Das Kinderzimmer – Kokon der Entwicklung

Das Kinderzimmer, lange war es nur der Raum, in dem wir wickeln. Mittlerweile spielt und schläft die Gewitterhexe den größeren Teil der Zeit dort. Nachts kommt sie meistens irgendwann zu uns, was vollkommen in Ordnung ist.

In ihrem Zimmer, da tobt sie sich aus. Springt auf ihrem Bett (Floorbed) herum. Klettert auf Tisch und Stühle. Malt die Wand an. Gern sitzt sie auch auf ihrem Tisch und puzzelt. Oder in ihrem Sessel und spielt mit ihrem Magnetspiel. Das ist von uns in keiner Weise initiiert, es kommt von ihr aus. Wenn sie unsere Gesellschaft wünscht, dann kommt sie und holt uns. Genauso, wenn sie etwas braucht oder Hunger hat. Auch, dass sie dort schläft, kam von ihr aus. Und ist somit für uns alle in Ordnung. Auch wenn die ersten Nächte schon etwas komisch waren. So allein, im großen Bett.

Es ist ihre eigene Welt, sie fühlt sich dort wohl und sicher. Wie in einem Kokon, in dem eine Raupe sich zu einem Schmetterling entwickelt. Es ist vor allem wunderbar zu sehen, wie sich aus diesem Spiel heraus ihre Fertigkeiten entwickeln.

Wenn ein größerer Schritt in Richtung Selbstständigkeit ansteht, möchte sie natürlich wesentlich mehr Nähe und bekommt sie auch. So gleichen sich auch die anstrengenderen Phasen immer wieder aus, wie Wellen auf dem Wasser, ein Auf und Ab.

Und sollte nun jemand Sorgen haben, sie würde alles in der Wohnung bemalen und überall auf dem Tisch sitzen, nein, das tut sie nicht. Sie weiß für ihre zwei Jahre ziemlich genau, dass nicht alles, was in ihrem Reich gilt, auch ausserhalb gilt.

Mir bleibt nun nichts weiter zu tun, als sie zu begleiten und mich an ihrer Entwicklung zu erfreuen. Die Zeit, bis der Schmetterling mir entfliegt, wird noch (viel zu früh) kommen.

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Etwas ist im Busch

Ich weiss zwar noch nicht was, aber irgendwas geht vor in der Minirübe. Das Gewitterhexlein ist momentan immer mal wieder genau das: eine kleine Hexe. Es gibt Gebrüll wegen Kleinigkeiten, z.B. weil die Wasserflasche im Bett umgekippt ist. Man könnte sie natürlich einfach aufheben. Nein, das geht nicht, weil dann muss man sitzen und kann nicht auf allen Vieren trinken (seit Wochen absolut in). Man wird nicht in den Entdeckerturm gehoben, auch das wird gern mit Gebrüll quittiert. Dabei kommt sie problemlos selbst rauf. Ganz eindeutig, da ist was im Gange und nimmt Ressourcen weg. Selbiges in der Kommunikation, für mich immer ein ganz eindeutiges Zeichen. Wenn das Hexlein etwas nicht kommuniziert, was es kommunizieren kann, sondern lieber weint (bzw. wirklich laut wird), dann weiss ich, da geht was vor im Kopf.

Es wird auch viel ausprobiert. Oft gern als „Grenzen austesten“ beschrieben. Ich sehe das eher als Test Aktion – Reaktion. Wenn ich Mamas Schaumkelle runter werfe, was passiert dann a) mit der Kelle und b) wie reagiert Mama? Und ist das nach dem vierten Versuch immer noch so? Oder ich nehme mir was vom gewürfelten Paprika, esse es aber nicht (was ich darf), sondern lutsche darauf herum und spucke es aus. Was passiert dann mit den Stückchen? Und was macht Mama? – Ich finde zwar schön, dass sie helfen will, alles sehen und mitmachen will, aber die Küche ist kein Spielplatz. Auf Herd und Kind gleichzeitig achten geht nicht. Nach dem 4. Mal Schaumkelle am Boden und ausgespucktem Paprika musste das Gewitterhexlein zum Papa ins Wohnzimmer und dort bleiben, bis alles im Topf war. Ich habe sie natürlich nicht einfach rausgeworfen, sondern ihr erklärt, warum. Dass die Küche nicht zum Spielen ist, dass man sich dort weh tun kann und ich aufpassen muss. Schien einen Tag später gefruchtet zu haben, als ich Salat machen wollte, wurde nämlich nichts runter geworfen und was sie sich gemopst hat, tatsächlich gegessen ( zu den Stücken, die sie ohnehin zum Naschen bekommen hat, was wäre Kochen ohne zu naschen?)

