U7, endlich ein guter Arzt

Am Montag hatten wir unsere U7. Bei mittlerweile dem dritten Kinderarzt, dieser erwies sich jedoch echt als Volltreffer. Hätte ich den mal früher gefunden. Ist auch der letzte hier, der noch aufnimmt. Lange Wartezeiten hat man überall, leider, so waren auch wir insgesamt fast anderthalb Stunden beschäftigt. Die Arzthelferinnen waren sehr nett, freundlich und vor allem auch toll im Umgang mit der Hexe. Bevor sie den Kopfumfang gemessen hat, hat sie bei sich gezeigt, was sie macht und das ging auch so super fix, da war keine Zeit für Theater. Wiegen und Körperlänge messen, macht sie gerade selbst total gern zuhause, also auch kein Thema. „Sie ist schon eher eine leichte, hm?“ „Joar, aber halt auch sehr aktiv.“ „Isst sie gut?“ „Ja, tut sie, isst auch alles.“ “ Das ist das Wichtigste.“ Thema erledigt, wir mussten wieder warten. Die Hexe hüpfte derweil auf der Liege herum, wogegen nichts gesagt wurde. Klar, dass ein Kind sich bewegen will. Nach einiger Zeit dürfen wir das Zimmer wechseln. Auf dem Tisch liegt ein Steckpuzzle, ein Fädelspiel  und Stapelbecher. Hexe will logisch damit spielen. Erstmal puzzeln. Dann, weil sie damit einfach verdammt schnell fertig ist, zeigt mein Mann ihr das Fädelspiel. Kleinere Löcher und eine Art Schnürsenkel zum Fädeln, alles kleiner und schmaler als das, was sie hat. Trotzdem kein Thema. Mit den Stapelbechern beschäftigt sie sich noch etwas, aber auch die sind dann schnell langweilig. Zum Glück kommt recht bald der Arzt. Ein Ruhe ausstrahlender, etwas älterer Herr, der sehr kompetent wirkt. Unterhält sich zunächst mit uns, während die Hexe noch etwas spielt und vor sich hin plappert. Den Fragebogen, welche Wörter sie schon kennt, habe ich schon beim Warten ausfüllen müssen. Er meint, sie spreche viel für ihr Alter. Hätte ich nicht gedacht, weil doch noch viel Gebrabbel dabei ist. Auf der anderen Seite kann man sich tatsächlich unterhalten, sie antwortet auf Fragen oder erzählt etwas, auch wenn es manchmal nur ein Wort ist. Meistens begleitet sie das dann mit Gesten (macht ihr Cousine zwar auch, man versteht trotzdem kein Wort, es macht den Eindruck, als spreche sie nur deutlich, wenn es um sie selbst geht). Dann wurde sie körperlich untersucht. Abtasten, abhören alles kein Thema. Papa saß direkt neben ihr auf der Liege und der Arzt strahlte einfach soviel Ruhe aus und machte alles so souverän, ich denke, sie hat sich so auch einfach sicher gefühlt. In den Mund sehen war auch gar kein Thema. Sie saß auf dem Schoß, es gab eine klare Anweisung, wie sie gehalten werden sollte und dann war das kein Thema. Beim Abhören hörte er ein Nebengeräusch, weswegen wir eine Überweisung zum Kardiologen bekommen haben, um das abklären zu lassen. Er meinte allerdings schon, dass es vermutlich, wenn sie normal leistungsfähig ist, nicht schnell schlapp oder zu Infekten neigt, nichts schlimmes sein wird. Die Abklärung dient einfach zu unserer Sicherheit. Einen Termin beim Kardiologen in ihrer Geburtsklinik haben wir „schon“ im September. Wobei drei Monate Wartezeit tatsächlich erträglich sind. Wir hätten auch zu einem der anderen beiden Kardiologen in der Stadt gehen können, da jedoch ihre Geburtsklinik eine sehr gute Kinderklinik hat und wir von den Ärzten dort einfach überzeugt sind, wollten wir lieber dorthin gehen. Was uns natürlich irritiert ist, dass vorher niemand etwas gehört hat, obwohl sie immer abgehört wurde (und sie hat nicht jedes Mal dabei geweint, so dass das irgendwas hätte übertönen können). Das wäre vielleicht mal wichtiger gewesen, als nur auf die Gewichtskurve zu schauen. Mit Größe und Gewicht ist er zufrieden, es passt alles zusammen und so lange sie sich weiter normal entwickelt, ist alles gut. Er habe einige Kinder in der Praxis, die eher kleiner sind, es gibt halt solche Kinder. Das tat so gut. Endlich ein Arzt, der eine gesunde Einstellung zu diesen ganzen Tabellen und Kurven hat. Als er mitbekam, dass die Hexe Durst hatte, rief er sogar am Empfang an, damit sie etwas zu trinken bekam. Zum ersten Mal auch eine gute Beratung zum Impfen (bei den anderen habe ich mich immer vorher selbst schlau gemacht). Da sie von allen Impfungen schon fast alle hat, empfahl er Meningokokken zu impfen und die anderen Impfungen an einem anderen Termin abzuschliessen, weil sie da schon einen Schutz hat, bei den Menigokokken noch nicht nicht. Für mich nachvollziehbar, also haben wir es auch so gemacht. Beim Impfen gab es keine Diskussion wegen ablegen, nein, sie durfte auf meinem Schoß sitzen, ich sollte nur die Hände etwas halten, damit sie nicht dazwischen greift. Beim Impfen wurde natürlich geweint, klar tut weh. Gab aber direkt ein Traubenzückerchen danach und schon war wieder gut (die supersüßen Pflaster mit Glitzermarienkäfern wurden gepflegt ignoriert).

