Es ist nicht einfach Kontakte zu knüpfen…

wenn man gegen den Strom schwimmt. Auch wenn man dabei den Menschen Angesicht zu Angesicht begegnet, so laufen sie doch meist an einem vorbei.

Ich komme mir oft vor, wie ein Stein im Flussbett. Das Wasser strömt um ihn herum, berührt ihn, doch der Stein bleibt allein. Mit der Zeit verändert er seine Form durch den vehementen Strom des Wassers. Und bleibt dabei doch ein Stein. Selbst, wenn er irgendwann zu einem kleinen Sandkorn abgerieben wurde, ist er immer noch Stein. Dann vielleicht ein sehr kleiner, doch in seinem Wesen immer noch der gleiche.

Ähnlich geht es mir. Die Gesellschaft, mein direktes Umfeld, sind wie das Wasser, sie bewegen sich um mich herum, versuchen Einfluss zu nehmen, mich zu verändern. Bis zu einem gewissen Grad bin ich bereit mich anzupassen, den Konventionen hinzu geben. Doch nur so weit, wie es mein innerstes Sein zulässt. Ich muss ich sein und bleiben können. Nun ist es aber so, dass wir Menschen keine Steine sind. Wir brauchen nicht den flüchtigen Kontakt des Wasser, sondern dauerhafte Kontakte zu anderen Menschen. Nicht nur virtuell, über das Netz, sondern auch vor Ort. Echten Kontakt, echte Verbindungen.

Genau da liegt mein Problem. Denn in meinem Umfeld scheine ich mit meiner  generellen Grundeinstellung zum Leben, wie auch mit der Art, wie ich mein Kind beim Aufwachsen begleite, eher ein Exot zu sein. Mir sind Oberflächlichkeiten herzlich egal. Wenn man mich schief ansieht, weil ich nicht hübsch gestyled mein Kind von der Krippe hole, sondern vielleicht sogar total müde aussehe, dann ist das so. Wenn komisch geschaut wird, weil wir unser Kind manchmal sogar gemeinsam holen und bringen, dann schauen sie halt. Wir finden es schön so und sind froh, dass wir es können. Es kam mittlerweile auch schon vor, dass provokativ laut über Arbeit und Erziehung gesprochen wurde, immer wieder mit einem Seitenblick auf uns. Der Hall im Treppenhaus ist da leider sehr verräterisch, ob man versucht leise zu sprechen oder eben nicht. Irritierend ist es insofern, als dass sie ja nicht wissen, wer von uns wie arbeitet und wie unsere Erziehung aussieht. Ausser, dass das Hexlein bis vor kurzem getragen wurde und morgens keiner von uns gestresst mit Kind angestürmt kommt, noch beim abholen Stress bei Anziehen hat, sondern das recht gechilled von der Bühne geht. Lässt natürlich total viele Rückschlüsse zu sowas.

Generell ist es jedoch etwas, was ich unter Eltern immer wieder beobachte. Be- und verurteilen ohne Kenntnisse der Umstände. Reden, lästern und herab werten, wo es geht. Es scheint, als hätten Eltern nicht die Aufgabe, sich bestmöglich um ihr Kind zu kümmern, es zu begleiten und zu fördern, sondern vor allem nach aussen hin eine bestimmte Wirkung zu haben. Der bestmögliche Start ist heute nicht mehr sein Kind mit Fähigkeiten auszustatten, die ihm helfen, in der Welt zurecht zu kommen, sondern ein dickes Sparkonto. Damit man „dem Kind auch etwas bieten kann.“ Dabei gehen dann nicht nur die Bedürfnisse der Kinder, sondern auch die der Eltern unter. Doch Bedürfnisse zu ignorieren und sie nicht zu erfüllen, das kann nur unglücklich machen. Wer nicht achtsam mit sich umgeht, reibt sich auf zwischen dem, was er wirklich will und dem was von aussen verlangt wird. Wer nicht achtsam durch den Tag geht, verliert mit der Zeit sich selbst. Wir demontieren uns gegenseitig, indem wir verlangen, dass materielles einen höheren Wert hat, als ein gutes Zusammenleben.

Glück ist nicht den höchsten materiellen Wert zu besitzen, denn dieses Glück bleibt nicht bestehen. Glück ist es, sich selbst zu kennen, seine eigenen Bedürfnisse und diesen gerecht werden zu können. Anhalten kann dieses Glück, wenn man zwischen den eigenen Bedürfnissen und denen anderer, besonders innerhalb der Familie, Kompromisse und Einigungen finden kann. Nur so entsteht Harmonie. Und Harmonie bringt Ruhe, Ruhe bringt Achtsamkeit. Achtsamkeit bringt Glück.

Comments

  1. Liebe Maria, da bin ich beim Lesen gerade richtig wütend geworden. Das ist so traurig und gleichzeitig so bescheuert, wie unsere Gesellschaft funktioniert… Und vor allem, wie negativ der Großteil der Menschen ist. Hoffentlich gibst du nicht allzu viel auf das Gerede der anderen, ich denke, das ist die beste Art, ihnen zu begegnen! Eigentlich sind sie ja eher zu bemitleiden. Dir einen schönen Sonntag! Meike

    1. Liebe Meike, danke für Deine Worte. Ja, es ist traurig, dass unsere Gesellschaft so funktioniert. Ich wünsche mir sehr, dass das mehr erkennen und sich mehr Wege ergeben, das zu ändern.
      Ich reagiere generell nicht auf so etwas. Ich nehme es zur Kenntnis und gut ist es für mich. Muss ja nicht jeden Schuh anziehen, der irgendwo steht.

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