Metta Experiment 2.0 – Was Freundschaft bedeutet

Nachdem ich bereits bei der letzten Übung für mich beim Thema Freundschaft gelandet bin, wende ich mich daraufhin der Übung „Die Bedeutung von Freunden“ zu. Die Übung ist Teil des Kapitels „Hindernisse bei der Entwicklung von Liebender Güte“. In dem Kapitel geht es hauptsächlich darum, die Schwierigkeiten und Hindernisse, auf die man selbst stoßen kann zu betrachten und aufzulösen. Viele Hindernisse haben mit Anhaftung zu tun, mit dem Wunsch alles festhalten zu wollen und zu leiden, wenn klar wird, dass es nicht festzuhalten ist.

Generell ist es allerdings nicht verkehrt sich ab und an Gedanken darum zu machen, was Freundschaft für einen selbst eigentlich bedeutet und warum das so ist. Für mich waren Freunde lange eine Art zweite Familie. Meine Ursprungsfamilie ist jetzt nicht bekannt für Herzlichkeit ohne Ansprüche. So gesehen ist Anhaftung, vor allem der Hang an materiellen Dingen, elementar bei ihnen. Sich selbst daraus zu lösen war nicht leicht. Dafür habe ich mich dann Freunde geklammert, fast bis zur Selbstaufgabe. Irgendwann spürte ich, dass das so nicht funktioniert und ich begann etwas mehr auf mich zu achten. Oder anders gesagt, ich erwartete, dass ich von meinen Freunden das selbe zurück erhalte, was ich gebe. Ich war (und bin) für sie immer verfügbar, wenn sie mich brauchen. Ich gab alles und wollte, dass auch für mich alles gegeben wird. Immerhin war es für mich eine zweite Familie. Ich hatte sonst keinen rechten Halt in der Welt. Die Ernüchterung kam dann, als mir bewusst wurde, dass das so auch nicht der richtige Weg war. Nicht zuletzt, weil mir oft genug weh getan wurde, auch wissentlich, ein gewisses Ausnutzen mit gleichzeitiger Abweisung. Ähnlich, wie es teilweise in meiner Familie lief. Meine Reaktion darauf war, mich von allen los zu sagen und freundschaftliche Annäherungsversuche abzulehnen und wegzubeissen.

Seitdem sind einige Jahre vergangen. Besonders in meiner Zeit in Irland, mit räumlicher Distanz zu allem, habe ich viel darüber nachgedacht. In vieler Hinsicht war dies eine Zeit, in der ich nochmal neu für mich angefangen habe. Dort habe ich auch zum ersten Mal die Erfahrung machen dürfen, dass sich jemand um meine Freundschaft bemüht, weil ich so bin, wie ich bin. Nicht, weil diese Person etwas von mir wollte, keine Ansprüche oder Erwartungen, einfach, weil es gepasst hat (und es immer noch tut, wofür ich sehr dankbar bin). Und das tat weh. So richtig tief in mir drinnen. Der ganze Schmerz, den ich so schön eingeschlossen hatte, der tropfte so langsam wieder aus meinem Herzen und ich konnte mich wirklich ein bisschen öffnen.

Als ich zurück kehrte war irgendwie klar, dass meine alten Freundeskreise so nicht mehr funktionieren würden. Somit war ich erstmal wieder allein. Leider führte das zu einer Art Rückfall in alte Verhaltensmuster. Aus diesen habe ich mich tatsächlich erst in der Schwangerschaft und durch meine Achtsamkeitspraxis langsam heraus arbeiten können. Vieles fällt mir immer noch schwer, ein Teil von mir wehrt sich immer wieder dagegen neue Kontakte zu knüpfen, aus denen vielleicht Freundschaften werden könnte. Dieser Teil will dann die ganzen alten Geschichten raus holen. Das piekst und sticht und ich will einfach nur weg laufen. Doch ich tue es nicht. Ich kann akzeptieren, dass es so ist, dass ich mich so fühle. Und dann lasse ich los. Denn, Freunde sind wichtig, Kontakte sind wichtig. Freunde sind ein Netz. Ich habe meine eigene kleine Familie, ich brauche keinen Ersatz mehr. Ich kann offen sein für das was kommt. Und so ist es auch schön, wenn wir von einer Mutter aus der Krippe quer über den Parkplatz begrüßt werden. Ohne das Gefühl, dass man irgendwie auffällig wäre, ohne das Gefühl, dass man abgestempelt würde, sondern einfach, weil man sich täglich sieht, weil die Kinder in der Garderobe nebeneinander sitzen.

