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Warum der achtsame Weg nicht der einfachste ist

Ich lese immer wieder, dass Eltern anfangen (wollen) achtsam mit ihren Kinder umzugehen. Sie wie Menschen zu behandeln. Und sie stellen es so einfach dar. Ein bisschen mehr zuhören, ein bisschen begleiten und alles ist gut. Einfühlen in das Kind.

Nein, es ist eben nicht so einfach. Einen Menschen, egal ob groß oder klein, menschlich zu behandeln, hat nichts mit Achtsamkeit zu tun. Es sollte der normale Umgang unter Menschen sein. Einfühlen in Kind und Situation hat auch wenig mit Achtsamkeit zu tun. Jeder Mensch ist empathiebegabt, jedoch nutzt es kaum jemand.

Achtsam zu sein, bedeutet in jedem einzelnen Moment zuhause zu sein. Die Gedanken auf den aktuellen Moment, auf das Jetzt gerichtet haben. Nicht auf den Moment davor oder den, der dann kommt. Es heisst, nicht zu denken „Oh nein, gleich muss ich die Küche wischen und das Baby/Kind umziehen.“, wenn mit Essen gespielt wird. Es heisst, den Moment anzunehmen, den Spaß und die Experimentierfreude zu sehen. Es heisst, anzunehmen, dass es Arbeit bedeutet, wenn ein Kind das Essen entdeckt, Konsistenzen erforscht. Es bedeutet anzunehmen, dass der Alltag, im Allgemeinen, nur begrenzt steuerbar ist.

Achtsam zuhören bedeutet jedes Wort genau zu hören. Es heisst auf Mimik und Gestik zu achten, mitzuerleben, was das Kind erzählt. Viel zu schnell verfallen wir, auch bei unseren Kindern, in das Call Center artige „Ach, Mhm, Ehrlich, ich verstehe…“, weil wir unsere Konzentration nicht auf den (gefühlten) Kleinigkeiten halten können, von denen Kinder berichten. (Der Gegenpart dazu sind dann die „Ja, Mama“-Gespräche, wenn nämlich das Kind nicht mehr zuhört.) Es heisst, da zu sein, da bei seinem Kind, seiner Geschichte, bei seinen Erlebnissen.

Achtsamkeit bedeutet, mit offenem Geist in jede Situation zu gehen, Liebe zu geben, mit sich selbst befreundet zu sein.

Ja, Achtsamkeit an sich ist leicht zu lernen. An sich auch leicht zu üben, wenn man sich die Zeit für formelle Meditation nehmen kann. Achtsamkeit jeden Tag zu praktizieren, ist alles andere als einfach. Es ist verdammt schwer unter Schlafmangel in dem Moment zu sein, in dem man gerade ist. Es ist schwer, jedes Mal innerlich einen Schritt zurück zu machen, als einfach dem Impuls nachzugehen.

Mit etwas zuhören und begleiten ist es nicht getan. Auch mit ein bisschen Empathie auch nicht. Achtsamkeit muss bewusst praktiziert werden. Jeden Tag aufs neue den Tag als komplett neu und einzigartig zu begrüßen, auf sich zukommen zu lassen, anstatt alles durch (zuviel) Planung von vorn herein zu verbauen. Genau genommen, können wir genau das von unseren Kindern lernen. Genauer zuhören ist also nicht „der“ achtsame Umgang, sondern es ist der Anfang des Erlernen der Achtsamkeit.

6 thoughts on “Warum der achtsame Weg nicht der einfachste ist

  1. Ein toller Beitrag!
    Über soviele Definitionen von Achtsamkeit , habe ich mir noch gar nie Gedanken gemacht, danke dafür!
    Aber alles durchaus vollkommen zutreffend, schlimmerweise setzt man sich mit soviel durchaus gar nicht auseiander, denn das Talent mit Scheuklappen durch die Gegend zu stapfen ist natürlich viel einfacher. Und vorallem ist „Mama“ heutzutage sowieso viel zu gestresst, und hat eher die Uhr im Blick, als die kleinen Dinge im Leben zu genießen und zu beobachten…eben achtsam zu sein.
    Eigentlich schade 🙁

    1. Ich denke, es ist auch ein Problem der deutschen Sprache. Achtsamkeit und Aufmerksamkeit wird gern synonym verwendet, ist aber nicht das gleiche. Im Englischen ist Achtsamkeit Mindfulness, da wird die eigentliche Bedeutung wesentlich klarer.
      Der gesellschaftliche Druck und die eigenen Ansprüche stehen einem oft im Weg, so dass man das Wesentliche schnell aus den Augen verliert. Als Mutter noch mehr als ohne Kinder.

    1. Ach, Roe, Du wieder…worst case und so. Kinderwagen und Smartphone lass ich mir noch eingehen, Rauchen mit Kind im Wagen/an der Hand geht gar nicht. (Ich bin Raucherkind und ich habe den Geruch gehasst, selbst in der Zeit, wo ich dann mal selbst geraucht habe.)

      1. Ne, Smartphone find ich auch krank. Da sitzt ein Baby, das überhaupt nicht versteht, was ein Smartphone ist und dass Mama/Papa gerade NICHT mit ihm kommuniziert, in seinem Kinderwagen und fühlt sich angebrüllt. Find ich nicht ok.
        Möglichkeit 1: Nicht in Gegenwart von Kindern telefonieren (ok, wäre radikal). Möglichkeit 2: Wenigstens nett sein, solange Kind dabei ist. Wäre übrigens auch menschlich, nett zu sein, wenn das Kind nicht dabei ist… *frotzel* 😀

        1. Ja gut, ich telefoniere nicht bzw. extremst ungern. Mein BB hab ich nur zum Schreiben (SMS, Mails, Blog). Das hab ich auch desöfteren in der Hand. Aber ich brülle nicht rein. Nur ab und an brauch ich auch mal menschlichen Kontakt.Nett sein geht gar nicht (nett ist und bleibt der kleine Bruder von Scheisse). Dann doch schlicht einfach ein offener Geist. (Davon ab hören sich die meisten ohnehin nicht selbst beim Reden zu. Wir haben gestern spaßenshalber einfach mal gepflegt vor uns her geflucht, weil das nicht mehr geht, sobald sie sprechen kann XD ).

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