Alltag, Schwangerschaft

Bitte, lasst mir meinen Ehrgeiz

Ich bin ja, wie viele andere, in diversen Foren und den sozialen Medien unterwegs. Gerade jetzt, wenn ich dabei bin, mich über alles Mögliche in Bezug auf die Babyzeit zu informieren. Neben Austausch und teilweise wirklich guten Anregungen und Ratschlägen, lese ich dabei jedoch auch vieles, das schon sehr persönlich wird. Ich weiss, Menschen urteilen schnell übereinander, gerade im Netz und basierend auf dem, was man liest. Ich nehme mich da nicht raus. Natürlich urteile auch ich über das was ich lese und diejenigen, die posten. Allerdings bemühe ich mich dennoch sowohl einen angemessenen Ton beizubehalten oder es einfach zu akzeptieren und dann nichts weiter dazu zu sagen. Manche Diskussionen müssen einfach nicht weiter angeheizt werden.

Wie man sich denken kann, fällt mir das nichts dazu sagen nicht so wirklich leicht (sonst würde ich diesen Blogpost ja nicht verfassen). Was mir vor allem sauer aufstößt sind Frauen, die bereits Mutter sind, eventuell mit dem zweiten Kind schwanger und von sich und ihren Erfahrungen auf andere, insbesondere werdende Erstmamas, schliessen. Da sie ja bereits erfahren sind, können sie natürlich beurteilen, wie es für andere Mütter laufen muss. Angefangen bei netten Tipps, über die ein oder andere (Horror)Geschichte bis hin zu tendenziell herablassenden Aussagen wie „Das ist aber ganz schön ehrgeizig von Dir. Also für mich, also mir wäre das ja zu stressig.“ zu etlichen alltäglichen Themen. Und natürlich müssen sie das letzte Wort haben (ob das damit zusammen hängt, dass man bereits ein Kind im Trotzalter hat?).

So sehr ich Ratschläge von erfahrenen Müttern schätze, wenn ich darum bitte, so unpassend finde ich sie, wenn sie ungebeten kommen. Nur weil ich zum ersten Mal Mutter werde, muss ich nicht automatisch mit allem vollkommen überfordert sein. Es heisst nicht, dass ich bestimmte Vorgehensweise übernehmen muss. Es heisst nicht, dass ich so überhaupt keine Ahnung von irgendwas habe. Und dass ich mir nicht selbst ein Bild machen kann. Bitte, lasst mich meine eigenen Erfahrungen machen. Lasst mir meinen Ehrgeiz. Denn ich traue mir das, was ich mir vornehme wirklich zu. Ansonsten würde ich es nicht so angehen wollen. Ich habe großes Vertrauen in mich selbst. Das hat nichts mit Selbstüberschätzung oder einem großen Ego zu tun. Ich bin schon immer den Weg gegangen, den ich für mich für richtig halte. Habe meine Entscheidungen fundiert getroffen. Und habe mir selbst vertraut, mich auf mein Bauchgefühl, meine Intuition verlassen. Ich kenne mich selbst und meine Leistungsgrenzen sehr gut. Ich kenne und erarbeitete für mich selbst Wege und Techniken mit Stress, Schmerzen und Alltagsbelastungen klar zu kommen. Ich weiss, dass ich sehr viel Kraft aus mir selbst schöpfen kann. Und wo ich mir Ruhe und Kraft holen kann, wenn es nicht mehr geht. Also bitte, auch wenn ihr es im Grunde sicher gut meint, lasst zu, dass es auch werdende Mütter mit einem gewissen Ehrgeiz und auch Erstgebärende, mit einem gewissen Wissenschatz gibt.