Also, Freundschaft bedeutet für mich nicht mehr Ersatzfamilie. Freunde sind eine Ergänzung zur Familie. Freunde kann ich überall finden. In der Arbeit, beim Hobby, die Eltern von anderen Kindern, Eltern von Spielfreunden. Es hat lange gedauert, doch sich anderen gegenüber ehrlich öffnen zu können, heisst auch, die Welt grundsätzlich als wohlwollend  (an) zu erkennen.

 

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Metta Experiment 2.0 – Der Wohltäter

Nachdem man das Gute in sich bedacht und sich selbst (wieder) Freundschaft angetragen hat, ist es Zeit sich einem anderen Menschen zu zuwenden und diesem Liebende Güte zu senden. Dies ist im ersten Schritt jemand, der einem im Guten, wohlwollend zugewandt ist. Man sollte hierfür niemanden wählen, mit dem man beispielsweise durch sexuelle Liebe oder Anziehung verbunden ist.

Ich weiss noch, dass es mir bei meinem ersten Durchlauf recht einfach fiel Wohltäter zu wählen. Damals fiel die Wahl auf meine Schwiegereltern. Seitdem hat sich einiges geändert, so dass ich sie nicht mehr als Wohltäter wählen mag. Ja, sie unterstützen uns finanziell. Aber das war es dann eben auch. Seit das Gewitterhexlein da ist, wird immer deutlicher, dass doch Unterschiede gemacht werden. Ob bewusst oder unbewusst ist dabei egal. Nicht im materiellen, nein, da werden alle gleich behandelt. Aber im emotionalen. Es geht damit los, dass nie Zeit dafür ist uns zu besuchen, gleichzeitig allerdings immer wieder Vorhaltungen kommen, dass sie die Kleine so selten sehen und endet mit dauernden Vergleichen und Hinweisen, wo sie „spät dran“ wäre. Leider ist vieles davon nicht einfach nur der gut gemeinte Großelternrat, sondern schon indirekte Vorhaltungen und Abwertungen. Das tut weh. Und damit muss man auch erstmal umgehen. Es ist schade, aber nicht zu ändern.

Also keine Wohltäter vorhanden? Doch. Genau genommen ebenfalls zwei Menschen, die jedoch nichts miteinander zu tun haben. Ich kenne beide unterschiedlich lang. Zu einer der beiden lebte eine alte Freundschaft wieder auf, die andere kenne ich etwas über ein Jahr. Beiden habe ich nun also meine Liebende Güte gesendet. Dabei habe ich mich daran erinnert, wie es sich anfühlt, wenn eine Freundschaft beginnt und wie schwer es für mich immer noch ist, anzunehmen, dass mich jemand einfach so mag. Doch das Gefühl, dass es so ist, ist so schön und ich habe es in meine Meditation gelegt und ausgesendet.

Wärme an kalten Wintertagen. Nichts wärmt mehr, als ein warmes Herz.

Metta Experiment 2.0 – Warum ich eine Übung überspringe

Die zweite Übung „Mit sich selbst Freundschaft schliessen“ lasse ich aus. Nicht aus Zeitmangel oder ähnlichem. Ich habe beim Üben gespürt, dass ich gerade gar keinen Bedarf daran habe, mich mit mir selbst anzufreunden. Es gab zwar nach der Geburt vom Gewitterhexlein eine Zeit, da habe ich das wirklich gebraucht. Da war ich mit mir so uneins, fühlte mich ganz kaputt, hatte keinen Kontakt zu mir selbst. In der Zeit hat es mir sehr geholfen mir selbst mit Metta Sätzen wieder Freundschaft anzutragen. Jeden Abend beim Einschlafstillen, habe ich mir diese Sätze gesagt: Möge ich frei von Gefahr sein. Möge ich körperlich und geistig gesund sein. Möge ich glücklich sein. Möge ich frei durchs Leben gehen. Immer wieder, verbunden mit meinem Atem, während das Gewitterhexlein einschlief. Nach und nach spürte ich eine Veränderung in mir. Es war, als ginge in mir eine Tür wieder auf. Es war ein großartiges Gefühl, zu spüren, wie langsam alles wieder zusammen wuchs. Ein Gefühl, das bis heute nachwirkt.

