Beziehung statt Erziehung – 7 Tage Challenge

Tag 2 – Das innere Kind

Puh, dieses Thema ist nicht ohne. Es ist auch ein Thema, zu dem ich gern mehr schreiben würde, allerdings war heute ein recht anstrengender Tag und die kleine Dame kam nur schwer zur Ruhe (das war gestern auch schon so, irgendwas geht da im Babykopf schon wieder vor). Deswegen bin ich ganz froh, dass Katharina ein paar Leitfragen vorgibt, die ich hier gerne beantworte.

Denkst Du, dass Kinder gehorsam sein müssen/sollten?

Nein. Gehorsam hat etwas mit Machtausübung zu tun. Blinder Gehorsam ist meist das Resultat rigoroser Machtausübung. Sicher gibt es Dinge, die Kinder nicht tun sollten, weil sie einfach zu große Gefahren bergen, wie z.B. mit Stromkabeln spielen oder auf eine befahrene Straße laufen. Jeder wird allerdings schon mal gemerkt haben, dass einfach nur Nein, auch zum wiederholten Male, nicht viel bringt. Weder streng, noch lieb. Weder laut geschimpft, noch leise gesprochen. Sinnvoller ist es zu erklären, warum etwas nicht getan werden sollte. Auch die ganz Kleinen verstehen recht schnell, worum es geht, auch wenn sie natürlich nicht immer glücklich sind. Wenn wir wollen, dass Kinder etwas bestimmtes tun oder nicht tun, dann haben wir nur zwei Möglichkeiten: vorleben und Vertrauen schaffen. Wenn uns unsere Kinder vertrauen, akzeptieren sie eher (zumindest eine Zeit lang), dass sie annehmen können, was wir sie bitten, etwas nicht zu tun (oder zu tun).

Wurdest Du erzogen?

Definitiv. Ich kam in der DDR zur Welt, habe die Wende miterlebt. Und auch wenn es in meiner Kindheit bei Weitem nicht mehr so streng war, wie in der Kindheit meiner Eltern, so hat es mich dennoch geprägt. Und sie natürlich auch. So etwas wie Urvertrauen als Grundlage für die Beziehung zwischen Eltern und Kindern gab es bei uns nicht. Meine Eltern waren die Chefs, wir Kinder hatten zu spuren. Das selbe in den Kindertagesstätten. Kinder hatten so früh wie möglich sauber zu sein, wenn nicht, hat die Krippe dafür gesorgt. Wer mittags nicht schlafen konnte, wie ich, dem wurde gern mal die Decke über den Kopf gezogen. Man hatte aufzuessen, wenn nicht musste man entweder sitzen bleiben oder, was bei mir nicht selten geschah, es wurde einem das Essen durch eine Erzieherin rein gestopft. Etwas nicht mögen, eigener Wille ging gar nicht. Einiges, was ich als Kind gemacht habe, eben weil Kinder es tun oder es etwas ist, was Kindern nun mal passiert, hat meine Mutter mir in jedem einzelnen Streit vorgerechnet. Und das auch noch, als ich schon lange erwachsen war und auf eigenen Beinen stand. Ich denke, wenn jemand erst einmal begonnen hat zu erziehen, versucht er es sein Leben lang.

Spürst Du, dass Dein Kind in der Lage ist, Dein wahres Ich zutage zu fördern? Wie reagierst Du darauf?

Meine Tochter wäre  nicht hier, wenn ich nicht vorher zu meinem wahren Ich gefunden hätte. Klingt natürlich ziemlich hochtrabend, ist aber tatsächlich so. Ich hätte mich nicht bereit gefühlt, wenn ich nicht bereits mit mir selbst im Reinen gewesen wäre. Das war allerdings ein langer Weg, der teilweise nicht gerade einfach war. Vielleicht schreibe ich dazu mal mehr (heute bin ich einfach zu müde).

Hast Du schon einmal mit Deinem inneren Kind gearbeitet?

Ja. Anfangs eher unbewusst, später bewusster. Ich kann allerdings nicht sagen wann und wie genau. Ich habe in meiner Zeit im Ausland begonnen mehr auf mein Inneres zu hören. Quasi alles auf Null gesetzt damals. Und mich selbst einfach neu erforscht, alte Muster aufgebrochen (was verdammt schwer war), Neues zugelassen und auf die Resonanzen in mir gehört.

Ich weiss, es ist nicht viel, allerdings fallen mir auch gleich die Augen zu. Deswegen mache ich an diesem Punkt Schluss. Morgen gibt es sicher wieder etwas neues mit einer neuen Challenge Aufgabe.

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