Warum ein Grundvertrauen so wichtig ist

Ich hatte schon berichtet, dass bei der Gewitterhexe beim Abhören bei der U7 Herznebengeräusche festgestellt wurden. Gestern nun hatten wir unseren Termin beim Kinderkardiologen. Wir hatten die Wahl zwischen der Praxis, von der wir gerade erst weg gewechselt sind und der Ambulanz in der Geburtsklinik der Hexe. Die Entscheidung war so oder so einfach, denn unsere Erfahrung mit der Klinik sind einfach gut.

Wichtig ist natürlich, das Kind so gut wie möglich darauf vorzubereiten. Da die Gewitterhexe ohnehin gern Doc McStuffins – Spielzeugärztin schaut und seitdem selbst mit Stethoskop herum flitzt und alles mögliche, mit ernstem Gesicht, verarztet. Es gab da vor einer Weile eine sehr süße Situation. Ich hatte Bauchweh und Verdauungsbeschwerden und hing entsprechend im Bad fest. Während ich da so saß, holte die Hexe ihr Stethoskop und begann mich zu „untersuchen“ (sie hielt das Stethoskop an meine Beine, Knie und meinen Bauch). Dann sah sie mich ernst an „‚Nose, Mama!“ (Doc sagt, wenn sie heraus gefunden hat, was dem Spielzeug fehlt „Ich kann eine Diagnose stellen.“). So sehr mir der Bauch weh tat, so herzlich musste ich dann doch lachen. Jedenfalls ist es sehr praktisch, wenn das Kind so etwas ohnehin mag, das zu Nutzen, um es auf die bevorstehende Untersuchung vorzubereiten. Vorbereitung ist aus zwei Gründen total wichtig:

  1. Das Kind weiss, was auf es zukommt. Die ganz Kleinen, werden die Worte noch nicht verstehen, aber sie werden erspüren, dass es nichts ist, wovor man Angst haben muss.
  2. Wir Eltern haben die Möglichkeit dem Kind unser Vertrauen in es selbst und in den Arzt/die Ärztin/das Personal in KH oder Praxis zu vermitteln. Wir können ihm zeigen, dass wir verstehen, worum es geht und es nicht in eine Situation übergeben, die wir selbst gar nicht einschätzen können. Und dass wir auf es aufpassen und es darauf vertrauen kann, dass es nicht an Menschen übergeben wird, denen wir nicht vertrauen können oder wollen.

Auch wenn unsere Kinder natürlich ein gewisses Urvertrauen zu uns haben, sind solche Situationen einfach Ausnahmesituationen. Vor allem, wenn das Kind so kaum krank ist und entsprechend selten Ärzte sieht. Und dann kommen gerade bei internistischen Untersuchungen Gerätschaften dazu, die man so auch nicht mal eben im Arztkoffer hat. Umso passender, dass Doc zumindest ein „Röntgengerät“ (eine Zaubertafel auf einem kleinen Wagen) hat. So habe ich ihr das daran erklären können, dass der Arzt in sie rein schauen und ihr Herz ansehen kann.