Metta Experiment 2.0 – Das Gute in sich bedenken

Ich startete gestern also mein Experiment erneut. Dazu habe ich zunächst die erste Übung des Buches „Metta Meditation – Buddhas revolutionärer Weg zum Glück“ von Sharon Salzberg und das dazugehörige Kapitel erneut gelesen. In dieser ersten Übung geht es darum, sich der eigenen Güte bewusst zu werden. Hierzu kann man sich an eine Situation erinnern, in der man jemandem mit Wohlwollen begegnet ist. Oder, falls einem nichts passendes einfällt, sich einer eigenen positiven Eigenschaft zuwenden. Sollte einem auch hier nichts einfallen (was durchaus vorkommen kann, dazu muss man nicht mal unbedingt ein negatives Bild von sich selbst haben), kann man sich auf seinen Wunsch nach Glück konzentrieren und darauf, dass dieser Wunsch richtig, dass er gut ist. Wichtig ist einfach, sich sich selbst im Guten zu zuwenden.

In meinem ersten Versuch hatte ich mir eine bestimmte Situation ausgesucht. Diese kam mir natürlich wieder in den Sinn, doch ich wollte mich diesmal auf eine positive Eigenschaft konzentrieren. Ich ließ meinen Atem fliessen und habe dabei in mich hinein geschaut. Es gibt einige Eigenschaften, die ich an mir schätze. Hätte ich sie nicht, wäre ich nicht ich. Eine davon ist, anderen gegenüber offen und wohlwollend aufzutreten. Ich unterstelle niemandem etwas oder setze etwas voraus, sondern lasse mein Gegenüber auf mich zu  kommen. Ich gehe schon immer recht vorurteilsfrei durch die Welt und habe immer versucht, dieses bewusst bei zu behalten. Durch meine Erfahrungen mit Meditation und auch als Mutter, habe ich allerdings gelernt, dass es einen Unterschied zwischen vorurteilsfrei und offen beziehungsweise wohlwollend gibt. Natürlich ist es wichtig sich über Vorurteile bewusst zu sein und diese zu reflektieren. Jedoch ist dies eine Eigenschaft, die dennoch erstmal ein Raster über jemanden legt, nur um dann zu beschliessen, dass man das Raster ja gar nicht nutzen will. Wirklich offen, und damit auch neugierig und gleichzeitig wachsam zu sein, bedeutet jedoch, das Raster gleich da zu lassen, wo es ist, in einer Gedankenschublade. Gar nicht erst darüber nachzudenken, sondern sich dem Wesen des Gegenübers zu öffnen. Gleichzeitig bedeutet dies nicht, dass man alles von sich offenbaren muss, genauso wenig muss man sich verletzen lassen. Allerdings, wenn ich wohlwollend dem anderen gegenüber bin, bin ich es automatisch mir gegenüber, anders funktioniert es nicht. Und so lange ich das bin, kann mich gar nichts so sehr treffen, dass es mich verletzt. Einfach, weil ich in der Lage bin, mein Gegenüber wirklich wahrzunehmen und somit zu erkennen, dass die Ursache für jegliches Verhalten, nicht die Situation ist, in der ich mich mit meinem Gegenüber gerade befinde.

Diese Fertigkeit habe ich erst in diesem Ausmaß kultivieren können, als ich begonnen habe, mich mit Meditation und vor allem mit Metta zu beschäftigen. Es ist also eine recht junge Fertigkeit, doch ich schätze sie mittlerweile sehr. Sie erleichtert mir den Umgang mit vielen Situationen sehr. Sie ändert zwar nicht, dass ich mich ärgere oder mir etwas nicht gefällt. Doch der Umgang an sich und vor allem auch der Einfluss, den etwas auf mein Leben hat, ist dadurch ein anderer. Denn dadurch, dass ich mich aktiv entschließe, wohlwollend zu sein und nicht verurteilend, ablehnend oder erwartungsvoll, habe ich es in der Hand, wie eine Situation sich entwickelt. Und das ganz bewusst. Gleichzeitig erfährt mein Gegenüber, egal, wie er sich nun verhält, dass ihm jemand ohne Groll, Erwartungen und Urteile begegnet. Und vielleicht berührt es auch etwas in ihm und er trägt das Gefühl selbst in die Welt. Allein der Gedanke ist es wert, diese Eigenschaft weiterhin zu kultivieren.

