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Mein Kind würde durch schlafen – wenn ich es täte

Es gibt Momente, da fällt es mir sehr schwer etwas wertungs- bzw. bewertungsfrei zu sehen. In denen ich merke, wie etwas einfach zuwider läuft, auch wenn ich es grundsätzlich schon so halte, dass jeder seinen Weg finden muss. Und doch, wenn es mir zumindest am gedanklich nicht möglich ist etwas, genauer Entscheidungen, nachzuvollziehen, dann stößt mir das wirklich sauer auf. Und ich mache mir Gedanken, vor allem deswegen, weil es Momente sind, in denen ich mich mit unserem gewählten Weg vollkommen allein fühle. Ja, ich stelle die Bedürfnisse meines Babies über meine. Es ist noch ein Säugling. Es kann sich nicht artikulieren. Es braucht Nähe und Aufmerksamkeit, um sich wohl zu fühlen. Es braucht Vertrauen und Sicherheit. Bedürfnisorienterte Erziehung bedeutet, sich im ersten Lebensjahr nach den Bedürfnissen des Babies zu richten und ihnen die oberste Priorität einzuräumen, EGAL, ob es „nur“ spielen oder tatsächlich Hunger ist. Im ersten Lebensjahr ist alles gleich wichtig. Erst später entwickeln auch Kinder eigene Prioritäten und auch diesen sollte man dann, soweit mit den eigenen im Einklang, Folge leisten. Wohl gemerkt NACH dem ersten Geburtstag. Und doch scheint sich eingebürgert zu haben, dass es reicht, sein Baby nicht allein weinen zu lassen (das ist KEINE bedürfnisorientierte Erziehung) und darauf hin zu fiebern, dass es endlich alles selbst kann und vor allen Dingen nachts bitte 12 Stunden am Stück schläft. Um das zu erreichen, wird dann auch das Kind ausquartiert. Ins eigene Bett. Im eigenen Zimmer. Oft weit vor dem ersten Geburtstag (ab dem ersten mag ich das irgendwo gedanklich nachvollziehen können), nicht selten schon im ersten Lebenshalbjahr. Weil das Baby dann ja besser schläft, ja sogar durch schläft. Weil man sich nicht dauernd gegenseitig weckt.

Stimmt schon, grob in den ersten 4 Monaten wird man oft wach. Zum einen, weil das Baby natürlich auch nachts noch recht viel Hunger hat. Aber auch so. Wenn es sich bewegt, wenn es seinen Nuckel sucht, wenn es sich ankuschelt und und und. Das ist durchaus sinnvoll, schließlich ist es unsere Aufgabe über dieses kleine Wesen zu wachen. Das geht eben nur, wenn wir immer wieder überprüfen, ob alles in Ordnung ist. Ich erinnere mich gut, dass ich am Anfang sehr oft kurz die Augen aufgemacht und geschaut habe, wie sie liegt, ob sie wach ist. Nicht selten genau in dem Moment, in dem meine Tochter sich gerade anfing zu regen und stillen wollte. Besonders anstrengend war der große Schub um den 4. Monat, allgemein als der 19-Wochen-Schub bekannt. Ging bei uns um die 14. Woche los und hielt 6 Wochen an. Die kleine Dame hat in der Zeit viel gelernt und ist noch immens gewachsen. Die ersten 2,3 Nächte waren richtig anstrengend, weil der Stillrhythmus nachts auf einmal wieder kürzer wurde (ich möchte gar nicht wissen, wieviele Mütter in dieser Zeit abstillen, weil sie denken, ihre Milch reicht nicht). Das war ich nicht mehr gewohnt, doch ich gewöhnte mich relativ schnell wieder daran. Wach werden, stillen, uns beide wieder hinlegen, weiter schlafen. Wir haben nicht mal den Luxus im Liegen stillen zu können, weil wir beide einfach keine bequeme Position finden. Dennoch kann ich danach ebenso schnell wieder einschlafen. Anstrengender waren die Tage, in denen es nicht selten ungeteilter Aufmerksamkeit bedurfte, den Raum durfte ich auch nicht verlassen. (Ich gebe zu, dass es teilweise auch erträglich(er) war, weil ich meine Gedanken direkt mit einer Freundin teilen konnte. Eine der wenigen wirklich schönen Netzkontakte. Fühl Dich an dieser Stelle bitte mal gedrückt.) Und auch wenn mir zugegebenermaßen in den ersten Nächten der Gedanke kam, sie in ihr Zimmer zum Schlafen zu bringen, so sagte mein Herz doch ganz laut und deutlich:NEIN!  Und ich hörte darauf. Irgendwie war die Vorstellung, sie allein in ihr Bett in ihrem Zimmer zu legen auch gruselig. Als wir uns wieder eingespielt hatten, wurden die Nächte wieder ruhiger. Und ich war froh, dass ich auf meinen Instinkt gehört hatte. Mittlerweile werden wir in normalen Nächten nur noch das eine Mal zum Stillen wach. In Lernphasen schläft sie etwas unruhiger und ist nachts auch mal wach und übt. Allerdings kann ich dabei meistens weiterschlafen (oder es zumindest versuchen, seit neuestem wird ganz dicht heran gerobbt und selbst nachgeschaut, ob Mama wirklich schläft).

Was ich damit sagen will, ist, dass es letztendlich nur eines offenen Herzens und etwas Beharrlichkeit bedarf, damit alle die Chance haben sich auf einander einzuspielen. Dann muss niemand mehr (übermäßig) auf Nachtschlaf oder Nähe verzichten.

Ich mag übrigens bezweifeln, dass Babies, die früh in ihr eigenes Zimmer ausquartiert werden, tatsächlich besser oder sogar durchschlafen. Es steht schließlich keine Kamera daneben, die das Schlafverhalten aufzeichnet. Eher bekommt man die wachen und halb wachen Phasen nicht mehr mit, es sei denn das Baby meldet sich. Und da ohne Baby im Zimmer der Ammenschlaf nicht mehr einsetzt, passiert dies meistens erst, wenn es tatsächlich schon lauter nach seinen Eltern ruft. Erst dann darf es dann, mit etwas Glück, wieder zu den Eltern ins Bett. Nicht wenige nutzen an diesem Punkt allerdings das Vertrauen des Babies dahin gehend aus, es wieder in sein Bett zu legen, weil es sich ja so gut ablegen lässt, nachdem es beim Stillen (oder an der Flasche) wieder eingeschlafen ist.

Im übrigen schlafe ich selbst nicht durch. Ich werde nachts mindestens einmal wach, das war schon immer so. In Umgebungen die nicht mein Zuhause sind, schlafe ich immer mindestens eine Nacht extrem schlecht, weil ich innerlich dauernd auf Hab-Acht-Stellung bin (und umso beruhigter bin ich, wenn ich jemanden oder etwas bei mir habe, das mir versichert, dass ich sicher bin). Interessanterweise fallen der Zeitpunkt, an dem ich in der Regel wach werde und der Zeitpunkt, an dem die Madam nochmal Hunger hat, oft zusammen. Manchmal rührt sie sich noch nicht, ich verschwinde schnell aufs WC und wenn ich wieder komme, ist sie wach. Wir stillen, wir schlafen weiter. Ich schlafe nicht durch. Warum sollte ich erwarten, dass es bei meinem Baby anders ist?

(Übrigens hatten wir schon einige Nächte, in denen die Madam durchgeschlafen hat. Von allein, ohne Manipulation, im Familienbett. Ich wurde wach, bin wie immer kurz verschwunden und sie hat trotzdem weiter geschlafen.)

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