Schlafen, ein zentrales Thema unserer Gesellschaft

Während mein Töchterchen in meinem Arm ihr Nach-Frühstück-Nickerchen hält, stöbere ich ein wenig im Netz. Dabei fällt mir, wieder einmal auf, was für ein wichtiges Thema Schlaf in unserer Gesellschaft ist. Nicht nur bei uns Erwachsenen, die, egal ob berufstätig, mit oder ohne Kinder, fast immer über schlechten Schlaf klagen. Auch bei Kindern und gerade bei Babies wird Schlaf immer wieder thematasiert. Oder besser gesagt, es ist irgendwie Dauerthema.

Und ich meine nicht das gelegentliche „Ich hab Schlafmangel,mein Kind ist in einem Entwicklungsschub/krank/zahnt…“ (wobei man dabei nicht vergessen sollte, dass auch dem Kind Schlaf fehlt, wenn auch vielleicht nicht soviel wie den Eltern). Was ich meine sind Themen wo das Baby schlafen soll, ab wann es wie lange schlafen soll, ab wann es durchschlafen soll und wie man das erreicht, Stichwort Schlaferziehung (wieder eines dieser Worte, wo es mich einfach nur schüttelt).

(Ich mag hier anmerken, ich schreibe dies mit tiefen Augenringen, weil wir grad mitten in einem Schub stecken und entsprechend gern mal die Nacht zum Tag gemacht wird und ich im Grunde schon seit 5 Tagen an diesem Beitrag schreibe.)

Was ich nicht verstehe ist, warum Schlaf dauernd thematisiert wird. Gerade bei Babies und Kindern, die sowieso noch lange keinen richtigen Schlafrhythmus entwickeln, weil sie einfach so unglaublich viel auf einmal lernen. Anstatt die Zeit, die wir haben qualitativ zu füllen, achtsam unsere Zeit mit uns selbst und unseren Kindern zu verbringen und aus diesem die Kraft ziehen, die wir brauchen, doktorn wir an unserem Schlaf und dem unserer Kinder. Schlafen ist eine physische Notwendigkeit. Der Körper braucht die Ruhe, das Gehirn muss den Tag verarbeiten. Die Seele, die Seele braucht Schlaf an sich nicht unbedingt. Klar fühlt man sich besser, wenn man gut geschlafen hat. Doch man schläft auch nur gut, wenn es der Seele gut geht. Wenn der Geist Ruhe finden kann, dann kann auch der Schlaf erholsam sein. Sollte dann also nicht der Ansatz sein, die Zeit, die wir wach verbringen so zu verbringen, dass unser Geist am Abend zur Ruhe kommt und nicht noch extra auf Wanderschaft geht? Sollten wir dann nicht den Tag mit offenen Augen und Herzen und somit auch mit offenem Geist begehen? Guter und ausreichender Schlaf ergibt sich aus einem Tag, den man mit Gleichmut und metta, mit Achtsamkeit und Ruhe begeht. Es tut uns gut, wenn wir uns unseren Aufgaben mit Achtsamkeit widmen. Und es tut unseren Kindern gut, wenn wir uns ihnen in Achtsamkeit zuwenden. Denn sie spüren genau, ob man sie wahrnimmt und wie sie wahrgenommen werden. Und auch, wenn sie noch keine Worte bilden können, schätzen Kinder eine Unterhaltung sehr und geniessen es, wenn man ihr Gebrabbel ernst nimmt. Ich sehe es jeden Tag an meiner Tochter. (Von der Tatsache, dass sie besser sprechen lernen, wenn man normal und in ganzen Sätzen mit ihnen spricht, mal ganz abgesehen.) Sie freut sich ungemein, wenn man mit ihr redet und vor allem auch die Zeit für eine Antwort einräumt. Sie ernst nimmt, wenn sie sich mitteilen möchte, auch wenn ihr noch die Worte fehlen.

So kann sie dann auch, wenn wir sie in den Schlaf begleitet haben, auch gut schlafen. Auch wenn Zähnchen plagen und sie in einem Entwicklungsschub und wahrscheinlich auch grad wächst, sie kann schlafen. Denn sie hat Sicherheit, dass wir da sind. Dass wir sie hören mit allem was dazu gehört. Und auch ich kann schlafen, wenn auch in Etappen, weil mein Baby mich braucht, aber ich weiss, dass sie sich meldet, wenn etwas nicht passt.

Schlaf ist für uns kein Thema. Und er sollte generell nicht so zentralisiert werden. Schlafen kann man immer irgendwie. Wichtig ist, was vor dem Schlaf passiert.

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