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Über Ehrlichkeit einem selbst gegenüber und was das mit Achtsamkeit zu tun hat

Ich merke immer wieder, mit der Ehrlichkeit ist es nicht so weit her bei den meisten Menschen. Nicht nur anderen, auch sich selbst gegenüber. Es wird immer geschönt oder etwas weg gelassen. Das betrifft sowohl reine Fakten,als auch Gefühle. Denn Gefühle zulassen und akzeptieren, dass ist in unserer Gesellschaft nicht wirklich beliebt.Es ist natürlich erst einmal unbequem, sich damit auseinander zu setzen, was man gerade empfindet. Und warum man es empfindet. Und dann zu akzeptieren, dass man den Grund eventuell gar nicht ändern kann und einfach annehmen muss, dass es so ist, wie es ist.

Mir ist dies heute wieder einmal an mir selbst aufgefallen. Ich war ein wenig sauer über etwas, was ich nicht ändern kann. Nämlich, dass ich mich eigentlich gern einem Hobby widmen möchte, dies aber nicht kann. Zum einen, weil meine Tochter in einem Entwicklungsschub steckt und dazu noch zahnt und entsprechend anhänglich ist. Was ich vollkommen verstehen kann und ihr die Nähe gebe, die sie braucht. Zum anderen hat mein Mann aktuell wieder Nachtschichten, was bedeutet, dass ich momentan keine Momente habe, in denen ich mich nicht um das Baby kümmere, denn er muss tagsüber logischerweise schlafen. Natürlich ist auch das für mich verständlich und ich würde nie etwas anderes von ihm verlangen (auch wenn er dennoch immer früher aufsteht, als er eigentlich ausgeschlafen ist, mit der Behauptung, er könne nicht mehr schlafen). Trotzdem ärgere ich mich, denn ich habe auch noch ein bisschen Haushalt, zumindest das mindeste, nämlich Wäsche waschen und Geschirr spülen. Klar, machen alles Maschinen, aber einräumen und aufhängen dauert auch seine Zeit. Ab und an mag sich meine Kleine auch ein wenig selbst beschäftigen, so dass ich immerhin dazu komme in Ruhe zu frühstücken oder nach und nach über den Tag verteilt, die Wäsche ab zu nehmen und den Geschirrspüler ein- und auszuräumen. Aber, dann ist eben keine Zeit mehr für mich. Und so sehr ich meine Tochter liebe (und irgendwann einem Geschwisterchen nicht abgeneigt wäre), so gibt es diese Momente, wie heute, da bin ich dann einfach wütend. Das sind die Momente, in denen Achtsamkeit ins Spiel kommt. Nämlich inne zu halten und den Geist auszubremsen, wenn er bereits wieder mit Hätte, Wenns und Abers davon galoppieren will. Einfach im Geiste stehen bleiben und mich fragen „Hej, warum bin ich grad eigentlich sauer?“ Und wenn ich die Antwort gefunden habe, dann mir selbst zu sagen: „Ok, Du bist wütend. Doch Du bist wütend über etwas, was nun mal so ist, wie es ist. Es braucht alles Zeit seinen Rhythmus zu finden. Mit Wut kannst Du nichts erzwingen.Du tust Dir, Deiner Tochter und Deinem Mann Unrecht, wenn Du jetzt weiter sauer bist.“ Ich akzeptiere mein Gefühl, verstehe es und dann lasse ich es los. Ich lasse meine Wut ziehen und bin wieder ruhiger und in der Lage mich voll und ganz auf den gegenwärtigen Moment zu konzentrieren.

Es ist nicht leicht, das gebe ich zu. Manchmal hilft es, das Gefühl  anzusprechen, um mir klar darüber zu werden, was mich wurmt. Manchmal muss man zum Verstehen das Kind beim Namen nennen, wie man so schön sagt. Wie man heraus findet, was einen stört, ist im Grunde egal. Wichtig ist, dass man dabei ehrlich zu sich selbst ist.Ehrlich darüber, was man gerade empfindet. Ehrlich, dass man den Grund nicht, oder im Moment nicht, ändern kann. Denn nur das ist der achtsame Weg einem selbst gegenüber. Und nur, wenn ich mir selbst gegenüber achtsam bin, kann ich dies auch anderen gegenüber sein.

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