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Selbstbestimmung

Es fällt mir gerade sehr schwer eine passende Einleitung zu diesem Thema zu finden. Es ist so umfassend und greift in so viele Lebenselemente ein, dass es schwierig ist, da jetzt einfach einen Einstieg zu finden. Ich habe viele Einleitungssätze geschrieben, nur um dann festzustellen, dass sie nicht passen, bereits diverse Wertungen anderen gegenüber beinhalten (und das Letzte, was ich will, ist mit dem Finger auf irgendwen zeigen) oder schlichtweg platt klingen.

Wir alle streben danach, nach einem selbst bestimmten Leben. Danach, Herren über unser Leben zu sein, zu steuern, wo es hin geht. Selbstbestimmung beinhaltet jedoch nicht nur das. Es bedeutet auch, unser Selbst zu bestimmen. Festzustellen, was uns wirklich ausmacht. Wo unsere Grenzen sind und vor allem, diese benennen und verteidigen können (und wollen). Es bedeutet seine Kompetenzen zu erforschen, zu sehen was kann ich gut und was nicht? Dieses anzuerkennen und zu spüren, dass es gut ist, dass alles eine Balance braucht und nicht jeder alles gut können muss.

Selbstbestimmung ist etwas, was wir von Geburt an können. Etwas, was wir von Geburt an ausbauen können, wenn man uns lässt. Sowohl Babies, als auch Kinder wissen sehr genau, was sie brauchen, was sie wollen und nicht wollen und sie äußern es auch. Schon Babies haben viele Möglichkeiten eindeutig zu kommunizieren, was los ist. Man muss ihnen nur zuhören und hinsehen. Wenn Kinder von klein auf die Erfahrung machen, dass man ihnen schrittweise Kompetenzen zutraut, können sie lernen, was sie selbst ausmacht. Sie können ihre Fähigkeiten entdecken und sie können auch spüren, wo ihre Kompetenzen enden. Gleichzeitig können sie auch die Erfahrung machen, dass mit ihnen auch ihre Fertigkeiten und damit ihre Kompetenzen wachsen, ihre Grenzen sich ändern. Sie können lernen sich selbst einzuschätzen, ein gutes Körpergefühl entwickeln, sich ausprobieren.

Selbstbestimmung beim Essen, Schlafen, der Kleidung oder sogar dem Wickeln führt nicht dazu, dass Kinder uns auf der Nase herum tanzen. Im Gegenteil. Kinder entwickeln so viel schneller ein Gefühl dafür, wann sie Hunger haben und wie groß dieser ist. Oder ob sie nicht vielleicht nur Durst haben, denn Hunger und Durst entsprechend bewusst wahrzunehmen, muss auch erst einmal gelernt werden. Kennen tun sie von klein auf beides, Milch ist Durstlöscher und Nahrung in einem. Doch wenn sie beginnen selbst zu essen, dann muss erstmal probiert und gelernt werden, welches Lebensmittel was bewirkt. Selbstbestimmtes Schlafen gehen führt nicht dazu, dass Kinder bis mitten in die Nacht Party feiern. Nein, sie lernen ihr eigenes Schlafgefühl kennen, lernen, wann sie müde sind. Sie können abschätzen, wie stark ihre Bedürfnisse sind, was noch aufgeschoben werden kann und was nicht.

Jetzt wird der Einwand kommen, dass unsere heutige Gesellschaft doch fremdbestimmt ist, wir gar nicht so viel steuern können wie wir wollen. Diese Annahme ist nicht ganz richtig. Ja, es wird versucht Einfluss zu nehmen. Es ist jedoch unsere Entscheidung, wie stark wir uns beeinflussen lassen. Wir haben immer die Wahl zwischen wehren oder akzeptieren, immer die Wahl unseren Weg zu gehen oder erstmal zu verweilen oder gar einen Umweg zu machen. Umso mehr wir uns selbst kennen lernen, wir unseren Kindern die Möglichkeit geben, umso mehr geben wir unserer Gesellschaft die Möglichkeit sich zu verändern, wieder dynamischer und offener zu werden. Und es braucht dafür nicht viel Aufwand – nur ein wenig achtsamer Aufmerksamkeit und ein bisschen Beharrlichkeit.

2 thoughts on “Selbstbestimmung

  1. Das hast Du toll geschrieben. Ich denke auch, dass man sehr viel damit beschäftigt ist, den Kindern ihre Bedürfnisse abzuerziehen und sie unserem Alltag anzupassen, und das ist auch aus meiner Sicht falsch.

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