Schwangerschaft

Mal thematisch etwas anderes – Gestationsdiabetes

Liebe werdende Mamis,

ich möchte heute, aus gegebenem Anlass, da es mich selbst betrifft, etwas abseits meines üblichen Themas schreiben und mich einem reinen Schwangerschaftsthema widmen: Schwangerschaftsdiabetes.

Nachdem ich selbst vor kurzem diese Diagnose bekommen habe und ich im ersten Moment das Gefühl hatte, ich hätte einfach nur alles komplett falsch gemacht, konnte mich meine Diabetologin zum Glück um einiges beruhigen und vor allem aufklären. Diese Erklärungen und meine bisherigen Erfahrungen möchte ich einfach mit Euch teilen, in der Hoffnung, Euch ein wenig die Angst zu nehmen und zu ermutigen.

Was ist Gestationsdiabetes (Schwangerschaftsdiabetes)?

Bei einem Gestationsdiabetes handelt es sich um eine durch die Hormone in der Schwangerschaft hervorgerufene Störung der Glukosetoleranz. Im Laufe der Schwangerschaft wird durch die Hormone die Insulintoleranz gehemmt, sprich der Körper der Mutter entwickelt, meist vorübergehend, eine gewisse Insulin-Intoleranz. Dadurch wird Zucker nicht mehr normal abgebaut. Insulin ist nicht plazentagängig, denn das Baby produziert bereits sein eigenes Insulin. Der Zucker hingegen wird, da er ein Nährstoff ist, durch die Plazenta zum Baby geschleust. Nun kann es durch die hormonell bedingte Insulin-Intoleranz der Mutter dazu kommen, dass zuviel Zucker als Nährstoff weiter gegeben wird. Das Baby muss entsprechend mehr Insulin produzieren. Da es sich bei Insulin um ein aufbauendes Hormon handelt, dass abbauende Prozesse hemmt, kann es dazu kommen, dass das Baby sehr schnell in kurzer Zeit wächst. Was wiederum zu einer Belastung der Mutter werden kann. Von der Tatsache, dass es dann auch wesentlich schwieriger bis unmöglich wird eine natürliche Geburt zu erleben, weil das Baby zu groß ist, mal abgesehen. Deswegen werden bei Schwangeren auch frühzeitig sehr strenge Werte angesetzt, damit die Entwicklung des Blutzuckers, weil die Insulin-Intoleranz ab der 30. Woche nochmals steigen kann und sich entsprechend später noch ein Diabetes entwickeln kann.

Weitere Gefahren bei einem unerkannten Gestationsdiabetes sind eine erhöhte Fruchtwassermenge, die wiederum zu einer Frühgeburt führen kann. Zusätzlich besteht für Mutter und Kind die Gefahr nach der Geburt selbst einen Typ 2 Diabetes zu entwickeln.

Wie wird Gestationsdiabetes festgestellt?

Bei der Vorsorgeuntersuchung beim FA wird zwischen der 24.-26. Schwangerschaftswoche eine Art Vortest angeboten. Bis vor etwa zwei Jahren war dies übrigens eine Leistung, die man selbst zu tragen hatte, heute übernehmen das zum Glück die Krankenkassen. Hierzu muss man nicht nüchtern erscheinen. Beim Arzt bekommt man dann eine Lösung mit 50g Traubenzucker zu trinken, nach einer Stunde wird dann Blut abgenommen. Dieses wird dann auf den Blutzuckergehalt untersucht. Liegt dieser über dem Grenzwert von 140mg/dl, muss der orale Glukosetoleranztest durchgeführt werden. Diesen führen meistens Diabetologen, aber auch manche Hausärzte durch. Zu diesem Test muss man nüchtern erscheinen. Das bedeutet am Abend vorher ab 22 Uhr nichts mehr essen und am morgen nichts zuckerhaltiges trinken (am besten nur Wasser). Beim Arzt wird zunächst der nüchterne Blutwert genommen. Anschließend gibt es eine Lösung mit 75g Traubenzucker zu trinken (meistens wohl Johannisbeergeschmack). Schmeckt an sich nicht so grausig die Lösung und sollte sich bis dahin ein Hungergefühl eingestellt haben, ist das auch erstmal weg. (Es kann übrigens durchaus sein, dass einem danach schlecht wird.) Dann wird nach einer Stunde, sowie zwei Stunden nochmal der Blutzucker gemessen. Die Grenzwerte liegen hier bei 180mg/dl und 160mg/dl. Bei mir waren die Werte etwas überschritten, womit so oder so die Diagnose eines Gestationsdiabetes feststand. Allerdings, so hat es mir meine Diabetologin erklärt, würde zumindest die engmaschige Kontrolle des Blutzuckers auch empfohlen, wenn man noch knapp unter diesen Grenzwerten liegt. Eben auf Grund der Gefahr, dass sich der Diabetes später noch ausprägt und dann unentdeckt bleibt.

