

Das Gefühl kennt sicher jeder. Die einen mehr, die anderen weniger. Sich komplett zurück ziehen, alle weg schicken. Sich einigeln. Sich in einen hohen Turm zurück ziehen. Nicht sehen. Nichts hören. Nichts sagen. Einfach alle und alles weg. Am besten noch mit einer hohen Mauer drum. Ich hatte selbst einige Zeit lang dieses Bedürfnis und habe mich ausgiebigst selbst eingesperrt. Letztendlich auch um zu sehen, ob und wer sich die Mühe macht, zu mir durch zu kommen. Nur, um diese Menschen letztendlich wieder weg zu schieben. Es erfüllt einen schon mit einer gewissen Genugtuung, wenn immer wieder jemand versucht die Mauern um einen herum einzureissen und den Turm zu erklimmen. Nur, irgendwann kommt da niemand mehr. Allerdings kann man sich dann erst recht im Recht wähnen die schlimme Welt da draussen ausgesperrt zu haben.

Während meiner Zeit in Irland habe ich dann gemerkt, dass es so nicht geht. Dass es mir nicht gut tut und im Grunde totaler Quatsch ist. Überhaupt war die Zeit ein emotionaler Neustart für mich. Manchmal muss man einfach komplett aus den alten Gefügen raus. Ausmisten, Sortieren, neu Anfangen. Mit der Zeit wurde mir vor allem eins klar, wie respektlos ich mich verhalten habe. Sowohl mir selbst gegenüber als auch allen anderen. Sich selbst belügen und zu hintergehen ist eine Sache, und sich so zu verhalten ist nichts anderes. Anderen jedoch bewusst den Schmerz der Ablehnung zu zufügen ist absolut nicht in Ordnung. Denn nichts anderes tut jemand, der sich so dermaßen zurück zieht und jeden weg stößt, der einen wieder in die Welt zurück holen möchte.

Es ist absolut in Ordnung sich mal eine Auszeit zu gönnen. Mal das Telefon abschalten, Handy und Rechner ausmachen, sich die Zeit für sich selbst nehmen. Es ist auch in Ordnung sich ab und an mal wirklich mit dem eigenen Leiden auseinander zu setzen, in Ruhe. Meist geht einem dann doch auf, dass das Geschehene gar nicht so grausam ist, wie man es in dem Moment empfunden hat. Und genau hier steckt die Falle eines Elfenbeinturms eine ganz gemeine Falle. Denn sitzt man dann erstmal da oben und schaut auf alles und jeden herab, vor allem diese schönen Mauern um sich herum, dann fühlt man sich sehr schnell im Recht. Mit allem, vor allem damit, dass man da oben sitzt und auf alle herab blickt.

Ich habe damals einige Zeit gebraucht, um zu kapieren, dass ich in dieser Falle saß. Und habe dann die Kraft aufgeboten von meinem Turm herunter zu klettern, die Mauern ein zu reissen und denen, die gerade anfingen mir zaghaft ihre Freundschaft anzubieten, die Türe zu öffnen. Es begann für mich ein neues Lernen, ein Verstehen, dass Schmerz irgendwie zum Leben dazu gehört. Dass es einen nicht umbringt. Und dass Schmerz immer Transformation beinhaltet, denn es entsteht immer etwas neues daraus. Ich verstand mit der Zeit wie unachtsam und respektlos ich war. Mir selbst gegenüber, in dem ich mir diese Erfahrungen vorenthielt. Und allen anderen gegenüber, die sich abmühten und von mir immer wieder verstoßen wurden.

An dieser Stelle möchte ich mich aus tiefstem Herzen dafür entschuldigen.

 

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