Das Metta Experiment – Tag 11 und 12

Ich fasse diese beiden Tage zusammen. So wirklich zum Meditieren bin ich nicht gekommen. Nicht, dass ich mir die Zeit nicht genommen hätte. Allerdings bin ich gedanklich sehr abgelenkt. Zum einen ist mein Mann noch krank, zum anderen merke ich so langsam, dass die Schwangerschaft sich dem Ende neigt. Ich schlafe nicht besonders gut, habe Hitzewallungen und auch gedanklich bereite ich mich so langsam darauf vor, dass wir bald zu dritt sind. Dazu kommt, dass zumindest eines unsere Kaninchen es ziemlich drauf anlegt meine Geduld zu testen und „ärgert“ mich. Inwieweit das tatsächlich Absicht ist, ist natürlich fraglich. Allerdings kann ich mich nicht des Eindrucks erwehren, wenn ich daran denke wie immer Schritt für Schritt getestet wird, wann ich schimpfe bzw. es weg scheuche. Ganz aktuell ist da wieder der Fernsehschrank. Da wird dann drunter gekrochen, obwohl man nicht drunter darf. Und wenn schon mal geschimpft wurde, dann wird versucht das ganz „unauffällig“ zu machen. Fällt natürlich trotzdem auf. Und dann muss man sich mit Unschuldsmiene ganz schnell wieder auf die Auslaufdecke setzen und so tun, als würde man die ganze Zeit mümmeln. Im unschuldig Schauen sind die beiden sowieso Meister. Irgendwann schaffe ich es mal, das auf Video zu bannen.

Doch zurück zu den metta Übungen.

Übung 13 Mitgefühl mit denen, die Schmerzen verursachen

Auch dies ist eine Meditationsübung, um unser Mitgefühl zu vermehren. Dafür stärken wir unser Mitgefühl für eine Person, die der Welt schadet. Dies geschieht auf Basis des Wissens, dann jemand, der anderen schadet, auch immer sich selbst Schaden zufügt. Nicht nur jetzt, sondern auch für die Zukunft. Diese Übung ist nicht leicht, doch kann sie unsere Weltanschauung von Grund auf ändern. Wenn wir dazu neigen andere zu verurteilen oder zu verdammen, können wir unsere Wahrnehmung dahin gehend ändern, dass wir die Welt unter dem Aspekt von Leid und Ende von Leid und nicht unter dem Aspekt von gut und schlecht, sehen können. Die Welt unter dem Aspekt von Leid und Ende von Leid zusehen, nennt sich Buddha-Geist, denn er kann uns von Selbstgerechtigkeit und Zorn fortführen. Wenn wir die Verbindung zu unserem eigenen Buddha-Geist aufnehmen können, können wir die heilende Kraft des Mitgefühls entdecken.

Nachdem wir jemanden ausgewählt und Mitgefühl gesandt haben, der der Welt schadet, können wir dies im Anschluss für den Zyklus der Lebewesen (also uns selbst, unserem Wohltäter/Freund/in, neutraler Person, schwieriger Person und alle Lebenwesen) tun. Während der Meditation haben wir die Möglichkeit zu beobachten, ob sich unsere Beziehung zu uns selbst und zu unserem „Feind“, also der schwierigen Person, ändert. Dabei sollten wir eins bedenken: Mitgefühl braucht keinen Grund – es ist selbst Grund genug.

Übung 14 Gleichmut

Bei dieser Übung geht es darum Gleichmut zu entwickeln. Gleichmut ist nicht zu verwechseln mit Gleichgültigkeit! Gleichmut bedeutet, Situationen, Lebensumstände und Wesen bzw. Wesenszüge so zu akzeptieren, wie sie sind. Das bedeutet nicht, dass einem deswegen alles egal ist. Erlernen wir Gleichmut lernen wir Akzeptanz. Akzeptanz gibt uns die Möglichkeit besser mit dem Leid in unserem Leben zurecht zu kommen.

Am einfachsten ist es Gleichmut der neutralen Person gegenüber zu üben. Wir stellen gedanklich eine Verbindung zu diesem Menschen her, visualisieren sie vielleicht und rezitieren die Gleichmut-Sätze: „Alle Wesen sind die Erben ihres Karma. Ihr Glück und Unglück ist Folge ihrer Taten und nicht dessen, was ich ihnen wünsche.“ Wem diese Sätze nicht liegen, kann diese natürlich abändern, wie z.B. „Mögen wir alle Dinge akzeptieren, wie sie sind.“ „Möge das Kommen und Gehen der Geschehnisse uns nicht berühren.“ „Ich wünsche Dir Glück, aber ich kann keine Entscheidungen für Dich treffen.“ Wenn wir spüren, dass unser Denken in die Gleichgültigkeit abschweift, dann meditieren wir darüber, daß Gleichmut die Stärke verleihen kann Veränderungen und Mißgeschicke in unserem Leben zu akzeptieren und sich ihnen zu stellen. Wir sollten auch auf die subtileren Varianten von Aversion und Rückzug achten, die ebenfalls während dieser Meditation auftauchen können. Wenn dies geschieht, stellen wir uns die Person oder die Personen auf die wir Gleichmut lenken noch genauer vor. Wir meditieren dabei über die Unermeßlichkeit des Wandels und darüber, wieviel sich außerhalb unserer Kontrolle befindet. Dann kehren wir zur Wiederholung der Gleichmut-Sätze (oder den von uns geformten Sätzen) zurück.

Wenn wir etwas mehr Übung mit dieser Art der Meditation haben, können wir beginnen, sie mit Liebender Güte, Mitfreude und Mitgefühl verbinden.

Zur Mitfreude gibt es im Buch natürlich eine passende Übung. Diese habe ich jedoch ausgelassen, weil es mir im Moment nicht möglich ist eine Person zu finden mit der ich mich freuen kann. Das mag egoistisch oder kalt klingen. Dem ist nicht so. Es ist nicht so, dass ich mich nicht mit anderen freuen würde oder jemandem sein Glück nicht gönnen würde (wäre dem so, würde ich wohl an allen diesen Übungen scheitern). Aber, und das gebe ich unumwunden in meiner aktuellen Situation zu, ich kann niemanden finden, für den ich mich freue, ausser für mich selbst. Was bedeutet, ich werde die Übung über Mitfreude zu einem anderen Zeitpunkt nachholen.

Ich habe für beide genannten Übungen kaum Zeit beziehungsweise Ruhe gefunden. Warum habe ich bereits oben beschrieben. Da ich jedoch kurz vor dem Ende meines Experimentes stehe, werde ich versuchen auch die letzten Übungen noch durchzuführen. Ich werde auch versuchen, die bereits ausgeführten Übungen zu wiederholen, um meine Erfahrungen zu vertiefen (und ein passendes Fazit ziehen zu können).

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