Und was dann?

Es erfolgt eine Überweisung an einen Facharzt/Fachärztin. Hier findet dann zum einen eine Ernährungsberatung statt, sowie eine Einweisung in die Handhabung eines Blutzuckermessgerätes. Es werden möglichst zu erreichende Zielwerte besprochen und wie das Blutzuckertagebuch zu führen ist. Auch die Möglichkeiten zusätzlich Bewegung zu bekommen, wird besprochen (gerade bei sitzenden Tätigkeiten hilfreich). Bewegung senkt den Blutzuckerspiegel nämlich. So ist es dann z.B. auch möglich, sich weiterhin ab und an was Süßes zu gönnen, wenn man dann dafür sorgt, dass der Spiegel durch Bewegung dann entsprechend gesenkt wird. Nach einer, spätestens zwei Wochen wird das Blutzuckertagebuch zusammen mit dem Facharzt/-ärztin ausgewertet. Sind die Blutzuckerwerte innerhalb der Vorgaben, wird es wahrscheinlich nicht notwendig zusätzlich zu spritzen. Dennoch wird die Entwicklung weiterhin überwacht, damit bei Veränderungen schnell eingeschritten werden kann.

Soweit zum generellen Ablauf. Als ich vor zwei Wochen erfahren habe, dass mein Zuckerwert beim Vortest auffällig war (lag bei 150mg/dl), fühlte ich mich zunächst richtig mies. Ich dachte, ich hätte meine Ernährung gut genug umgestellt, war so viel wie möglich draußen unterwegs. Ich hatte das Gefühl es wäre alles umsonst gewesen. Dann versuchte ich mich zu beruhigen, dachte, der Test war vielleicht falsch positiv, weil man ja nicht nüchtern sein musste. Also habe ich einen Termin für den oralen Glukosetoleranztest ausgemacht, nicht zuletzt in der Hoffnung, es würde nichts dabei heraus kommen. In der Zwischenzeit recherchierte ich im Internet und wurde zunehmend verwirrter und unsicherer. Es gab so viele unterschiedliche Aussagen. Und sehr wenige davon objektiver Art. Beim Test selbst wurde ich nicht so wirklich freundlich behandelt, bekam danach die Werte (94/185/165 mg/dl) mit der Aussage „Also das ist jetzt natürlich ganz schwer mit der Schwangerschaft und so.“ hingeklatscht und zu einer Diabetologin weiter überwiesen (obwohl der Arzt bei dem ich war selbst Diabetologe war). Da stand ich dann und hätte im ersten Moment heulen können. Als ich dann zuhause war, rief ich bei besagter Diabetologin an. Diese klang bereits am Telefon sehr nett und wirkte mit ihrer Art schon sehr beruhigend auf mich. Ich bekam sehr schnell einen Termin direkt nach dem Wochenende. Das hieß nur wenige Tage Unsicherheit und Warten. Um ehrlich zu sein, habe ich mich kaum getraut irgendwas zu essen, zu sehr nagte die Angst an mir. Natürlich habe ich mich versucht mit meiner üblichen Meditationspraxis zu beruhigen. Zusätzlich hatte ich bereits mit der Mitteilung zu meinem Ergebnis vom Vortest bereits wieder mit Yoga angefangen. Wirklich zur Ruhe gekommen, bin ich dennoch nicht und habe in diesen Tagen auch sehr schlecht geschlafen. Nach dem Beratungsgespräch ging es mir um einiges besser. Mir wurde erklärt, dass der oGtt im Grunde eine Extremsituation für die Bauchspeicheldrüse ist und es hauptsächlich darum geht zu sehen, wie sie damit zu recht kommt. Auch wären die Werte als Nichtschwangere nicht so dramatisch gewesen, allerdings sei mein Blutzucker eben sehr langsam gesunken, weswegen eine genauere Überwachung notwendig ist. Das hat mir das Gefühl genommen, irgendwas falsch gemacht zu haben. Die Notwendigkeit zur Überwachung der Werte sehe ich ja vollkommen ein.