Richtig, richtig anstrengend sind aktuell vor allem zwei Dinge: „Hauen“ mit Gegenständen in der Hand. Zum Beispiel das Feuerwehrauto an der Leiter festhalten und den Arm Richtung Mama schwingen. Da sie meistens direkt neben mir sitzt oder steht, landete selbiges in meinem Gesicht. Zum Glück war da nicht wirklich viel Schwung hinter. Ich weiss, dass sie das nicht macht, um mir weh zu tun. Es ist austesten. Dennoch ist eine Verletzungsgefahr da. Ich habe ihr nach dieser Aktion direkt gesagt, dass das weh tut. Dass sie das so nicht machen darf, weil es mich verletzt. Dann habe ich das Feuerwehrauto genommen und zur Seite gestellt. Nicht versteckt, weg gesperrt und auch nicht geschimpft. Einfach nur beiseite gestellt, so dass sie sich das Auto holen kann, wenn sie wieder damit spielen möchte. Es blieb bei diesem einen Mal, auch wenn sie später wieder damit gespielt hat. Allerdings müssen wir das offenbar mit jedem einzelnen Spielzeug einmal durchmachen. Klar, könnte ja was anderes sein, wenn es etwas anderes ist. Es ist eben ausprobieren, doch auch dabei gelten die gleichen Gesetze, wie auch in der Küche: In dem Moment, wo sie sich oder jemand anderem weh tut, ist erstmal Pause. Funktioniert soweit gut. Was dazu sehr anstrengend ist, ist absichtlich Essen fallen lassen. Sie kann mittlerweile, auch mit Löffel, so essen, dass die Küche danach nicht einem Schlachtfeld gleicht. Sie sortiert zwar gern auf dem Tisch alles auseinander, aber das stört mich nicht, weil sie es dann meistens irgendwann noch isst. Wenn sie allerdings so langsam satt wird, probiert sie aus, was passiert, wenn sie etwas runter werfen will. Das ist kein probieren a la mal sehen, ob mein Essen fliegen kann, sondern sie schaut einen direkt an und bewegt den Arm zur Seite. Oder sich versucht es total unauffällig, indem sie sich ganz langsam bewegt. Wir bekommen es trotzdem mit. Erst ließ sie das Essen, meist einem sehr bestimmten „Ich mach das jetzt aber trotzdem“ Ausdruck im Gesicht, fallen. Wir haben uns sehr früh angewöhnt über „herunterfallendes“ Essen nicht zu schimpfen. Es blieb dann halt einfach unten liegen. Wir haben sie nur jedes Mal gebeten, wenn sie etwas nicht mag, es auf dem Teller oder Tisch liegen zu lassen. Es bringt ja nichts, sich darüber aufzuregen, in den frühen Phasen des Essen  lernens, wäre das mehr Stress und Essen kein Spaß. Wenn wir es also mitbekommen und sie bitten, es wieder den Tisch zu legen, dann tut sie es oft. Manchmal aber eben auch nicht. Warum das nervig ist? Weil ich weiss, dass es wirklich pure Absicht ist. Um zu sehen, ob sich etwas in unserer Reaktion ändert. Und das ist schon anstrengend. Es scheint eine Art Permanenztest zu sehen, eine Kontrolle, ob die Reaktion „echt“ ist, ob wir wirklich immer so reagieren, wie wir es tun.

Wenn ich so darüber nachdenke und vor allem auch darüber, wie diese Phasen oft in der Elternwelt wahrgenommen werden, dann scheint es mir vor allem eine Suche nach Kontuität, nach Sicherheit und Authentizität zu sein. Kein Grenzen austesten, kein Ich will meine Eltern jetzt aber ärgern. Ich denke soweit geht bei so kleinen Kindern der Gedankengang noch gar nicht (später mag das sicher anders sein). So wie beim Kennen lernen der Schwerkraft alles noch unten geworfen wird, um zu lernen, wenn ich etwas fallen lassen, fällt es auf den Boden und bleibt da, so testet das Kind, ob die Reaktion auch beim x-ten Mal die gleiche ist. Ob es sich darauf verlassen kann, dass wir Eltern immer gleich reagieren. Denn wenn wir das tun, dann weiss es, dass es sich auch in anderen Situationen darauf verlassen kann, dass wir zuverlässig reagieren. Es weiss, dass wir aufpassen, wenn Gefahr droht (siehe Küche) oder uns und andere (und auch es selbst) vor Schaden bewahren. Mit inflationärem Schimpfen oder gar Anschreien würde man hier gar nichts erreichen. Mit Ignorieren oder Bestrafen auch nichts.

