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Kinder bringen Ehen auseinander? WTF!

Es gibt ja nicht nur Erziehungsratgeber, sondern auch Unmengen von Beziehungsratgebern. Gerade ist wieder ein neuer erschienen, genau genommen ein Eheratgeber. Natürlich gespickt mit dem geballten Wissen von Statistiken.

Davon abgesehen, dass ich den Nutzen solcher Ratgeber generell sehr anzweifle, muss ich an einem Punkt vehement widersprechen: Kinder bringen Ehen/Beziehungen auseinander. Begründung: Die Zeit für den Partner fehlt. (Ok, wer seinen Partner dann schon als bärtiges Kind bezeichnet, wir ahnen das Menschenbild.)

Aber fehlt denn die Zeit wirklich wegen dem oder den Kind(ern)? Ernsthaft? Wenn diese Spielen, Schlafen oder bei Freunden sind, dann ist keine Zeit für Partnerschaftlichkeiten? Was machen diese Menschen dann? Mit Sicherheit nicht nur den Haushalt und Hobbies, gerade letzteren geht man doch eher selten jeden Tag nach. Oder?

Nein, ich erlebe es ja selbst, die Zeit fehlt nicht, wegen dem Hexlein. Die Zeit fehlt, weil einer arbeiten gehen MUSS. Vollzeit. Und in unserem Fall 12 Stunden, plus 2 Stunden Pendeln (mit entsprechendem Verkehr mehr). Mein Mann kommt nach Hause, isst etwas, eventuell können wir uns noch kurz über den Tag austauschen und dann fällt er ins Bett (logisch, wenn man um halb 4 aufsteht). Wenn er Nachtschicht hat ist es leicht entspannter, aber trotzdem nicht wirklich viel Zeit für ein Miteinander. Das gibt es nur an den freien Tagen, da wird diese aber auch genutzt. Wir legen uns zusammen mit hin, wenn das Hexlein sich mal zu einem Nickerchen herab lässt. Wir kuscheln, bevor wir einschlafen. Manchmal sitzen wir auch nur gemeinsam vorm Fernseher und schweigen uns an, weil wir einfach fertig sind, alle beide. Aber auch das muss man einfach können. Einfach zusammen in Ruhe sein.

Ich finde es ziemlich mies, den Kindern den schwarzen Peter zu zuschieben, denn was können sie denn für die Situation in unserem Land? Sind sie es Schuld, dass ihre Eltern als Eltern und die Gemeinschaft als Familie nicht unterstützt wird? Sowohl finanziell, als auch von der Gesellschaft einfach nicht getragen wird? Sind sie es Schuld, dass es zu wenige Betreuungsplätze gibt, so dass Familien am Rande oder sogar unter dem Existenzminimum leben müssen? Sind sie es Schuld, dass, egal welches Lebensmodell gewählt wird, es oft einfach keinen Platz gibt für eine Familie? NEIN! Sind sie nicht! Es ist unsere gottverdammte Gesellschaft und die hirnrissige, so genannte, Familienpolitik. Es sind Gesetze, die nicht weiter weg von der Lebensrealität vieler Menschen, nicht nur Familien, sein können.

Nein, Kinder bringen keine Ehen auseinander, sie bringen Familien zusammen. Beziehungen werden durch äußere Einflüsse auseinander gebracht, wenn das Miteinander daran zerbricht. Wenn keiner da ist, der die Last von aussen mit tragen hilft.

16 thoughts on “Kinder bringen Ehen auseinander? WTF!

      1. Das habe ich ja nicht gesagt. Aber das Familienleben hat in unserem Fall einen großen Beitrag zur Entliebung beigetragen.

        Unter anderem weil ich mich als Mutter total verändert habe, das hat der Liebe Abbruch getan….Ich wurde ein anderer Mensch. Mein Ex nicht. Es geht auch nicht um Schuld. Aber bei uns spielte das Kinderhaben eine Rolle.
        Ob wir ohne Kinder ein Paar geblieben wären weiß man nicht.

