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Frühkindliche Förderung – Wettkampfdenken?

Die Osterfeiertage sind überstanden und damit auch der obligatorische Besuch bei den Großeltern. Eine Diskussion, die wir an diesen Tagen führten, ging um Kurse zur frühkindlichen Förderung, sprich Pekip, Delfi und Co. Die Babies könnten doch dabei wunderbar von den anderen lernen, wären animiert selbst mobil zu werden, wenn sie die anderen Babies sehen. Nur, dass Babies noch gar nicht so miteinander spielen, wie es (Klein-)Kinder tun und somit das mit- und voneinander lernen gar nicht gegeben ist. Auch wird unter einem Jahr recht wenig aktiv nachgeahmt, schon gar nicht, mit dem Gedanken eben genau diese Fähigkeit selbst zu erlernen. Wenn dem so wäre, könnte man als Elternteil auch einfach Krabbeln oder Laufen vormachen (wobei man letzteres ja eh dauernd tut) und das Baby würde dann einfach damit beginnen. Das passiert aber nicht. Babies werden mobil, wenn sie selbst den Anreiz dazu haben, die körperliche und geistige Reife und damit auch das entsprechende Körpergefühl. Dazu muss ein Baby seinen Körper kennen lernen und das kann es auch ohne solche Kurse. Denn das kommt allein mit der Zeit. Wenn es die Möglichkeit hat, sich in seinem eigenen Tempo zu entwickeln, seine Umgebung und seinen Körper kennen zu lernen, dann entwickelt es ein Gefühl dafür. Es muss die Möglichkeit haben, frei seine Bewegungen zu testen und zu erkunden, selbst feststellen dürfen, wie eine bestimmte Bewegung abläuft, indem es immer und immer wieder probiert. Hierbei trainiert es seine Muskulatur und die Koordination. Wäre alles nur durch Nachahmung erlernbar, bestünde, gerade im Babyalter, die Problematik der aufzubauenden Muskulatur. Deswegen ist es besser, dem Baby einfach die Zeit zu lassen, es selbst zu erlernen und vor allen Dingen selbst den Weg wie es etwas erlernt zu finden. Die Umgebung sollte dafür vor allem ruhig und nicht mit Reizen überflutet sein. Was mich wiederum zu etwas bringt, was ich an diesen Gruppen, zumindest im Babyalter, stört: Reizüberflutung. Man stelle sich einen geschlossenen, warmen Raum gefüllt mit 5-10, höchstwahrscheinlich vor sich hin brabbelnden, Babies und den dazugehörigen Eltern(paaren) vor. Dazu noch jede Menge Spielzeug. Selbst wenn schon gezieltes Lernen möglich wäre,  in so einer Atmosphäre kann doch niemand einen klaren Gedanken fassen. Natürlich ist das Körpergefühl nackt ein vollkommen anderes. Allerdings verlieren Babies auch bei warmen Raumtemperaturen sehr schnell an Körperwärme, so dass dieses nackt spielen lassen, wirklich gut überwacht werden sollte. Besonders, wenn die Kleinen noch nicht wirklich mobil sind und somit Körperwärme durch Bewegung produzieren können. Um einen wirklichen Effekt zu haben, sind diese Kurse einmal die Woche etwas wenig. Da ist es besser (und billiger) zuhause einfach mal für einige Zeit die Windel auszuziehen und das Baby mit Socken und Body, ggf. auf einer warmen Unterlage, spielen zu lassen. Das jeden Tag bringt mehr als diese vorrübergehenden Kurse, egal wieviele Anschlusskurse man nun bucht. Ein Baby muss etwas sehr sehr sehr häufig wiederholen, bis es etwas „gelernt“ hat. Sicher sollten diese Kurse auch als Anregung für zuhause verstanden werden, doch heutzutage ist die vermutlich eher die Ausnahme, als die Regel.

In diesen Kursen findet jedoch etwas  ganz anderes statt, was in meinen Augen symptomatisch für unsere Gesellschaft ist. Zum einen sind sie Kontaktbörsen und ich gebe zu allein aus diesem Grunde vorgehabt zu haben zum Babyschwimmen zu gehen. Letztendlich ließ ich es jedoch, weil die kleine Dame dann zu diesen Zeiten immer ein Nickerchen machte und ich keinen Sinn darin sah, sie dafür zu wecken. Guter Schlaf war und ist mir da doch wichtiger. Mittlerweile bin ich froh über diese Entscheidung, wenn ich so die Berichte von anderen Müttern lese und höre. Denn es wird nicht erzählt, ob und wie lange das Baby mit irgendetwas gespielt hat, sondern nur welches Kind dort schon was kann und das eigene eben noch nicht. Anstatt sich als Eltern gegenseitig zu unterstützen, Mut zu zusprechen in anstrengenden Phasen wird sich eher aufgestachelt, was die Babies nach Meinung der anderen können sollten. Und schon beginnt sich die kindliche Wettbewerbspirale zu drehen. Die Erwartungen werden hochgeschraubt, Eltern fühlen sich unzulänglich, weil es eben nicht so läuft, obwohl es doch bei allen anderen so klappt. Warum kann mein Kind das nicht auch schon?, fragen sie sich und übersehen dabei, dass ihr Baby dafür andere Fähigkeiten, nämlich die, die zu seiner Persönlichkeit passen, gewählt hat. Denn genau das wird immer wieder vergessen. Ein Kind wählt aus den möglichen Fertigkeiten immer die aus, die zu seiner Persönlichkeit, seiner körperlichen und geistigen Reife passen. Es wird auch ausser Acht gelassen, dass das Erlernen, immer über einen größeren Zeitraum abläuft, denn es müssen z.B. die entsprechenden Muskeln trainiert werden. Oder über durch Zufall entdeckt das Baby, dass es etwas kann und versucht das Ereignis im Trial-and-Error-Verfahren zu wiederholen. Auch hier dauert es einige Zeit, bis die Fertigkeit sitzt. Wer seinem Baby die Möglichkeit gibt sich frei zu beschäftigen und nicht in dauerndes bespaßen mit dem Ziel eine bestimmte Handlung zu trainier/Fertigkeit zu erlangen, verfällt, der hat die wunderbare Gelegenheit zu beobachten, wie sie Fähigkeiten tatsächlich nach und nach entwickeln. Manchmal scheint es länger nicht voran zu gehen und dann auf einmal werden Schlag auf Schlag mehrere Dinge gemeistert. Im Gegensatz zum technisierten, also gezielten Lernen, dass in der Schule trainiert wird, lernen Babies und Kleinkinder wesentlich sprunghafter und ungleichmäßiger. Das ist auch gut und richtig so, denn die Energie, die durch Nahrung und (Mutter-)Milch aufgenommen wird, wird auch zum Wachstum und der Gewichtszunahme benötigt. Später, wenn Kinder nicht mehr so schnell oder nach der Pubertät dann gar nicht mehr wachsen, kann die Energie gleichmäßig zum Lernen aufgewendet werden.

Ein Baby oder Kleinkind erlernt alle notwendigen Fähigkeiten im Laufe seiner Kindheit. Manche schneller, manche langsamer. Da kann auch frühstmögliche Förderung nichts dran ändern. Die beste Unterstützung für ein Baby ist es durch achtsame Eltern auf seinem Weg begleitet zu werden.

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