Das Metta Experiment – Tag 2

Nach diesen ersten Erfahrungen widme ich mich der nächsten Übung im Buch. Mein Ziel ist es, jede Übung auf 24 Stunden mindestens zweimal zu machen, was sich dann meist auf einmal abends und einmal morgens beläuft. Da die Übungen aufeinander aufbauen, wird die Meditationszeit automatisch länger.

Übung 2: Sätze der Liebenden Güte (Teil 1)

Bei der metta Praxis werden Sätze wiederholt, in denen wir benennen, was wir wünschen – zunächst für uns, dann für andere. Um metta praktizieren zu können, müssen wir zunächst Freundschaft mit uns selbst schliessen. Dies geschieht über die genannten Wünsche und Hoffnungen. Diese sollten, logischerweise, tiefe Empfindungen sein und ein gewisses Gewicht für uns haben (also keine Wünsche wie „Möge ich eine gute Fernsehsendung finden.“ oder „Möge es morgen nicht regnen.“). Sharon Salzberg gibt Beispiele für diese Sätze in der Übung in ihrem Buch: „Möge ich frei sein von Gefahr. Möge ich glücklich sein. Möge ich körperlich gesund sein. Möge ich leicht durchs Leben gehen.“ Diese Sätze werden in ihrem Buch in ihrer Bedeutung noch weiter erläutert und analysiert. Aus Platzgründen werde ich dies jedoch hier nicht wieder geben.

Auch bei Nancy Bardacke ist die metta Meditation Teil der Achtsamkeitsübungen zur Geburtsvorbereitung. Ihre Beispielsätze für die Meditation sind folgende: „Möge ich sicher und beschützt sein. Möge ich in Körper und Geist gesund sein. Möge ich glücklich sein. Möge ich unbeschwert und in Frieden leben.“ Man kann sich natürlich selbst entsprechende Sätze schaffen. Für den Einstieg in diese Übung empfinde ich die Beispiele als sehr hilfreich. Geübt habe ich mit den Vorschlägen von Sharon Salzberg, da mir diese am angenehmsten und einprägsamsten waren.

Sharon Salzberg beschreibt, dass Gefühle der Unwürdigkeit aufsteigen können, womit man die Liebe zu sich selbst einschränkt und die eigene Liebenswürdigkeit in Frage stellt. Als Hilfestellung soll hier der Atem genutzt werden, um sich an die Schönheit des eigenen Wunsches nach Glück bewusst zu werden und sich anschliessend wieder den Sätzen zu widmen.

Als ich abends mit meiner Meditation beginnen will, habe ich ziemliche Magenschmerzen. Vermutlich habe ich irgendwas von meinem Abendessen nicht vertragen, da es mir über den ganzen Tag hinweg gut ging. Dennoch will ich mich der Meditation widmen. Des Komforts halber lege ich mich hierfür direkt ins Bett. Gestützt durch Stillkissen und in Decken gekuschelt, sind auch die Magenschmerzen erträglich. Ich stelle mir meinen Timer auf 15 Minuten und schliesse langsam die Augen als der erste Gong ertönt. Zunächst denke ich an das Gute in mir, an meine Erkenntnisse aus der vorangegangenen Übung. Nach einiger Zeit beginne ich in Gedanken die Sätze der Liebenden Güte zu rezitieren. Ich verbinde sie mit meinem Atem als zusätzlichen Anker, so dass ich sie in Gedanken langsam und in Ruhe spreche. Ich lasse jedes Wort in meinen Gedanken nachklingen, bevor ich weiter mache. Jeder Satz ist ein Geschenk an mich selbst, ein Antrag der Freundschaft an mich selbst. Dabei nehme ich wahr, dass meine Magenschmerzen langsam nach lassen. Gleichzeitig stellt sich, mit jeder Wiederholung eine gewisse innere Ruhe ein, nicht zuletzt auch, weil ich den Atem als Anker für meine Gedanken verwende. Als der letzte Gong ertönt, öffne ich langsam die Augen. Mein Magen tut immer noch ein bisschen weh, aber ist bei weitem nicht mehr so verkrampft wie vorher. Ich denke, dass hier sowohl die Ruhe aus dem mantra-artigen wiederholen der Sätze der Liebende Güte, als auch das tiefe und ruhige Atmen ihren Teil dazu beigetragen haben. Gleichzeitig wird mein Baby munter und ich widme ihm noch ein wenig meine Aufmerksamkeit bevor ich mich endgültig zum Schlafen entschliesse.

Am nächsten Morgen setze ich nach meinem Frühstück eine weitere Übung mit den Sätzen der Liebenden Güte an. Hierzu verwende ich diesmal jedoch nicht meine App, sondern Musik. Ich habe mir vor einiger Zeit von Martina Stocker Musik für meine Meditionen spielen und aufnehmen lassen. Martina ist eine Klangtherapeutin, deren zentrales Thema die Verbindung von Körper und Seele und die wechselseitigen Auswirkungen auf die Gesundheit eines Menschen. Bei ihrer Arbeit nutzt sie ein Monochord, sowie Klangschalen. Neben unterschiedlichen therapeutischen Angeboten der Energiearbeit bietet sie auch Sitzungen für Schwangere an, bei der sie Musik speziell für Mutter und Kind spielt. Später ist es auch möglich von ihr Klänge für das Baby nach der Geburt spielen zu lassen, z.B. wenn es sich um ein sogenanntes Schreibaby handelt.

Martinas Musik ist perfekt auf mich zugeschnitten, obwohl sich unser Kontakt auf einige E-Mails und ein Telefonat beschränkt. Dies allein spricht schon für ihre unglaubliche Begabung. Die selbe Musik nutze ich im übrigen auch für meine Yogaübungen.

Das Musikstück ist knapp 30 Minuten lang, was mir an diesem Tag als gute Länge für eine Meditation erscheint. Ich starte die Musik und schliesse langsam die Augen. Dies mal meditiere ich im Sitzen auf dem Sofa, einige Kissen als Stütze in den Rücken gesteckt. Ich beginne, wie am Abend zuvor und wende mich dann den Sätzen der Liebenden Güte zu. Langsam wiederhole ich die einzelnen Sätze in Gedanken, lasse die Empfindungen in mir nachhallen. Mein Atem wird dabei immer ruhiger und ich erreiche einen Zustand, der sich von der Intensität der Entspannung anfühlt wie Schlaf – Tiefenentspannung. Ich habe durch die Sätze der Liebenden Güte nicht nur Freundschaft an mich selbst heran getragen, sondern darin einen Weg zu tiefer innerer Ruhe gefunden. Das Gefühl am Ende meiner Meditation ist unglaublich. Ich bin erfrischt wie nach einem langen Schlaf und mein Geist ist ruhig und fokussiert auf die Gegenwart. Ein unbeschreibliches Gefühl! Gleichzeitig macht es mich glücklich und beruhigt mich zu wissen, dass ich so immer wieder, und mit entsprechender Übung auch immer schneller, mich auf eine tiefere Bewusstseinsebene zurück ziehen und Ruhe finden kann. Diese Fertigkeit weiter zu entwickeln ist mit Sicherheit durchaus hilfreich. Vielleicht bei der Geburt meines Kindes, vielleicht in schwierigen Zeiten danach.

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