Passend zum endenden Jahr

Ich habe beschlossen, mein Metta Experiment nochmals neu aufzulegen. Diese Mal jedoch nicht über einen so langen Zeitraum, wie im ersten Versuch, sondern bis zum Ende des Jahres. Beginnen werde ich heute mit der ersten Übung. Meine Erfahrung daraus werde ich am nächsten Tag hier auf dem Blog schildern. Es ist einige Zeit vergangen, seitdem ich das Buch von Sharon Salzberg gelesen und die Übungen praktiziert habe, so dass die Erfahrungen neu und mit Sicherheit komplett anders sein werden.

Sei milde mit mir

Man sollte eindeutig keine Beiträge übers Handy beginnen zu entwerfen, wenn man noch nicht zu 100% sicher ist, dass das Kind neben einem schläft.

Womit ich auch direkt beim Thema wäre. Schlafen. Oder besser Schlafen, wenn irgendwas im Kopf rum geht, gefühlt aber alles rückschrittig ist. Weniger genau Kommunikation. Gemecker, wo es nur geht. Die ersten Wutanfälle. Wieder häufiger nachts stillen. Mördermäßig unruhig schlafen. Und vor allem, nicht ohne Kontakt zu Mama. Meine Abende aktuell sind nicht leicht. Diese Woche war ich komplett allein, mein Mann hatte Nachtschicht. Gewitterhexlein geht ziemlich früh ins Bett, wie immer, wenn sie etwas Neues lernt (und steht entsprechend früh auf). Einschlafen, ja, das geht irgendwie, doch nach einiger Zeit ist wieder Schluß. Das Hexlein ist supermüde, kann aber nicht weiter schlafen. Wir stillen, kuscheln, sie nimmt ihren Nuckel, schläft wieder ein. Denke ich und schleiche mich raus. Will wieder aufs Sofa, wenigstens noch ein bisschen TV-Berieselung zum Runterfahren. Ich bin noch nicht mal an der Couch, mörderisches Gebrüll. Dafür, dass sie so eine zarte Pflanze ist, kann sie ganz schön laut. Fiel schon damals auf der Intensivstation auf. Auch wenn man sieh nicht sieht, hören tut man sie auf jeden Fall. Ja, ich gebe zu, mit einem ziemlich entnervten Augenrollen (ich hatte erwähnt, dass ich die Woche allein zuhause war abends) flitze ich wieder ins Schlafzimmer. Kind hellwach meckert mir entgegen. Ich will schimpfen, kann mich aber bremsen, sie kann ja nichts dafür. Ihre Wasserflasche hab ich schon im Zimmer, ich stelle sie ihr hin und sage, dass ich gleich komme, dass ich mich nur schnell fertig mache. Das Gewitterhexlein trinkt erstmal was. Ich sammele meine Wasserflasche, Handy und Tablet ein. Dann lege ich mich zu ihr. Sie kuschelt sich an mich, richtig fest. So eng hat sie schon lange nicht mehr gekuschelt. Ungefähr ein halbes Jahr nicht. Sie liegt in meinem Arm, ihren Rücken an mich geschmiegt, die Arme um meinen geschlungen und versucht wieder einzuschlafen. Ich halte sie fest, sage ihr, dass ich immer da bin, nie wirklich weg bin. Nach und nach spüre ich, wie sie zur Ruhe kommt. Armes, aufgewühltes Hexlein. Warum war ich eigentlich sauer? Wegen solcher Kleinigkeit wie Fernsehen. Oder Tablet spielen. Oder lesen (bzw.eventuell das Buch weiter schreiben). ICH bin erwachsen, ich kann mich auch anders runter schrauben. Aber dieser kleine Mensch, der noch nicht ausdrücken kann was er will. Der gefühlt vermutlich tausend Mal sagt, was los ist, aber von uns Erwachsenen nicht verstanden wird. Dieser kleine Mensch braucht meine Nähe, um zur Ruhe zu kommen. In mir breitet sich ein warmes Gefühl aus. Ja, es ist anstrengend, aber diese Momente, diese wenigen Momente, in denen sie sich so anschmiegt, die sind mit Gold nicht aufzuwiegen.
Also, sei milde mit mir, mein Hexlein, wenn ich nicht gleich kapiere, was Du willst und brauchst. Ich strenge mich an, Dich zu verstehen, doch es ist so lange her, dass ich so klein war und ich habe soviel vergessen.