Ja, es ist schwer und ja, beim hundersten Mal verdrehe auch ich, bei aller Achtsamkeit und allem nicht Urteilen wollen, die Augen (und das nicht immer nur innerlich). Dennoch habe ich schnell bemerkt, dass Genervtheit einfach nichts bringt. Bestimmtheit, keine Dominanz, die zeigt „Ich weiss, was ich hier tue, Du kannst sicher sein, dass ich nichts tun/sagen würde, was Dir schadet“, bringt einiges mehr. Und wenn uns doch mal die Stimme ausrutscht, wir wirklich laut werden, genervt sind oder einfach so vollkommen überrascht davon, dass auf einmal ein Spielzeugauto im Gesicht landet, dann erklären wir das genauso. Ich sage meinem Hexlein dann, das dann nicht selten schuldbewusst den Kopf senkt und kurz davor ist zu weinen, dass ich weiss, dass sie es nicht böse meint. Dass sie nicht weh tun wollte. Dass ich damit nicht gerechnet habe, dass mir das eben weh tut. Ich nehme sie dabei in den Arm, so dass sie auch fühlt, dass ich ernst meine, was sich sage. Dann ist auch diese Situation schnell geklärt. Mein Mann macht es übrigens genauso, unabgesprochen.

Und nun bleibt mir nur noch abzuwarten, welche Fertigkeit das Gewitterhexlein jetzt entwickelt. Vielleicht den letzten Knackpunkt zum Laufen (ich mag mir das auf den Knien laufen echt nicht mehr ansehen, das muss doch weh tun). Oder doch Sprechen? Oder noch etwas ganz anderes, womit wir gar nicht rechnen. Wir werden sehen.

(Nach Oje, ich wachse dürfte sie übrigens gerade gar nicht einem Entwicklungsschub sein. Aus dem einen sollte sie raus und im nächsten noch gar nicht drinnen sein, weil sich die Hirnreife ja angeblich vom errechneten Geburtstermin abhängt. Haut bei uns nie hin. Es ist manchmal eher so, als würde sie sich alles so ein bisschen aufteilen mit immer wieder ruhigen Phasen dazwischen.)

 

Sei milde mit mir

Man sollte eindeutig keine Beiträge übers Handy beginnen zu entwerfen, wenn man noch nicht zu 100% sicher ist, dass das Kind neben einem schläft.

