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Erziehungsauftrag vs. Realität

Wenn mein Mann zuhause ist führen wir oft intensive Gespräche und Diskussionen. Da ich heute zur Abwechslung mal dazu gekommen bin einen Blick in die Tageszeitung zu werfen, hatten wir direkt ein Thema.

Auslöser war die Nachricht, dass die Medienaufsicht den gestrigen Beitrag von RTLs „Jenke Experiment“ auf Jugendgefährdung prüft. Es ging, kurz zusammengefasst, um einen Selbstversuch mit diversen Drogen und Alkohol. Aufgezeigt werden sollte wohl die verheerende Wirkung. Ich kann den Gedankengang der Medienaufsicht schon nachvollziehen (und hoffe, dass es Konsequenzen haben wird). Mich persönlich beschäftigt da allerdings noch etwas anderes.

Erziehung endet ja nicht mit dem Eintritt in die Pubertät oder mit dem erreichen eines bestimmten Alters, vor allem nicht, wenn ich Erziehung als Begleitung definiere. Und sie beginnt mit der Geburt. Sollte im Normalfall dann durch die Kinder- und Jugendjahre führen bis mein Kind irgendwann soweit ist, dass es auf eigenen Beinen stehen und das Nest verlassen kann. Nun wird aber von Eltern ja verlangt, dass Kinder frühstmöglich gegeben werden damit die Eltern schnellstmöglich wieder auf dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen. In vielen Familien ist das dazu noch zwingend notwendig, weil ansonsten die finanziellen Mittel nicht ausreichen. Dazu sollen sie ihre Kinder nicht nur Medienkompetenz beibringen, sondern auch zu selbstbewussten Menschen, die kompetent und selbstsicher mit Drogen und Co. umgehen können. Hm…Wir fragten uns heute beide ernsthaft, wann zwischen Kind von der KiTa abholen und Abendessen und ins Bett bringen, das dann geschehen soll. Denn seien wir ehrlich, wenn Du Vollzeit arbeiten gehst und Dein Kind somit Vollzeit in der Betreuung ist, da hast Du keine Zeit und keine Lust auf solche Themen. Und sie ergeben sich dann auch nicht bis man dann mit viel Pech bei seinem Teenager mit genau diesen Themen konfrontiert wird. Und sich verzweifelt fragt, ob und wie man das hätte verhindern können.

Das Schwierige an der Sache, egal wieviel Aufklärung in den Schulen betrieben wird, ein Teenager überblickt die Konsequenzen nicht. 10 Jahre sind für einen Jugendlichen ein halbes Leben und jemand über 20 unglaublich alt (der O-Ton meiner 9 Jahre jüngeren Schwester zu meinem 25.Geburtstag trifft es ganz gut: Herzlichen Glückwunsch, jetzt bist Du alt.) Und da kommen nun solche Sender mit oben genannten Formaten daher zu einer Uhrzeit, zu der der ein oder andere 16- oder 17 jährige Jugendliche auch noch vor dem TV Gerät sitzt. Was ein Teenager sieht ist: Oh, cool, der probiert das und dem passiert nichts. Oder Oh, der ist dann aber gut drauf. Die Nachwirkungen, vor allem die Langzeitwirkungen können diese jungen Menschen nicht überblicken. Und dann erklär Du als Eltern(teil) warum das nicht gut ist. So zwischen Feierabend (so mancher kommt auch um die Zeit erst nach Hause), Abendbrot und ins Bett gehen.

Ernsthaft. Es ist so schon nicht einfach Eltern zu sein. Die Gesellschaft setzt Dich unter Druck. Die Betreuung/Schule setzt Dich unter Druck, wenn sie meinen Dein Kind passt nicht in den Rahmen (und da musst Du auch meistens dann gleich bei Deinem Kind gegensteuern, damit sein Selbstwertgefühl nicht leidet). Es gibt immer neuere abgedrehtere Gadgets, Medien und immer irrsinnigere Formate in selbigen. (Langsam wird es sogar mir zuviel und ich bin ziemlich technikaffin.) Als Eltern musst Du mit allem mithalten, eigentlich allem einen Schritt voraus sein, damit Du Deinem Kind alles erklären, es kompetent aufwachsen und stark in die Welt gehen kann. Kann mal jemand die Gesellschaft daran erinnern, dass wir noch Menschen sind und keine modifizierten Cyborgs?

Danke.

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