Warum der achtsame Weg nicht der einfachste ist

Ich lese immer wieder, dass Eltern anfangen (wollen) achtsam mit ihren Kinder umzugehen. Sie wie Menschen zu behandeln. Und sie stellen es so einfach dar. Ein bisschen mehr zuhören, ein bisschen begleiten und alles ist gut. Einfühlen in das Kind.

Nein, es ist eben nicht so einfach. Einen Menschen, egal ob groß oder klein, menschlich zu behandeln, hat nichts mit Achtsamkeit zu tun. Es sollte der normale Umgang unter Menschen sein. Einfühlen in Kind und Situation hat auch wenig mit Achtsamkeit zu tun. Jeder Mensch ist empathiebegabt, jedoch nutzt es kaum jemand.

Achtsam zu sein, bedeutet in jedem einzelnen Moment zuhause zu sein. Die Gedanken auf den aktuellen Moment, auf das Jetzt gerichtet haben. Nicht auf den Moment davor oder den, der dann kommt. Es heisst, nicht zu denken „Oh nein, gleich muss ich die Küche wischen und das Baby/Kind umziehen.“, wenn mit Essen gespielt wird. Es heisst, den Moment anzunehmen, den Spaß und die Experimentierfreude zu sehen. Es heisst, anzunehmen, dass es Arbeit bedeutet, wenn ein Kind das Essen entdeckt, Konsistenzen erforscht. Es bedeutet anzunehmen, dass der Alltag, im Allgemeinen, nur begrenzt steuerbar ist.

Achtsam zuhören bedeutet jedes Wort genau zu hören. Es heisst auf Mimik und Gestik zu achten, mitzuerleben, was das Kind erzählt. Viel zu schnell verfallen wir, auch bei unseren Kindern, in das Call Center artige „Ach, Mhm, Ehrlich, ich verstehe…“, weil wir unsere Konzentration nicht auf den (gefühlten) Kleinigkeiten halten können, von denen Kinder berichten. (Der Gegenpart dazu sind dann die „Ja, Mama“-Gespräche, wenn nämlich das Kind nicht mehr zuhört.) Es heisst, da zu sein, da bei seinem Kind, seiner Geschichte, bei seinen Erlebnissen.

Achtsamkeit bedeutet, mit offenem Geist in jede Situation zu gehen, Liebe zu geben, mit sich selbst befreundet zu sein.

Ja, Achtsamkeit an sich ist leicht zu lernen. An sich auch leicht zu üben, wenn man sich die Zeit für formelle Meditation nehmen kann. Achtsamkeit jeden Tag zu praktizieren, ist alles andere als einfach. Es ist verdammt schwer unter Schlafmangel in dem Moment zu sein, in dem man gerade ist. Es ist schwer, jedes Mal innerlich einen Schritt zurück zu machen, als einfach dem Impuls nachzugehen.

Mit etwas zuhören und begleiten ist es nicht getan. Auch mit ein bisschen Empathie auch nicht. Achtsamkeit muss bewusst praktiziert werden. Jeden Tag aufs neue den Tag als komplett neu und einzigartig zu begrüßen, auf sich zukommen zu lassen, anstatt alles durch (zuviel) Planung von vorn herein zu verbauen. Genau genommen, können wir genau das von unseren Kindern lernen. Genauer zuhören ist also nicht „der“ achtsame Umgang, sondern es ist der Anfang des Erlernen der Achtsamkeit.