Womit ich auch direkt beim Thema wäre. Schlafen. Oder besser Schlafen, wenn irgendwas im Kopf rum geht, gefühlt aber alles rückschrittig ist. Weniger genau Kommunikation. Gemecker, wo es nur geht. Die ersten Wutanfälle. Wieder häufiger nachts stillen. Mördermäßig unruhig schlafen. Und vor allem, nicht ohne Kontakt zu Mama. Meine Abende aktuell sind nicht leicht. Diese Woche war ich komplett allein, mein Mann hatte Nachtschicht. Gewitterhexlein geht ziemlich früh ins Bett, wie immer, wenn sie etwas Neues lernt (und steht entsprechend früh auf). Einschlafen, ja, das geht irgendwie, doch nach einiger Zeit ist wieder Schluß. Das Hexlein ist supermüde, kann aber nicht weiter schlafen. Wir stillen, kuscheln, sie nimmt ihren Nuckel, schläft wieder ein. Denke ich und schleiche mich raus. Will wieder aufs Sofa, wenigstens noch ein bisschen TV-Berieselung zum Runterfahren. Ich bin noch nicht mal an der Couch, mörderisches Gebrüll. Dafür, dass sie so eine zarte Pflanze ist, kann sie ganz schön laut. Fiel schon damals auf der Intensivstation auf. Auch wenn man sieh nicht sieht, hören tut man sie auf jeden Fall. Ja, ich gebe zu, mit einem ziemlich entnervten Augenrollen (ich hatte erwähnt, dass ich die Woche allein zuhause war abends) flitze ich wieder ins Schlafzimmer. Kind hellwach meckert mir entgegen. Ich will schimpfen, kann mich aber bremsen, sie kann ja nichts dafür. Ihre Wasserflasche hab ich schon im Zimmer, ich stelle sie ihr hin und sage, dass ich gleich komme, dass ich mich nur schnell fertig mache. Das Gewitterhexlein trinkt erstmal was. Ich sammele meine Wasserflasche, Handy und Tablet ein. Dann lege ich mich zu ihr. Sie kuschelt sich an mich, richtig fest. So eng hat sie schon lange nicht mehr gekuschelt. Ungefähr ein halbes Jahr nicht. Sie liegt in meinem Arm, ihren Rücken an mich geschmiegt, die Arme um meinen geschlungen und versucht wieder einzuschlafen. Ich halte sie fest, sage ihr, dass ich immer da bin, nie wirklich weg bin. Nach und nach spüre ich, wie sie zur Ruhe kommt. Armes, aufgewühltes Hexlein. Warum war ich eigentlich sauer? Wegen solcher Kleinigkeit wie Fernsehen. Oder Tablet spielen. Oder lesen (bzw.eventuell das Buch weiter schreiben). ICH bin erwachsen, ich kann mich auch anders runter schrauben. Aber dieser kleine Mensch, der noch nicht ausdrücken kann was er will. Der gefühlt vermutlich tausend Mal sagt, was los ist, aber von uns Erwachsenen nicht verstanden wird. Dieser kleine Mensch braucht meine Nähe, um zur Ruhe zu kommen. In mir breitet sich ein warmes Gefühl aus. Ja, es ist anstrengend, aber diese Momente, diese wenigen Momente, in denen sie sich so anschmiegt, die sind mit Gold nicht aufzuwiegen.
Also, sei milde mit mir, mein Hexlein, wenn ich nicht gleich kapiere, was Du willst und brauchst. Ich strenge mich an, Dich zu verstehen, doch es ist so lange her, dass ich so klein war und ich habe soviel vergessen.

I'm going slightly mad…

Lalalala

Willkommen im nächsten Entwicklungsschub. Yeay. Nein, Zähne kriegen allein reicht ja nicht. Warum auch? Einschlafen war die letzten Tage ja schon nicht so einfach, also abends. Einschlafstillen? Nö, bitte nicht an der Brust einschlafen. Dann rolle ich mich lieber noch eine Weile durchs Bett. Oder spiele mit meinen Nuckeln. Mama braucht natürlich auch ganz unbedingt einen. Und nein, so tun, als ob man ihn in den Mund nimmt reicht nicht, das wird kontrolliert. Irgendwie muss man sich ja wach halten.

Heute lief das Ganze so:

Hexlein hat entdeckt, dass sie klatschen kann. Klar, beim Einschlafen wann auch sonst? Man hat ja nicht den ganzen Tag Zeit. Einschlafstillen, sie fummelt wie immer an ihrem Ärmel rum, ist dabei einzunicken. Oh Mensch, ich hab ja gemerkt ich kann klatschen. Ob ich das immer noch kann? Patsch, patsch, patsch. Ok, eigentlich hat sie ja schon fast geschlafen. Gewitterhexlein? Das Hexlein zeigt auf sich selbst und grinst. Ja, Du bist das Gewitterhexlein. Sie zeigt wieder auf sich, grinst und klatscht. Willst Du noch stillen? Sie zeigt auf sich, auf meine Brust und grinst wieder. Ich werte das als ja. Wieder anlegen, nuckeln, eindösen. Oh Mensch, ich kann ja klatschen, dass muss ich jetzt gleich nochmal machen. Patsch, patsch. Hexlein? Sie zeigt auf sich. Ja, Du, willst Du noch stillen? Grinsen, auf sich und auf die Brust zeigen. Spielchen von vorn. Dann wurde es mir zu doof, Nuckel angeboten. Wurde akzeptiert. Kind hingelegt, mich daneben. Sie kuschelt sich an. Rollt sich wieder weg. Kuschelt sich wieder an. Rollt sich wieder weg. Kuschelt sich an. Beginnt einzudösen. Oh mann ey, ich kann doch klatschen, dass muss ich jetzt unbedingt nochmal machen. Ja, Du kannst toll klatschen. Ich sehe aber, dass Du müde bist. Schlaf doch, Hexlein und dann zeigst Du morgen dem Papa, wie toll Du klatschen kannst.

