Blogparade – Du bist, was Du isst

Verana von YoungMomBlogging ruft zur Blogparade zum Thema Ernährung auf. Als angehende Ernährungsberaterin MUSS ich bei diesem Thema natürlich mitmachen. Ein für mich sehr wichtiges Thema in diesem großen Themenbereich ist Ernährung und Sozialisation. Mit diesem Begriff werden erlernte Verhaltensweisen beschrieben, hauptsächlich geht es dabei um Verhaltensweisen, die wir in dem Umfeld erlernt haben, in dem wir aufgewachsen sind: Familie, Freundeskreis, Betreuung etc. Nun mag man sich fragen, was das mit Ernährung zu tun hat. Die Antwort ist einfach: Die Art und Weise, wie wir uns ernähren, was wir essen, wann und wie wir unsere Nahrung zubereiten hat etwas mit dem zu tun, wie wir aufgewachsen sind.

Du bist, wie Du isst?

Viele von uns kennen sicher Sätze wie „Es wird gegessen was auf den Tisch kommt!“ oder „Iss auf, sonst gibt es morgen schlechtes Wetter.“ (und wenn man dann nicht aufisst und es tatsächlich regnet gern im Anschluss „Siehst du, hättest Du mal aufgegessen.“) Bei uns war auch sehr beliebt „Die armen Kinder in Afrika müssen hungern, sei froh, dass Du zu essen hast und iss auf.“) „Wenn Du brav bist bekommst Du ein Eis.“ Diese Sätze mögen so erstmal harmlos wirken und man denkt sich, ist doch alles nicht so schlimm. Deswegen sehen wir uns die Sätze mal genauer an.

„Es wird gegessen, was auf den Tisch kommt!“ – Egal, ob es uns schmeckt oder nicht, wir müssen es essen. Und auch aufessen. In meiner Kindheit war es in der Kinderbetreuung noch Gang und Gebe ein Kind unter Gewaltanwendung zum Essen zu zwingen. Wider seinem Geschmack und seinem eigenen Hunger. (Spätestens daheim kam alles wieder raus. Ich war bis abends in Betreuung. Wie es mir den Rest des Tages ging, kann man sich denken.)  Für mich hatte dies zur Folge, dass ich sehr vieles bis ins Erwachsenenalter nicht gegessen habe. Es gibt immer noch Dinge, die ich bis heute nicht runter bekomme.

„Iss auf, sonst gibt es schlechtes Wetter.“/“Die armen Kinder in Afrika müssen hungern, sei froh, dass Du zu essen hast und iss auf.“ – Egal, ob man Hunger hatte oder vielleicht schon satt war, die Portion, die man sich vielleicht nicht mal selbst aufgetan hat, musste aufgegessen werden. Es wird einem sogar noch ein schlechtes Gewissen gemacht, wenn man eben nicht aufisst. Schlecht fühlt man sich als Kind im Anschluss so oder so. Die Lehre daraus: Es wird aus Pflichtgefühl aufgegessen. Das ist zum Beispiel eine Verhaltensweise, die bis ins Erwachsenenalter bleibt. Der Ursprung davon ist einem oft gar nicht mehr bewusst.

„Wenn Du brav bist, bekommst Du ein Eis.“ – Oder eine anderer Süßigkeit. Essen besonders Süßigkeiten werden gern als Belohnung für ein gewünschtes Verhalten oder das Unterlassen von unerwünschtem Verhalten genutzt. Das Problem dabei, es geht irgendwann nicht mehr ohne Belohnung. Man gönnt sich dann etwas Süßes, weil man etwas bestimmtes geleistet hat, weil man einer gesellschaftlichen Konvention entsprochen hat oder so tapfer die Arbeit erträgt. Auch hier ist einem selbst gar nicht mehr so bewusst, wo das eigentlich her kommt.

Du bist, was Du isst?

Neben unserer Grundhaltung zur Nahrung lernen wir, meist innerhalb der Familie, wie etwas zubereitet wird. Und welche Nahrungsmittel wir viel verzehren. Hatten wir die Möglichkeit zuhause oder generell innerhalb der Familie bei der Zubereitung zu zusehen und zu helfen? Konnten wir Lebensmittel in seiner ursprünglichen, unverarbeiteten Form kennen lernen, bevor sie in Topf, Pfanne oder Backofen gewandert sind? Wurde abwechslungsreich und ausgewogen gekocht? Oder kamen eher immer die gleichen 3,4 Gerichte auf den Tisch? Diese Fragen sind nicht nur mit Kind wichtig, sondern jeder von uns sollte sich diese Fragen stellen. Ist unsere Ernährung ausgewogen? Erhalten wir alle Nährstoffe, die wir brauchen? Wie fühlen wir uns nach dem Essen? Gutes Essen, genussvolles Essen zeichnet sich nicht nur dadurch aus, dass wir danach satt sind. Es sieht appetitlich aus, riecht gut, es landet nicht nur im Magen, weil man eben etwas essen muss, sondern, weil es wirklich Lust macht zu essen. Und, ausgewogenes Essen macht satt. Nicht nur „Mein Magen ist voll“-satt, sondern auch im Herzen. Es macht zufrieden und man fühlt sich wohl danach. Das Sättigungsgefühl ist ein anderes, als bei einem Burger-Menü, dass einfach nur den Bauch füllt.

Du bist, mit wem Du isst? 