Es sind seitdem zwar erst 3 Tage vergangen, aber ich finde mich mit der Situation wesentlich besser zurecht. Ich hatte ja ursprünglich Sorge wegen des Blutzuckermessen, weil ich dachte, ich müsste mich dann auch mit diesen Lanzetten, mit denen die Arzthelferinnen arbeiten, anritzen. Nix da. Es gibt natürlich Stechhilfen mit ganz kleinen Einwegnadeln, die man tatsächlich kaum merkt (da tut eine Nadel im Finger beim Knopf annähen teilweise mehr weh). Also Teststreifen in das Gerät geschoben, Finger anpieksen, Teststreifen ans Blut halten bis es piepst, warten, ablesen und notieren. Dauert nicht mal eine Minute und schon weiss ich, ob ich etwas unternehmen muss oder nicht. Die Zielwerte, die ich erhalten habe, sind soweit alle gut für mich machbar:

– morgens nüchtern vor dem Frühstück 60-90 mg/dl

– vor dem zu Bett gehen < 110 mg/dl

– vor einer Mahlzeit (z.B. dann vor dem Mittag) < 100 mg/dl

– 1 Stunde nach einer Mahlzeit < 140 mg/dl

und für den Fall, dass ein Wert nach dem Essen mal sehr ausreißt 2 Stunden nach dem Essen < 120 mg/dl. Mit einem leichten Augenzwinkern meinte meine Diabetologin zu mir man könne ja dann in der Zeit für Bewegung sorgen, spazieren gehen, schwimmen oder sonst was, dann sollte der Wert auch passen. Das hat mir doch eine Menge Druck genommen. Und natürlich dürfe man sich auch mal ein Gebäck oder eine andere Süßigkeit gönnen. Man muss halt nur entsprechend bedenken, welche Auswirkungen es auf den Blutzucker hat.

Was mache ich nun?

Im Grunde mache ich so weiter wie bisher. Morgens nach dem Aufstehen messe ich als erstes meinen Nüchternwert. Dann frühstücke ich wie gehabt und mache nach dem Frühstücken meine Yogaübungen (ab und an ergänze ich mit Pilates). Nach insgesamt einer Stunde messe ich wieder meinen Blutzucker. Danach habe ich damit Ruhe bis zum Mittagessen, da gehts dann wieder vor dem Essen messen und eine Stunde danach. Selbiges zum Abend und dann noch einmal messen vor dem Schlafen gehen. Ich esse zwischen den Mahlzeiten ab und an einen kleinen Snack in Form von Obst, vor allem auch, wenn ich Appetit auf Süßes bekomme. Bisher halten sich meine Werte im Rahmen, so dass ich wohl erstmal ohne Insulin auskommen kann. Mir hilft es auch sehr alles aufzuschreiben, was ich gegessen habe. So lerne ausserdem schneller die Zusammenhänge zwischen meiner Ernährung und den Blutzuckerwerten kennen.

Ich betrachte das ganze für mich unter zwei Gesichtspunkten. Zum einen sehe ich es als Präventionsmaßnahme. Es ist für mich eine Maßnahme für die Sicherheit von mir und meinem Baby. Zum anderen ist es eine Challenge für mich meine Zielwerte zu erreichen. Ausserdem kann ich so noch einiges über meinen Körper und meine Ernährung lernen. Dinge, die dann später auch für die Zeit mit Baby beziehungsweise die Ernährung von uns und unserem Kind sind.

Was ich damit sagen will: Wenn Ihr die Diagnose bekommt, dann nicht, weil Euch jemand ärgern oder krank reden will. Niemand will Euch etwas böses. Es ist eine Sicherheitsmaßnahme, für die Schwangerschaft und die Zeit danach. Macht Euch nicht zu viele Sorgen und setzt Euch nicht selbst unter Druck. Wenn Ihr Euch gesund und ausgewogen ernährt (bitte, bitte KEIN Low carb, Ihr braucht Kohlehydrate in der Schwangerschaft!), dann macht Ihr schon alles richtig. Sollte es dennoch notwendig sein, dass Ihr Euch Insulin spritzen müsst, dann denkt daran, dass es damit nach der Schwangerschaft sehr wahrscheinlich Schluss ist. Auch diese Maßnahmen werden nur unternommen, wenn sie notwendig sind und auch sie sind eine Sicherheitsmaßnahme für einen weiterhin möglichst komplikationsfreien Schwangerschaftsverlauf.

(25.03.2015 auf meinachtsamesleben.blogspot.com)

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