Das wiederholt sich gefühlt eine Trillion Mal. Alternativ mit Nuckeln spielen und mir einen aufzwingen. Oder undefiniert in den Raum zeigen und irgendwas „wissen“ wollen. Oder auch auf meinen Arm, Brust, Nase etc. zeigen. Ich sage dann, was es ist und bekomme den Zeigefinger unter der Nase herum gewedelt. Wenn ich dann sage, doch, das ist dieses oder jenes, werde ich frech angegrinst und gekniffen.

So doof, dass es schon wieder lustig ist, so im Nachhinein. Und eine der besten Übungen in Geduld und Achtsamkeit, die man haben kann. Ernsthaft, wenn man in solchen Phasen nicht im Hier sondern Dort ist, dann kommen Ungeduld und Unruhe dazu. Man wird genervt und gestresst, unterstellt dem Kind vielleicht noch Absicht. So muss ich mir an manchen Punkten dann doch eher das Lachen verkneifen, vor allem, weil das Wachhalten einfach so offensichtlich ist. Anstrengend ist es trotzdem, für uns beide. Mal sehen was als nächstes kommt.

Daher in diesem Sinne: I think, I’m a banana tree

Wie mir Meditation durch schwierige Phasen hilft

Wie schon berichtet, steht hier momentan einiges Kopf. Die kleine Dame hat in ihrer Entwicklung irrsinnig an Fahrt aufgenommen. Jeden Tag kommt etwas neues dazu, was wiederum auch Einfluss darauf hat, wie wir miteinander kommunizieren können. Manchmal klappt es besser. An manchen Tagen ist sie ein Buch mit sieben Siegeln und ich kann nur die altbewährte Liste durchgehen, um heraus zu finden, was los ist. Nicht gerade einfach. Es ist anstrengend, für uns beide und zerrt an meiner Geduld. Damit sich meine Ungeduld nicht auf sie ablädt, nutze ich jede Gelegenheit mir meine Meditationspraxis zunutze zu machen.
Es ist mehr, als das sprichwörtliche tief Durchatmen, kein Durchschnaufen, um den Kopf frei zu kriegen. Es ist ein inneres Innehalten und Zurücktreten, um Platz zu schaffen. Platz für einen kleinen Raum der Ruhe, den ich mit meinem Atem erschaffe. Erst ganz klein, dann mit jedem Atemzug wachsend bis mein Inneres, mein Geist erfüllt sind von Ruhe und Gleichmut. Dann lasse ich diesen Raum wachsen, mit meinem Atem über mich hinaus. Ich schaffe um mich herum ein Feld aus Ruhe und Gleichmut. Dieses Feld hilft auch der kleinen Dame ruhiger zu werden, zur Ruhe zu kommen. Sei es beim Stillen oder abends beim Einschlafen. Besonders, wenn sie etwas Neues lernt, wie in diesen Tagen, ist das Runterfahren nicht leicht. Zuviel geht durch den kleinen Kopf und dann kann man nicht einschlafen. Viel helfen kann ich nicht, ausser als Ruhepol da zu sein, Nähe (oder Distanz, aber Anwesenheit) schenken, wie sie es wünscht. Zu akzeptieren, dass sie gerade, was Nähe betrifft, sehr wankelmütig ist, fällt mir in diesem Feld aus Ruhe auch sehr viel leichter.

Überflieger, Nachzügler – mein Kind kann (schon)