        1. Das ist schade. Wie es ohne Kinder wäre, weiss man nicht und orakeln macht da keinen Sinn. Ich denke dennoch, dass es oft nicht (nur) das Kinder haben ist. Und dass Kinder bereits vorhandene Eigenschaften verstärken.

  1. Man muss auch bereit sein, das Gewicht von der romantischen Liebe mehr auf eine partnerschaftliche Liebe zu verlagern. Eine Weile zumindest überwiegend dahin. Und beide müssen sich in die gleiche Richtung entwickeln, damit jeder auch ein bisschen „er selbst“ bleiben kann. Dann kann auch wieder angeknüpft werden, da die ursprünglich geliebte Person ja noch vorhanden ist.

  2. „Schuld“ sind die Kinder nicht. Sind sie sowieso nie, schließlich hat man sich konkret für sie entschieden.
    Dennoch denke ich, dass durch Kinder der Fokus von der Partnerschaft eben mehr auf das Kind rückt.

    1. Wenn sich der Fokus so arg verschiebt, war nicht selten vorher was nicht im Gleichgewicht. Ich denke da so an diese „Uns war nach 10 Jahren langweilig“-Paare u.ä.

      1. Wenn beide vorher Vollzeit gearbeitet haben und ihren ziemlich knappen Feierabend miteinander verbracht haben, wird das mit Kind sicherlich enger werden. Das Kind muss dann nämlich erst aus der Kita abgeholt werden, ggf. geht es danach noch zum Kinderturnen, Ballett, Reiten, etc. und das kostet Zeit und macht den – vermutlich vorher schon sehr knappen Zeitplan – noch knapper. Wenn man dann endlich nach Hause kommt, ist man froh, sein Ruhe zu haben. Zeit für Zweisamkeit ist dann kaum noch da oder höchstens am Wochenende, wo die Kinder ja aber auch betreut werden wollen. Ganz so einfach sehe ich es also nicht.

        1. Wir haben vorher Schicht gearbeitet, meistens sogar in gegenläufigen Schichten. Habe die Zeit nie als unglaublich knapp empfunden.
          Und dann ist halt die Frage MUSS das Kind unbedingt zu diesen ganzen Veranstaltungen hin, geschweige denn MUSS man es selbst fahren?
          Plus: Wieviele Mütter können und wollen Vollzeit arbeiten? Bzw.können überhaupt arbeiten?

      2. Die Frage ist ja nicht, ob es zu den Veranstaltungen muss, sondern ob es will. Und wenn es will, willst du es ja auch fördern. Wer soll es sonst fahren, wenn man auf dem Dorf lebt, außer die Eltern selbst?

        Die Frage, ob Mütter arbeiten wollen oder können, stellt sich für viele Paare nicht. Die meisten Paare in meinem Bekanntenkreis reden von „müssen“, weil sonst das Geld nicht reicht.

        1. Die wenigsten Kinder WOLLEN jeden Tag irgendwo hin. Kindergarten und Schule sind anstrengend. Ansonsten gibt es z.B. die Möglichkeiten Fahrgemeinschaften mit KiTa/Schulfreunden zu machen. Ansonsten, irgendwann kann man sein Kind auch mal allein mit dem Bus fahren lassen z.B. Gleiches mit der Betreuung am WE, Kinder können sich auch mal allein beschäftigen, spätestens im Grundschulalter, meistens vorher.
          Müssen ist eben jenes gesellschaftlich-familienpolitisches Problem. Familien werden nicht (ausreichend) unterstützt.

        1. Definiere Betreuung. Und definiere Zeit für/mit dem Partner.Ansonsten kann man sehr gut beim gemeinsamen Spazieren gehen mal Hand in Hand laufen, auf dem Spielplatz zusammen auf der Bank (Arm in Arm) sitzen und sich unterhalten. Man kann genug Möglichkeiten finden, wenn man will. Eine Beziehung bedeutet generell Arbeit, egal ob mit oder ohne Kind.

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