Der Body Scan

Ich praktiziere seit nun seit einiger Zeit Achtsamkeit. Sowohl in formalen Meditationen, als auch informal in meinem Alltag. Zeit für die Meditation nehme ich mir meistens am Morgen. Oft werde ich früh wach und kann nicht mehr schlafen, obwohl ich eigentlich müde bin. Das hat unterschiedliche Gründe, nicht selten habe ich schlichtweg Hunger. Also stehe ich auf, mache mir Frühstück, was meistens aus Müsli und einer Tasse Tee besteht. Danach werde ich zwar irgendwie wieder müde, aber bei mir ist dasProblem, bin ich erstmal aufgestanden, dann bin ich auch wach, egal wie müde ich mich fühle. Einzige Ausnahme, wenn ich krank bin, da kann ich dann tatsächlich wirklich viel schlafen. Also, ich kann nicht mehr schlafen, fühle mich jedoch immer noch müde. Das ist für mich der Zeitpunkt für einen Body Scan. Dies ist eine Achtsamkeitsmeditation, bei der die Körperempfindungen im Zentrum stehen. Schritt für Schritt werden, mit dem Atem als Leitfaden, die Körperempfindungen in jedem Teil des Körpers nach und nach betrachtet. Wohl gemerkt, betrachtet! Keinesfalls bewertet! Eine Empfindung an sich ist nicht positiv oder negativ, gut oder schlecht. Sie ist einfach. Alles andere ist bereits eine Bewertung, die das Empfinden mit einer Emotion verknüpft. Sobald wir bewerten, fängt unser Geist jedoch wieder seine Wanderungen an, schweift ab und will uns verführen ihm zu folgen. Aber genau das wollen wir ja nicht. Ich gebe zu, am Anfang fiel es mir sehr schwer, nicht darüber nachzudenken, ob sich das jetzt gut anfühlte und ob ich mich nicht lieber anders hinlegen sollte. Kehrte ich jedoch gleich wieder zu meinem Atem zurück, stellte ich meistens fest, dass die Empfindung gar nicht so „schlimm“ war, wie ich sie zuvor bewertet hatte. Schritt für Schritt lernte ich, das Bewerten sein zu lassen und die Empfindung zu akzeptieren. Es geht ja nicht darum, irgendwas zu tun (auch nicht darum etwas gedanklich mit Werten zu belegen), sondern darum sich seinem Körper in all seinen Teilen und Empfindungen bewusst zu sein.

Hier sei angemerkt: Natürlich darf man die Position verändern, wenn es unangenehm wird. Niemand soll mit einer Verspannung aus der Meditation kommen! Dies kann man jedoch ganz bewusst und achtsam tun, ohne also die Meditation zu unterbrechen.

Man mag es kaum glauben, doch eine Body Scan Meditation (die sich je nachdem wie ausführlich man sie ausführt zwischen 30 Minuten und einer Stunde hinziehen kann. Die meisten geführten Body Scans sind etwa 30 Minuten lang.) erfrischt so sehr, wie ein kleines Nickerchen. Wer mir nicht glaubt, sei herzlich eingeladen es auszuprobieren. Der Vorteil: Ein kurzer Body Scan lässt sich immer wunderbar in den Alltag einbauen, wenn sich Müdigkeit breit macht. Und auch nach der Geburt, kann der Body Scan genutzt werden, um kurz Energie zu tanken, wenn das Baby schläft.

Meine Erfahrung mit dem Body Scan ist zudem, dass die Energie,die ich dadurch erhalte, wesentlich länger hält, als ein Nickerchen auf dem Sofa. Und die innere Ruhe wesentlich tiefer ist,  als ein kurzer Schlaf, in dem im Allgemeinen das Unterbewusstsein noch eine Runde aufräumt und man nicht selten vielleicht körperlich „da“ ist, geistig jedoch immer noch irgendwo anders festhängt. Ich führe den Body Scan auf Grund meiner Schwangerschaft vorzugsweise im Liegen durch. Letztendlich kann er in jeder angenehmen Pose ausgeführt werden. Man kann auch ein wenig experimentieren und alle Empfindungen in den unterschiedlichen Haltungen kennen lernen.

(08.03.2015 auf meinachtsamesleben.blogspot.com)

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