Ohne Hadern zufrieden sein können

Das Leben hat mir mal wieder eine kleine Lektion serviert, mich ein wenig geprüft und ich habe ein wenig reflektiert. Und festgestellt, worüber ich mich früher so oft so unnütz geärgert habe.

Ich wollte nach der Arbeit noch eine neue Überweisung für den Kardiologen holen. Wir hatten zwar bei der U eine bekommen, das war aber im letzten Quartal, so dass wir für unseren Termin diesen Monat eine neue brauchen. Unser Kinderarzt ist umgezogen. Von einer eher unübersichtlichen Ecke in eine andere. Normal gut erreichbar, aktuell durch Baustellen nicht so richtig. Dazu gab die Fahrplanauskunft eine unpraktische Verbindung aus. Es gibt hier Gegenden in der Stadt, da kann man sich nur verlaufen.

Die letzten Tage hat es geregnet. Als ich die Arbeit verließ, regnete es nicht und freute mich ein wenig, dass ich wohl nicht durch den Regen laufen müsste. Als ich dann später wieder aus der Straßenbahn stieg, fing es prompt an zu regnen. So richtig dicke Tropfen. Nun, ist so. Ich versuchte meinen Weg zu finden. Früher hing an jeder Haltestelle ein Stadtplan, damit man sich orientieren kann. Ist hier irgendwie nicht (mehr) so. Also ab in ein Geschäft und fragen. Da konnte man auch nur googeln und ein wenig umständlich beschreiben. Dann wurde noch halb bedauernd gefragt, ob ich kein Handy mit Navi hätte. Ich antwortete, dass ich das bei dem Regen nur ungern raus hole. Wasser und Technik verträgt sich nur bedingt. Egal, ich versuchte es dennoch damit, allerdings ist dieses nur aufs Auto ausgelegt, ich bin allerdings nur zu Fuß unterwegs. Und der Regen hatte nicht vor eine Pause zu machen.

Gut, Regen bin ich aus Irland schon gewohnt. In Irland habe ich mir auch Schirme ab und Jacken mit Kapuze und Mützen angewöhnt. Ist einfach praktischer. Nun, meine Stoffhose war natürlich schnellstes durch. Der Aussenstoff meiner Jacke auch bald. Ich sah nicht mehr viel, weil meine Brille anfing zu beschlagen. Irgendwann, während ich so durch den Regen stapfte, meinem Ziel nicht so richtig näher kam und dann beschloss, doch lieber heim zu fahren, kam so langsam Ärger auf. Ich habe richtig gemerkt, wie er langsam versuchte sich aufzuschaukeln, mein Geist, um so richtig los zu wettern.

In dem Moment dachte ich mir, warum ärgern? Es ist nicht kalt (16 Grad), meine Füße sind trocken und warm (ultrawichtig), der Rest ist auch weitestgehend trocken (bis auf die Hose). Ich bin es ausserdem gewohnt längere Strecken zu laufen, bin schon immer viel spazieren gewesen (was freue ich mich, wenn die Gewitterhexe auch die Schönheit dessen entdeckt – irgendwann). Um zu meiner Straßenbahnlinie zu gelangen musste ich nochmal einiges laufen (ich erwähnte die Bauarbeiten?), aber Gewohnheit sei Dank, kein Problem.

Ich kam dann an meine Haltestelle, die Tram kam auch direkt und ich war binnen einer Viertelstunde zuhause. Mein Mann hatte gekocht und ich bekam gleich eine warme Mahlzeit, nachdem ich mich aus meinen nassen Sachen gepellt hatte. Gewitterhexe erzählte mir sofort, dass sie Eis gegessen haben und der Papa ihr einen Schirm gekauft hat. Dann durfte ich essen und erst dann kam sie kuscheln.

Wenn ich jetzt die ganze Zeit vor mich hin gehadert hätte und sauer gewesen wäre auf den, so wichtigen, Regen und die Stadtwerke, die die Schienen ausbessern, ich hätte mir den ganzen Abend versaut. Hätte das Essen nicht geniesse und mich nicht darüber freuen können, dass mein Kind mir etwas erzählen will (vor allem, weil sie noch lernt zu sprechen und oft nach Worten sucht, so dass zuhören auch Zeit und Ruhe braucht). Ich wäre wahrscheinlich sogar schlecht gelaunt ins Bett gegangen.

Dadurch, dass ich mich entschieden habe, mich nicht zu ärgern, sondern anzunehmen, was gerade ist und zufrieden zu sein, mit dem was ich habe, habe ich mir selbst die Möglichkeit gegeben, auch im Regen Sonne zu sehen.

Wir sollten uns bewusst machen, dass wir jeden Tag die Wahl haben: annehmen und zufrieden sein oder hadern und Energie verschwenden.

 

Bildquelle: Pixabay/FotoEmotions

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