Sei milde mit mir

Man sollte eindeutig keine Beiträge übers Handy beginnen zu entwerfen, wenn man noch nicht zu 100% sicher ist, dass das Kind neben einem schläft.

Womit ich auch direkt beim Thema wäre. Schlafen. Oder besser Schlafen, wenn irgendwas im Kopf rum geht, gefühlt aber alles rückschrittig ist. Weniger genau Kommunikation. Gemecker, wo es nur geht. Die ersten Wutanfälle. Wieder häufiger nachts stillen. Mördermäßig unruhig schlafen. Und vor allem, nicht ohne Kontakt zu Mama. Meine Abende aktuell sind nicht leicht. Diese Woche war ich komplett allein, mein Mann hatte Nachtschicht. Gewitterhexlein geht ziemlich früh ins Bett, wie immer, wenn sie etwas Neues lernt (und steht entsprechend früh auf). Einschlafen, ja, das geht irgendwie, doch nach einiger Zeit ist wieder Schluß. Das Hexlein ist supermüde, kann aber nicht weiter schlafen. Wir stillen, kuscheln, sie nimmt ihren Nuckel, schläft wieder ein. Denke ich und schleiche mich raus. Will wieder aufs Sofa, wenigstens noch ein bisschen TV-Berieselung zum Runterfahren. Ich bin noch nicht mal an der Couch, mörderisches Gebrüll. Dafür, dass sie so eine zarte Pflanze ist, kann sie ganz schön laut. Fiel schon damals auf der Intensivstation auf. Auch wenn man sieh nicht sieht, hören tut man sie auf jeden Fall. Ja, ich gebe zu, mit einem ziemlich entnervten Augenrollen (ich hatte erwähnt, dass ich die Woche allein zuhause war abends) flitze ich wieder ins Schlafzimmer. Kind hellwach meckert mir entgegen. Ich will schimpfen, kann mich aber bremsen, sie kann ja nichts dafür. Ihre Wasserflasche hab ich schon im Zimmer, ich stelle sie ihr hin und sage, dass ich gleich komme, dass ich mich nur schnell fertig mache. Das Gewitterhexlein trinkt erstmal was. Ich sammele meine Wasserflasche, Handy und Tablet ein. Dann lege ich mich zu ihr. Sie kuschelt sich an mich, richtig fest. So eng hat sie schon lange nicht mehr gekuschelt. Ungefähr ein halbes Jahr nicht. Sie liegt in meinem Arm, ihren Rücken an mich geschmiegt, die Arme um meinen geschlungen und versucht wieder einzuschlafen. Ich halte sie fest, sage ihr, dass ich immer da bin, nie wirklich weg bin. Nach und nach spüre ich, wie sie zur Ruhe kommt. Armes, aufgewühltes Hexlein. Warum war ich eigentlich sauer? Wegen solcher Kleinigkeit wie Fernsehen. Oder Tablet spielen. Oder lesen (bzw.eventuell das Buch weiter schreiben). ICH bin erwachsen, ich kann mich auch anders runter schrauben. Aber dieser kleine Mensch, der noch nicht ausdrücken kann was er will. Der gefühlt vermutlich tausend Mal sagt, was los ist, aber von uns Erwachsenen nicht verstanden wird. Dieser kleine Mensch braucht meine Nähe, um zur Ruhe zu kommen. In mir breitet sich ein warmes Gefühl aus. Ja, es ist anstrengend, aber diese Momente, diese wenigen Momente, in denen sie sich so anschmiegt, die sind mit Gold nicht aufzuwiegen.
Also, sei milde mit mir, mein Hexlein, wenn ich nicht gleich kapiere, was Du willst und brauchst. Ich strenge mich an, Dich zu verstehen, doch es ist so lange her, dass ich so klein war und ich habe soviel vergessen.

Comments

  1. Du kannst ihn Dir auch leise vorsagen, so als wenn Du es zu Dir selbst sagst. Ich mache das manchmal mit, wenn meine Geduld zu kurz wird mit „Ich hab Dich lieb.“ Das sage ich zu mir und zum Hexlein.

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