Das nächste, was mich immer wieder anfrisst, ist eine gewisse Bevormundung, die mit dem Mutter werden einher geht. Es wird einem überall reingeredet. Und es wird einem einiges eingeredet. Was man nicht alles braucht. Und was man nicht alles machen muss. Und, was mir persönlich sehr aufstößt, dass ich unbedingt eine Nachsorgehebamme brauche, weil ich ja sowieso zig tausend Fragen haben werde. Hm. Ich habe mich ja bewusst entschieden mir schon für die Vorsorge keine Hebamme zu nehmen. Nicht, weil ich Hebammen nicht wichtig finde (ganz im Gegenteil, die Arbeit von Hebammen ist sehr sehr wichtig), sondern weil ich nicht das Bedürfnis nach zusätzlicher Unterstützung habe und hatte. Mir reicht die Vorsorge beim meinem Arzt vollkommen aus. Und so wollte ich das auch nach der Schwangerschaft auch handhaben. Nun wurde mir von der Hebamme im Krankenhaus, die mich dann auch bei der Geburt begleiten wird (das Krankenhaus arbeitet mit einigen freiberuflichen Hebammen zusammen, so dass es eine Art Wunschsystem gibt), stärkstens zu einer Nachsorgehebamme geraten. Obwohl sie und ich charakterlich super zusammen passen und ich denke, dass ich mich bei ihr gut aufgehoben fühlen kann, fühle ich mich ein wenig überrumpelt und irgendwie auch bevormundet. Ich habe das Gefühl, mir würde nichts zugetraut werden. Und auch wenn es mich sehr anfrisst, mache ich mich auf die Suche. Die meisten Hebammen sind ausgebucht, bei zwei konnte ich jedoch noch einen Termin bekommen. Da ist dann die Frage, ob es passt. Denn ich habe, wenn ich mich schon darauf einlasse, weil ich mir denke, so ganz grundlos wird mir die Empfehlung nicht gegeben werden (egal wie sehr es an meinem Stolz frisst), konkrete Ansprüche und Vorstellungen, wie das dann zu laufen hat. Das letzte was ich will, ist in irgendeiner Form unter Druck gesetzt zu werden. Was jedoch schnell passieren kann, wenn man nicht von Anfang an klärt, was einem wichtig ist. Wobei es dann wahrscheinlich wieder notwendig sein wird, dass beide Seiten Kompromisse eingehen müssen. Ich bin mir immer noch nicht sicher, was ich davon halten soll. Ein widerwilliges Gefühl bleibt. Auch das Gefühl etwas eingeredet bekommen zu haben. Trotzdem gebe ich mir Mühe, dem gegenüber offen zu bleiben. Nicht zu früh zu urteilen. Aber trotzdem, es nagt an meinem Stolz und es verursacht mir fast mehr Kopfzerbrechen als alles andere. Denn natürlich hinterfrage ich dadurch auch meine eigene Sicherheit. Ich bin nach wie vor der Ansicht, dass ich keine zusätzliche Hilfe brauchen werde. Einfach, weil ich so ein tiefes Vertrauen in mich selbst und auch in meinen Mann habe. Auch empfinde ich den Gedanken jemanden gerade in den ersten Wochen noch zusätzlich im Haus zu haben (wo ich eigentlich gar keinen Besuch in den ersten Wochen haben will), als beunruhigend. Allein das Wissen, dass jemand kommt, stört mich sehr. Und es fühlt sich ungerecht an, denn ich möchte in den ersten paar Wochen keinen Besuch von Freunden und Familie haben. Weil ich weiss, dass ich die Ruhe und die Zeit brauchen werde. Und dann muss ich jedoch eben jemanden herein lassen. Auch deswegen habe ich feste Wünsche, wie das ganze zu laufen hat, sollte denn eine der beiden Hebammen charakterlich zu mir passen. Es sind nicht viele, aber es gibt ein paar Dinge, bei denen kann und will ich mich nicht auf einen Kompromiss einlassen. Und wer dies dann wiederum nicht akzeptieren kann oder will, der passt dann auch nicht. Und dann muss es eben ohne gehen.

Ja, ich bin ziemlich ehrgeizig. Und ja, ich traue mir einiges zu. Ich bin froh, um dieses Vertrauen in mich selbst und werde mich darin nicht erschüttern lassen.

0 thoughts on “Bitte, lasst mir meinen Ehrgeiz

  1. Liebe Ilaina,

    ich kann dich nur bestärken! Tue genau das, was du und dein Mann für richtig halten. Deine Intuition und dein angeeignetes Wissen sind dein größter Schatz. Viele Menschen haben gar keinen Zugang zu ihrem Bauchgefühl, ihrer Stärke…und handeln deswegen aus Angst. Es ist ja auch nicht so, dass du Unterstützung, wenn sie denn nötig sein sollte, ablehnst. Ganz im Gegenteil – nur mit der nötigen Achtsamkeit und Aufmerksamkeit bist du jeden Moment im Gewahrsein und handelst aus dem Jetzt heraus. Was will man mehr? Ich bewundere dich und deine Klarheit. Mögen sich viel Menschen davon eine Scheibe abschneiden 🙂
    Ich wünsche dir eine tolle Geburt und ein angenehmes Wochenbett nach deinen Vorstellungen.

    Herzlichst
    Martina

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