Und nicht zuletzt ist der Aspekt einer gemeinsamen Mahlzeit nicht zu vergessen. Sitzen wir mit anderen zusammen, nehmen wir uns mehr Zeit zum essen. Wir nehmen es bewusster wahr. Riechen, schmecken genauer, kauen in Ruhe und schlingen nicht schnell hinunter. Je mehr Ruhe wir beim Essen haben und auch je mehr Freude wir durch Gesellschaft daran haben, umso besser schmeckt es uns. Und umso weniger essen wir in der Menge, denn der Körper hat auch genug Zeit uns zu signalisieren „Ich bin satt.“ oder „Ich benötige noch etwas.“

Ernährung und unser Verhalten unserer Nahrung gegenüber sind fest miteinander verbunden. Es ist wichtig, dass wir uns das bewusst machen, nicht nur in Bezug auf Kinder, sondern auch uns selbst. Wir müssen achtsam mit uns umgehen, nur so können wir achtsam mit unseren Lebensmitteln umgehen. Und nur dann können wir sicher sein, dass wir eben nicht sind, was wir essen (oder wie oder mit wem wir essen).

Hier geht es zum nächsten Beitrag der Blogparade bei Steffi von Whatalovelyday.

Comments

  1. Das Thema ist absolut wichtig. Gefällt mir absolut wie du die alltäglichen Sätze, die man vor allem zu Kindern sagst, relativierst.
    Ich kenne es auch, dass ich am Tisch sitzen bleiben musste um den Teller aufzuessen. Am schlimmsten war es, als ich beschloss vegetarisch zu werden. Das sahen meine Eltern nicht ein und ich musste Fleisch essen, egal ob ich es für gut oder schlecht erachte oder gar schmeckte. Deshalb hat es mir noch weniger geschmeckt und mag oft den Geruch des Kochens mit Fleisch selber nicht. Denn das erweckt unterbewusst immer noch Erinnerungen.
    Deshalb gefällt es mir auch so gut, dass du Essen mit Wohlbefinden gleichsetzt. Das stimmt für mich auch so. Es ist absolut etwas anderes, wenn man etwas gutes isst und auf das Essen Lust hat. Man fühlt sich wirklich besser.

      1. Aber auch das muss man erst lernen. Es gibt genug Menschen, die Essen nur als Nahrungsaufnahme verstehen. Der soziale Aspekt ist nebensächlich. Essen ist etwas unwichtiges, das man so schnell wie möglich hinter sich bringt. So denken nicht alle Menschen.

        1. Das stimmt. Liegt zum Teil daran, dass Essen durch Sozialisation nicht als etwas angenehmes, gesellschaftliches empfunden wird und zum anderen daran, dass wir heute denken, wir haben gar keine Zeit mehr dafür. Es muss alles schnell gehen, auch die zweckmäßige Nahrungsaufnahme.

  2. Kenne ich leider auch tlw. aus meiner Kindheit. Ich war mal bei Freunden und musste dort aufessen, obwohl ich pappsatt war. Danach gab es eigentlich noch Eis, auf das ich mich freute… Aber zu dem kam es sowieso nicht mehr, weil das Mittagessen vorher seinen Weg wieder raus suchte.

    Ich habe von klein auf „gelernt“, dass es Süßigkeiten als Nachspeise oder Belohnung gibt und das ist mir bis heute geblieben. Auch wenn ich mir dessen bewusst bin, schafft es doch eine enorme, wenn auch kurzfristige Befriedigung, ein großes Stück Kuchen, Schokolade oder Ähnliches ‚reinzustopfen‘, wenn ich mich nicht gut fühle. Dadurch bessert sich zwar nicht, sondern die Gier auf Süßes wird noch genährt, aber irgendwie ist es so in meinem Kopf 🙁 natürlich wird es weniger mit wachsendem Bewusstsein, aber in manchen Phasen falle ich wieder in dieses Muster zurück…

    Ich hoffe, unserem Hörnchen ein besseres Vorbild sein zu können um ihm diese ‚Sucht‘ zu ersparen!
    Greets cao

    1. Hallo Cao, diese innere Programmierung zu kennen ist schon sehr viel wert. Dann kann man auch nach und nach dort ansetzen und anfangen etwas zu ändern. Es ist schwer, das weiss ich selbst. Die Altlasten, im wahrsten Sinne, trage ich noch mit mir rum. Aber es ist machbar. Allein der Gedanke, dass ich eben auch Vorbild bin, hilft da ungemein. Wichtig ist aber auch, dass man sich keine Vorwürfe macht, wenn man rückfällig wird. Es ist oft so tief in einem drin, dass man manchmal gar nicht gegensteuern kann. Wenn es dann passiert ist, ist es fürs eigene Wohlbefinden besser, zu akzeptieren dass es so ist und dann am nächsten Tag neu anzusetzen. Vorwürfe bewirken letztendlich wieder eine Abwärtsspirale.

    2. Das finde ich interessant, dass man noch ein Dessert nimmt, obwohl man richtig satt ist. Ich kenne das von anderen Leuten, die das auch können. Wenn man nie gelernt hat auf sein Sättigungsgefühl zu hören wird vieles schwieriger und es passieren solche Sachen.
      Das zu erkennen ist schon ein grosser Schritt. Deinem Kind kannst du natürlich ein anderes Vorbild ein und genau deine Erfahrungen dahingehend ersparen.

  3. Ich kann Dir aus Erfahrung sagen, dass sie das von allein wissen. Wenn das Hexlein keinen Hunger hat, isst sie weder Obst, noch Keks, noch ihre geliebten Fruchtriegel. Dann legt sie den Rest von allein beiseite. Normalen Süßkram gibt es bei uns recht wenig und wenn, dann gemeinsam als Genuss. Da ist dann auch kein Problem, wenn alle dann alle. Ansonsten weiss sie bei allen anderen Mahlzeiten selbst, wann sie satt ist. Mittlerweile kann sie z.B. beim Frühstück selbst gut abschätzen, wieviel sie sich vom Müsli nachnehmen möchte.

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