Achtsamkeit, Meditation, metta

Metta Experiment 2.0 – Das Gute in sich bedenken

Ich startete gestern also mein Experiment erneut. Dazu habe ich zunächst die erste Übung des Buches „Metta Meditation – Buddhas revolutionärer Weg zum Glück“ von Sharon Salzberg und das dazugehörige Kapitel erneut gelesen. In dieser ersten Übung geht es darum, sich der eigenen Güte bewusst zu werden. Hierzu kann man sich an eine Situation erinnern, in der man jemandem mit Wohlwollen begegnet ist. Oder, falls einem nichts passendes einfällt, sich einer eigenen positiven Eigenschaft zuwenden. Sollte einem auch hier nichts einfallen (was durchaus vorkommen kann, dazu muss man nicht mal unbedingt ein negatives Bild von sich selbst haben), kann man sich auf seinen Wunsch nach Glück konzentrieren und darauf, dass dieser Wunsch richtig, dass er gut ist. Wichtig ist einfach, sich sich selbst im Guten zu zuwenden.

In meinem ersten Versuch hatte ich mir eine bestimmte Situation ausgesucht. Diese kam mir natürlich wieder in den Sinn, doch ich wollte mich diesmal auf eine positive Eigenschaft konzentrieren. Ich ließ meinen Atem fliessen und habe dabei in mich hinein geschaut. Es gibt einige Eigenschaften, die ich an mir schätze. Hätte ich sie nicht, wäre ich nicht ich. Eine davon ist, anderen gegenüber offen und wohlwollend aufzutreten. Ich unterstelle niemandem etwas oder setze etwas voraus, sondern lasse mein Gegenüber auf mich zu  kommen. Ich gehe schon immer recht vorurteilsfrei durch die Welt und habe immer versucht, dieses bewusst bei zu behalten. Durch meine Erfahrungen mit Meditation und auch als Mutter, habe ich allerdings gelernt, dass es einen Unterschied zwischen vorurteilsfrei und offen beziehungsweise wohlwollend gibt. Natürlich ist es wichtig sich über Vorurteile bewusst zu sein und diese zu reflektieren. Jedoch ist dies eine Eigenschaft, die dennoch erstmal ein Raster über jemanden legt, nur um dann zu beschliessen, dass man das Raster ja gar nicht nutzen will. Wirklich offen, und damit auch neugierig und gleichzeitig wachsam zu sein, bedeutet jedoch, das Raster gleich da zu lassen, wo es ist, in einer Gedankenschublade. Gar nicht erst darüber nachzudenken, sondern sich dem Wesen des Gegenübers zu öffnen. Gleichzeitig bedeutet dies nicht, dass man alles von sich offenbaren muss, genauso wenig muss man sich verletzen lassen. Allerdings, wenn ich wohlwollend dem anderen gegenüber bin, bin ich es automatisch mir gegenüber, anders funktioniert es nicht. Und so lange ich das bin, kann mich gar nichts so sehr treffen, dass es mich verletzt. Einfach, weil ich in der Lage bin, mein Gegenüber wirklich wahrzunehmen und somit zu erkennen, dass die Ursache für jegliches Verhalten, nicht die Situation ist, in der ich mich mit meinem Gegenüber gerade befinde.

Diese Fertigkeit habe ich erst in diesem Ausmaß kultivieren können, als ich begonnen habe, mich mit Meditation und vor allem mit Metta zu beschäftigen. Es ist also eine recht junge Fertigkeit, doch ich schätze sie mittlerweile sehr. Sie erleichtert mir den Umgang mit vielen Situationen sehr. Sie ändert zwar nicht, dass ich mich ärgere oder mir etwas nicht gefällt. Doch der Umgang an sich und vor allem auch der Einfluss, den etwas auf mein Leben hat, ist dadurch ein anderer. Denn dadurch, dass ich mich aktiv entschließe, wohlwollend zu sein und nicht verurteilend, ablehnend oder erwartungsvoll, habe ich es in der Hand, wie eine Situation sich entwickelt. Und das ganz bewusst. Gleichzeitig erfährt mein Gegenüber, egal, wie er sich nun verhält, dass ihm jemand ohne Groll, Erwartungen und Urteile begegnet. Und vielleicht berührt es auch etwas in ihm und er trägt das Gefühl selbst in die Welt. Allein der Gedanke ist es wert, diese Eigenschaft weiterhin zu kultivieren.

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