Wir mussten sehr früh los (viertel vor 7, der Termin war um 8 Uhr), richtig Frühstück war nicht drin, zeitlich. Lust hatte sie so wirklich keine, war am Meckern. Zumindest bis zur Straßenbahn. Sie liebt es Straßenbahn und Bus zu fahren. Im Krankenhaus dann mussten wir kurz warten bis wir uns anmelden konnten. Dann nahm uns eine Schwester gleich mit. Als erstes wurde Blutdruck und Sättigung gemessen. Da sagte ich dann zu ihr „Schau, das macht Doc ja auch, nicht?“ Die Gewitterhexe nickte, die Schwester fragte nach, was ich meine und sprang dann auch gleich auf den Zug auf. „Na dann musst Du mal aufpassen, ob ich alles richtig mache.“ Hexe nickte und saß auf meinem Schoß, während alles gemessen wurde. „Och, bist Du dolle aufgeregt?“ fragt die Schwester beim Blutdruck ablesen. Die Gewitterhexe nickt wieder. „Ja, das kann ich verstehen. Du machst das ganz toll.“ Dann muss noch ein EKG gemacht werden. Auch dabei darf sie bei mir auf dem Schoß bleiben. Die Schwester erklärt, was sie da macht und wir bewundern die Farben an den Kabeln (sind ja alle farbig markiert). Zwei sind schwarz wie unser Kaninchen („Schwarz, wie Izzy, hmmm.“). So unangenehm das Aufkleben und dann wieder Abziehen der kleinen Kontaktscheiben ist, die Gewitterhexe macht mit. Kein Meckern, kein an den Kabeln ziehen. Dann wird sie noch gewogen und gemessen (87 cm und 11,7 kg, das macht doch einiges mehr Sinn als die 78 cm und 10,5 kg im Mai beim KiA, da kommen irgendwie immer mindestens 300 – 500 g und 4-5 cm weniger raus, als beim Messen daheim). Im Anschluss wechseln wir den Raum für den Ultraschall. Dort müssen wir einige Zeit warten, klar Oberarzttermine dauern halt. Das Krankenhaus ist vorbereitet und hat einen Fernseher mit DVD installiert, so kann die Hexe Shaun das Schaf schauen. Der Arzt kommt, stellt sich vor, unterhält sich kurz mit ihr und hört sie dann erstmal ab. Schon beim Hören meint er „Ah, ich glaube, ich weiss, was er (der KiA) gehört hat.“ Dann muss sich Hexe nochmal oben rum komplett frei machen, damit er den Ultraschall macht. Der Arzt zeigt ihr erstmal das Gerät „Schau mal, ich hab hier ein Zaubergel drauf, damit kann ich mir Dein Herz ansehen.“ Die Hexe nickt, ich streichele ihren Kopf und unterhalte mich mit ihr. Der Arzt schallt sehr gründlich. Zwischendurch traut sich die Gewitterhexe sogar immer mal auf den Monitor zu schauen. So ganz uninteressant ist es offenbar nicht. Ansonsten gugt sie weiter Shaun und liegt ganz ruhig. Arzt und Personal sind leicht überrascht, wie gut sie mitmacht. Nach dem Ultraschall hört er nochmal ab, dann darf Hexe wieder angezogen werden. Und mir wird erklärt, was los ist. Ohne groß ins Detail zu gehen, es gibt zwei kleine Auffälligkeiten, jedoch nichts was sie einschränkt. Das, was der KiA gehört hat, ist „an der untersten Grenze von gering und gerade mal so an der Grenze des Hörbaren“ (O-Ton Kardiologe, sowas zu hören spricht dann aber auch wieder für den Kinderarzt). Nichts, was sie einschränken würde „Wenn sie jetzt einen Marathon laufen wollte, könnte sie das tun.“ Gut zu wissen. Er will in größeren Abständen zwar sicherheitshalber auf eine der beiden Kleinigkeiten ein Auge haben, meinte aber, dass es Menschen mit der gleichen Anomalie gibt, bei denen würde es sich nie bemerkbar machen. Alles nicht dramatisch, trotzdem gut zu wissen. Als wir gehen, winkt die Gewitterhexe zum Abschied und wirft dem Arzt ein Kusshändchen zu. Der ist ehrlich überrascht und freut sich. Ich auch, denn es zeigt, dass sie sich wirklich sicher gefühlt hat die ganze Zeit. (Kusshändchen bekommen sonst nur wir Eltern, die Großeltern und seit neuestem die Tagesmutter. Sonst wird gewunken oder gleich weg gegangen (mit Vorliebe bei unseren Nachbarn, da dreht sie gern um, obwohl sie sie seit Geburt kennt und die wirklich nett sind)). Das kommt sicher nicht nur aus der Vorbereitung, sondern durch den generellen Umgang mit uns. Natürlich fiel es mir leichter Sicherheit und Vertrauen zu vermitteln, weil ich ohnehin eine positive Grundeinstellung zu diesem Krankenhaus habe. Das Verhalten und der Umgang des Personals mit uns, bestätigte den von mir zuhause vorbereiteten Vertrauensvorschuss.

Ob es ohne Vorbereitung und ohne das Vertrauen auf mich als Erwachsene, dass ich meine Gewitterhexe beschütze, anders gelaufen wäre? Mit Sicherheit. Ich denke an Arztbesuche, bei denen ich selbst Bauchweh hatte, eben nicht Ruhe vermitteln konnte, weil es immer auf Konfrontation lief. Das hat sich auch erst mit dem Kinderarztwechsel geändert und auch ab dann war sie bei Untersuchungen ruhiger. Vertrauen muss von allen Seiten da sein, damit so etwas gut über die Bühne gehen kann. Eltern müssen auf den Arzt vertrauen können, auf seine Einfühlsamkeit und seine Fachkenntnis. Ärzte müssen darauf vertrauen können, dass Eltern ihnen nicht in den Rücken fallen, sie die Situationen vorbereiten (und ggf. auch nachbereiten) und mit ihnen zusammen arbeiten. Kinder müssen auf die Eltern vertrauen können, dass sie beschützt werden und auf die Ärzte, dass sie ihnen helfen wollen. Es geht nicht ohne. Anstatt immer vom Schlechtesten auszugehen, sollten wir uns darauf besinnen, dass Menschen nicht grundsätzlich schlecht sind und wir, selbst wenn wir uns nicht unbedingt mögen, in unserem Streben nach Glück und Zufriedenheit alle gleich sind. Und wenn man das im Kopf hat, kann man nicht nicht vertrauen.

 

 

P.S. Ich darf mich auch noch kardiologisch Abchecken lassen. Ich berichtete von meinen Erschöpfszuständen.Die Blut- und Schilddrüsenwerte sind vollkommen in Ordnung, teilweise sogar besser als vor 4 Jahren als mein Hausarzt eins machen liess, weil ich neue Patientin bei ihm war. Da es von der Symptomatik her passen könnte, muss ich mir nun auch einen Kardiologen suchen.

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