Im Anschluss machten wir uns direkt auf den Weg zu den Großeltern. War ursprünglich anders geplant, da ich aber für Dienstag einen Vorstellungstermin erhalten hatte, fuhren wir direkt mit. Die Hexe schlief die gesamte Fahrt über und war dann gut ausgeruht als wir ankamen.

Ich bin wirklich froh, dass wir endlich einen guten Arzt gefunden haben. Selbst, wenn wir umziehen, werden wir diesen Arzt wohl für die Us weiter behalten. So weit ist es von dort aus hierher auch nicht und selbst vor Ort muss man ohnehin immer einen Tag dafür einplanen, einfach weil man oft länger warten muss. Ich fand sehr angenehm, dass er sich wirklich auf die Diagnostik, vor allem die körperliche, konzentriert hat und sich nicht mit den Kurven groß aufgehalten hat. Wichtig ist für mich auch, dass er Ruhe und Kompetenz ausstrahlt. Ein bisschen erinnert er an ihren Opa, was vielleicht auch ein Vorteil war. Jetzt heisst es erstmal abwarten bis zum Termin beim Kardiologen und was sich dabei ergibt.

 

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Die wohl schlechteste Mutter von allen

Bin vermutlich ich.

Mein Baby darf frei spielen, wie es möchte. Es wird nicht dauerbespaßt, wir spielen miteinander, wenn sie uns dazu auffordert.

Mein Baby muss nichts üben, alles, was es lernt, lernt es von sich aus. Egal, ob es ums Drehen, Krabbeln oder Laufen lernen, das Trinken aus Flasche/Becher oder Essen geht. Sie erlernt ihre Fähigkeiten so, wie sie diese braucht.

Mein Baby lebt nicht in einer sterilen Umgebung, hat direkten Kontakt zu Haustieren (die sich auch so langsam an das begeisterte Quietschen gewöhnen). Es darf mit den Händen und auch beim Spielen essen, wenn Bewegung mal wieder wichtiger ist als still halten.

Mein Baby wird getröstet. Immer, wenn anwesend von uns beiden. Egal was ist, egal welche „Kleinigkeit“.

Es gibt keine generellen Verbote, wenn sie etwas nicht machen soll, erklären wir ihr warum. Ein „Nein“ fällt bei uns sehr selten.

Wir gehen respektvoll miteinander und den Tieren, die mit uns leben, unseren Lebensmitteln und unseren Wohngegenständen um.

Mein Baby darf sich so bewegen und ruhen, wie es will. Wir pressen es nicht in vorgegebene Abläufe, das meiste hat sich bisher von allein eingespielt.

Wir lassen uns nicht bevormunden, nehmen keine Aussagen einfach so hin, besonders nicht, wenn Weißkittel der Ansicht sind alles pathologisieren zu müssen. Wir lassen uns auch nicht erpressen (entsprechende Maßnahmen werden eingeleitet).

Wir sind schon verdammt schlechte Eltern.

 

 

(Der Frust musste grad einfach raus.)