Das Metta Experiment – Tag 9

Nachdem wir nun gelernt haben uns selbst, Menschen, die uns nahe stehen, Menschen mit denen wir relativ neutral gegenüber stehen und Menschen, zu denen wir ein schwieriges Verhältnis haben, mit Liebender Güte zu bedenken und ihrem Wunsch nach Glück Beachtung und Wertschätzung zu schenken, können wir nun beginnen unsere Sendung von metta auszudehnen auf alle Lebenwesen dieser Welt.

Übung 11: Liebende Güte für alle Lebewesen

Wir isolieren uns von der Welt und allen Lebewesen durch Gedanken der Unzulänglichkeit, der Gefahr, Gedanken der Einsamkeit und Gedanken der Ablehnung. Sicher mögen wir mit äußeren Schwierigkeiten zu kämpfen haben, doch unser Denken kann sie noch mehr vertiefen oder sie gar überhaupt erst erschaffen. In unserer Vorstellung trennen wir uns selbst von der Verbundenheit mit der Welt durch die Aufteilung in „ich“ und „sie“, durch den Glauben, dass unser Geist unveränderbar ist und einmal geformt, nie wieder wandelbar ist. Wir projezieren Gedankenkonstrukte in körperliche oder geistige Gegebenenheiten hinein und trennen uns so weiter hin von der Welt ab. Aus Angst vor dem „Anderen“ ziehen wir uns in uns zurück und schliessen die Welt aus. Unser Geist verarmt und wir vereinsamen aus dieser Furcht heraus. Die Übungen von metta können uns helfen, diese innere Trennung und die Ängste zu überwinden.

Diese Übung wird wieder damit begonnen metta an sich selbst gesendet wird. Anschliessend wird metta an alle Lebenwesen gesendet, was uns selbst wiederum mit einschliesst. Es ist hierbei wichtig eine Formulierung zu finden, die ein Gefühl der Grenzenlosigkeit des Lebens vermitteln, ein Gefühl für die unzähligen fühlenden Existenzen in der Welt. Beispiele hierfür sind: „alle Wesen“, „alle Lebewesen“, „alle Geschöpfe“, „alle Individuen“, oder auch einfach „alles, was lebt“. Haben wir eine für uns passende Form gefunden, verbinden wir sie mit unseren metta Sätzen, wie zum Beispiel: „Mögen alle Wesen frei von Gefahr sein. Mögen sie (oder auch „wir“) glücklich sein. Mögen sie körperlich gesund sein. Mögen sie leicht durchs Leben gehen.“

Die Formulierung, die sich für mich am passendsten anfühlt und somit von mir genutzt wird ist: „wir, die wir alle Lebewesen dieser Welt sind“.

Ich habe diese Meditation damit begonnen mir selbst metta zusenden. Anschliessend sandte ich metta an meine Wohltäter, meine neutralen Personen und wollte dann metta an die von mir gewählte schwierige Person senden, bevor ich mich allen Lebewesen zuwende. Ich habe jedem Abschnitt etwa 5 Minunten praktiziert. Die ersten 3 Schritte waren für mich kein Problem. Als ich mich dann der schwierigen Person zuwandte und begann ihr metta zu senden, erschien nach kurzer Zeit vor meinem geistigen Auge eine andere Person, zu der ich ebenfalls kein einfaches Verhältnis habe. Also habe ich mich dieser zugewandt und ihr metta gesendet. Ich war darauf zwar nicht vorbereitet, doch habe ich für mich bereits verinnerlicht, dass jedes Wesen nach Glück strebt. Deswegen konnte ich, auch ohne mir die „Vorarbeit“ machen und zunächst versuchte eine gute Seite an dieser Person zu finden, auf Basis der Anerkennung und Wertschätzung des Wunsches nach Glück dieser Person metta senden. Dem schloss ich dann die Sendung von Liebender Güte an alle Lebewesen dieser Welt an. Zu diesem Zeitpunkt war ich bereits innerlich sehr ruhig und ein entspanntes Gefühl hat sich in mir ausgebreitet. Dieses blieb auch weiterhin bestehen. Womit ich jedoch überhaupt nicht gerechnet habe, waren andere Empfindungen. Ich habe mich früher und auch im Rahmen meiner Meditationspraxis mit den 7 Hauptchakren des Menschen zu beschäftigen. Hauptgrund hierfür ist, dass ich schon sehr lange immer wieder mein Stirnchakra spüre. Es äussert sich meist in einer Mischung aus Kribbeln und Druck, sehr schwierig zu beschreiben. Aus Reflex habe ich mir oft die Hand auf die Stirn gelegt. Das lässt vorübergehend das Gefühl verschwinden, sobald ich die Hand wegnehme, ist es jedoch wieder da. Es ist, als würde ich mit der Hand etwas schliessen oder eine Verbindung trennen, die sich sofort wieder aufbaut, sobald diese weg ist. Das Stirnchakra ist in seiner „Funktion“, sowie den Empfindungen für mich insofern interessant, weil ich über eine ausgesprochen gute und tiefgehende Menschenkennits verfüge. Oft habe ich das Gefühl hinter die Maske, das Verhalten der Menschen um mich sehen zu können oder zu spüren, was die wahren Intentionen hinter dem Handeln mancher ist. Gerade letzteres glaubt einem im Normalfall natürlich niemand (mein Mann ist in der Hinsicht wirklich der Erste, der mir glaubt und sich für diese Thematik auch interessiert).

Während ich nun Liebende Güte an alle Lebenwesen aussandte, verspürte ich wieder dieses bereits bekannte Gefühl. Jedoch wuchs es recht schnell in einem Maße an, dass es fast nicht erträglich war und ich war versucht, die Meditation zu beenden. Doch ich atmete weiter und sandte mit jedem Atemzug Liebende Güte in die Welt. Das Gefühl ließ an Intensität nicht nach und breitete sich weiter aus. Zunächst strahlte es bis zu meinem Hinterkopf aus, so dass es sich wie ein Band oder eher wie ein Steg (wenn ich an die Intensität der Empfindung denke) durch meinen Kopf von meiner Stirn zu meinem Hinterkopf zog. Gleichzeitig begann es sich über meine Stirn nach oben hin zu meinem Scheitel auszubreiten, wo sie dann die gleiche Empfindung manifestierte, wenn auch nicht ganz so intensiv (oder genauso stark und ich habe es nur nicht so stark empfunden). Ich nehme an, dass es sich hier um das Kronenchakra handelte. Ich saß also da, sandte Liebende Güte aus, atmete und spürte diese extrem starken Empfindungen. Sie waren wirklich sehr an der Grenze zum Ertragbaren in ihrer Intensität. Als mein Gong mir das Ende der gewählten Meditationszeit mitteilte, kehrte ich ganz bewusst langsam zurück. Die Empfindungen in Stirn und Scheitel liessen wieder nach, das Gefühl der tiefen Ruhe und Entspannung blieb jedoch.

Dies war bisher die intensivste Erfahrung im Rahmen meines Experimentes und meiner generellen Meditationspraxis. Sicher habe ich ab und an, gerade bei der metta Meditation ab und an leichte Empfindungen im Bereich des Kronenchakras gehabt. Jedoch war keine so stark, so extrem wie diese.

Eine gewisse Nachdenklichkeit bleibt nach diesem Erleben. Und eine gewisse Neugier auf das, was noch kommen mag.

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