Nein, keine Sorge, es kommt jetzt keine Auflistung, was meine Tochter kann oder nicht kann und was sie nach gängigen Tabellen können sollte. Allerdings ist mir aufgefallen, dass ab dem Zeitpunkt, an dem Babies anfangen Fähigkeiten und Fertigkeiten zu entwickeln, Eltern dazu neigen, diese zu betonen. Oder zu „fördern“ indem etwas immer und immer wieder geübt wird. Drehen ist da so ein Beispiel. Wie oft lese ich, dass die Babies zum einen die Bauchlage doof finden und zum anderen keine Anstalten machen, sich zu drehen, egal, wie oft man es übt. (Ich mag hier mal anmerken, dass Bauchlage hier auch erst seit sie sich durch die Gegend rollt, wirklich cool ist und man auch gerne mal fröhlich quietschend mit einem Spielzeug auf dem Bauch liegen bleibt.) Das Problem bei dieser Herangehensweise ist in meinen Augen diese: Der Impuls geht von den Eltern aus. Die Eltern entscheiden „Jetzt wird das und das geübt.“ Sie warten nicht ab, wann das Baby selbst Bereitschaft dazu signalisiert, etwas neues zu lernen. Und sie wollen, dass nach ihren Methoden gelernt und geübt wird, anstatt es einfach mal machen zu lassen. Denn meistens, wenn man die Kleinen einfach mal lässt, finden sie von ganz allein heraus wie sie an das heran kommen, was sie haben wollen. Oder dorthin, wo sie hin wollen. Dabei kann es vorkommen, dass Kinder aus den üblichen Plänen, Tabellen und Meilensteinen heraus fallen. Allerdings erlernen sie dabei zwei ganz wichtige Kompetenzen, die um einiges mehr Wert sind, als sich so entwickeln, wie es irgendwer mal statistisch festgelegt hat. Sie lernen zum einen Lösungen selbst zu entwickeln, in dem sie immer wieder unterschiedliche Möglichkeiten ausprobieren. Die zweite, fast noch wichtigere Kompetenz, ist der Umgang mit Frust. Natürlich funktioniert nicht alles sofort und nicht alles so, wie man es sich denkt. Weder für Babies, noch für uns Erwachsene. Damit umgehen zu lernen und den Frust als positive Antriebskraft zu nutzen, sprich Beharrlichkeit, ist etwas, was man nicht früh genug lernen kann. Was nicht bedeutet, dass man das Baby deswegen ewig zeternd herum liegen zu lassen. Natürlich brauchen sie Trost, doch keinen in Form dessen, dass ihnen zu sehr geholfen wird (z.B. das Spielzeug reichen). Es macht mehr Sinn, die Frustsituation erst einmal zu beenden und dem Baby zu signalisieren, dass man seinen Ärger ernst nimmt, wie auch bei allen anderen starken Emotionen. Ich denke nämlich, dass man nicht erst im so genannten Trotzalter damit beginnen kann, Gefühle direkt anzusprechen und Verständnis zu zeigen. Sicher verstehen die ganz kleinen die Worte noch nicht, aber sie verstehen die Stimmung, den Tonfall, den generellen Umgang mit ihnen. Ich bin mir sicher, dass es später sehr hilfreich sein wird.

Und dennoch, es scheint irgendwie ein Bestreben von Eltern (und nicht nur Erst-Eltern, wie mir aufgefallen ist), dass sich ihr Baby schön nach den Meilensteinen zu richten hat, am besten noch ein wenig früher, als „zeitgerecht“. Denn nur dann kann man sagen „Mein Kind kann schon….“. Und da werden Fertigkeiten, wie das simple Imitieren von Gesten, als Meilensteine hervor getan. Sicher, es ist total süß, wenn ein kleines Baby winkt oder Kußhändchen verteilt. Wenn es von sich aus anfängt, dies zu imitieren, ist das natürlich schön. Und doch, ein Baby weiß nicht wirklich, was es da tut. Das Winken sowohl Gruß, als auch Abschied sein kann, ebenso wie Kußhändchen oder ähnliche Gesten, das wird ihm sehr wahrscheinlich noch nicht so präsent sein. Es tut es, weil es sieht, dass es die Eltern freut und das wiederum freut das Baby. Schlicht, es macht einfach Spaß. Das ist vollkommen in Ordnung so, Spaß ist wichtig und auch das stärkt die Bindung. Doch es wirkt immer etwas, als würde man dieses hernehmen, wenn das Baby noch nichts macht, was es in seinem Alter machen sollte. Dabei können die Kleinen so wunderbare Fertigkeiten entwickeln und so schön signalisieren, was sie gern lernen möchten. Sei es nun Rollen, der Umgang mit unterschiedlichen Konsistenzen, brabbeln oder die ersten Versuche mit Besteck zu essen. Es muss sich kein Kind nach irgendwelchen Richtlinien entwickeln. Weder körperlich, noch geistig. Es ist nur wichtig, dass es sich entwickelt, Fortschritte in seinem Tempo macht. Manche lernen am laufenden Band, andere ruhen einige Zeit und machen dann riesige Sätze. Es braucht keine Charts, Tabellen oder Richtlinien, nur ein bisschen Aufmerksamkeit seinem Baby (oder Kind) gegenüber.