Von Wertschätzung und Respekt

Wenn ich an das denke, was in letzter Zeit vermehrt in den Medien sehe (damit meine ich Blogposts, Zeitungsartikel, Sendungen im TV, Werbung etc.), dann muss ich feststellen, dass wir immer respektloser miteinander umgehen. Nicht nur wir Erwachsenen miteinander, sondern auch Kindern und anderen Lebewesen gegenüber. In der Werbung ist es nichts neues, dass Botschaften auf dem Rücken der Kinder vermittelt werden und nicht selten werden Kinder dabei als dumm, nervig und manipulierbar dargestellt. Nicht selten wird dabei eine gewisse Geringschätzung von Kindern deutlich. Nicht selten lese ich zudem Blogbeiträge, die witzig gemeint, Kinderverhalten gern ins Lächerliche ziehen. Gleichzeitig verlangen aber genau jene, die solche Beiträge erstellen, dass Mütter für ihre Rolle von den arbeitenden Partnern wertgeschätzt werden sollen, weil sie ja so unglaublich viel leisten (und auch noch nebenher das Netz unterhalten). Vor nicht allzu langer Zeit ging der im Original englischsprachige Beitrag eines Vaters durchs Netz, in dem er „wert schätzte“, was seine Frau den ganzen Tag so leistet, während er ja nur arbeiten geht. Womit er sich zum einen natürlich fein aus der Affäre zieht und ihr, sollte es auf Grund dessen einmal (oder wieder) Streit geben, vorhalten was er geschrieben hat und dazu die gesamte Lobhuddelei der Netzwelt.

Ich denke, bei den meisten liegt ein Missverständnis  beider Begriffe vor. Nicht zuletzt auch, weil Respekt und Wertschätzung gern gleich gesetzt oder äquivalent verwendet werden. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass die Form der entgegengebrachten Wertschätzung oft mit Respekt verwechselt wird. Respekt ist keine Form der Ehrerbietung oder Wertschätzung, auch wenn dies oft so dargestellt wird. Respekt ist eine geistige Grundhaltung allen Dingen gegenüber. Respekt ist eben NICHT wertend, sondern akzeptiert alle Dinge und Wesenheiten so, wie sie sind, einfach, weil sie existieren. Respekt ist in meinen Augen eher mit Gleichmut gleich zu setzen.

Wertschätzung hingegen zeigt, welchen Wert ich etwas in meinem Leben zu messe. Diese Wertung kann hoch sein, so dass ich jemandem oder etwas Anerkennung oder sogar Hochachtung beibringe. Wertschätzung geht allerdings auch in die andere Richtung, man kann auch gering schätzen bis hin zur Verachtung.

Respekt und Wertschätzung können getrennt von einander existieren. Ich kann jemanden oder etwas respektieren ohne ihm einen Wert zu zubemessen. Anders herum kann man jemanden oder etwas wertschätzen ohne es zu respektieren. Letzteres ist in der heutigen Zeit mehr vertreten, als der grundlegene Respekt vor allem, was exisitiert.

Zurück zur gedanklichen Ausgangsposition: Wenn ich also von jemandem Wertschätzung verlange, sollte ich ihm diese dann nicht auch entgegen bringen? Wenn ich als Mutter also erwarte, dass man mich achtet und wert schätzt, weil ich mich um mein Kind (und soweit möglich den Haushalt) kümmere, sollte ich dann nicht auch meinem Partner Achtung un Wertschätzung entgegen bringen, weil er durch seine Berufstätigkeit dafür sorgt, dass wir ein Dach über dem Kopf und zu essen haben? Wenn ich verlange, dass ein Kind einem Erwachsenen Respekt gegenüber erbringt, weil er ein Erwachsener ist, sollte ich als Erwachsener  nicht auch dem Kind Respekt zollen, weil es, ebenso wie ich, ein Mensch ist? Oder weiter gegriffen: Haustiere werden erzogen, sie sollen beispielsweise Respekt vor ihrem „Rudelführer“ haben (wobei dies eigentlich schon wieder Achtung ist, nicht Respekt). Sollte ich ihnen dann nicht zumindest auf der Tatsache, dass wir beide Lebewesen sind, Respekt zollen. Und sie wert schätzen, weil sie meinen Lebensalltag bereichern?

Sollten wir mal darüber nachdenken, oder?

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5 Gedanken zu „Von Wertschätzung und Respekt

  1. cao 29. Februar 2016 at 15:20

    da bin ich ganz deiner meinung!
    mir kommt es so vor, als würden wir uns eigene hierarchien machen, anstatt allem und jedem respektvoll gegenüberzutreten. es ist ja ‚mein‘ kind, es soll das machen was ich will, gehorchen, so werden wie ich es mir vorstellen, anstatt dass wir sehen, dass es von geburt an (oder auch schon vorher…) ein eigenständiger mensch ist! ein kleiner mensch, der genauso respekt und wertschätzung verdient wie ein erwachsener!
    genauso verhält es sich mit den tieren. wir menschen denken, wir sind besser als sie und können daher über sie bestimmen und respektlos mit ihnen umgehen!
    und ich finde übrigens, dass ein gegenseitiger respekt und auch respekt gegenüber tieren, pflanzen, dingen usw. in der gesellschaft wieder viel mehr an bedeutung gewinnen sollten! dafür wäre vorbildwirkung und nicht manipulative, auf stereotypen basierende werbung zb. ein anfang.
    greets cao

    • Ilaina 29. Februar 2016 at 19:30

      Cao, da bin ich ganz bei Dir. Lebewesen lernen durch vor leben. Der Mensch ist das einzige Lebewesen, das permanent an der eigenen Art rum mäkelt und nur negatives sieht, Bedürfnisse weckt, um Lücken in der Seele, die durch dieses Verhalten entstehen, zu füllen. Und anstatt sich darauf zu besinnen, warum diese Lücken da sind und wie man sie in Zukunft verhindern kann, wird lieber noch ein neuer Stereotyp erfunden, noch einen neue Maske gebastelt, neue Konstrukte entworfen, nur um nicht zu reflektieren und, eventuell schmerzhafte, Erkenntnisse verarbeiten zu müssen.

    • Ilaina 29. Februar 2016 at 20:22

      Was mir gerade einfällt: in der aktuellen Ausgabe von „Mit Kindern wachsen“ ist ein sehr schöner Artikel dazu. Grundthema ist zwar das Spielen, aber eben auch die Freundschaften die Kinder zu allem schliessen können. Das passt, finde ich, sehr gut. (Kann diese Zeitschrift generell sehr empfehlen.)

  2. toe 29. Februar 2016 at 15:21

    Ja sollten wir! Schön auf den Punkt gebracht.
    MfG toe

    • Ilaina 29. Februar 2016 at 19:30

      Danke!

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