Allgemein, Uncategorized

Beziehung statt Erziehung 7 Tage Challenge

Tag 3 – Grenzen

Zu diesem Thema habe ich vor kurzem bereits etwas geschrieben, greife es jedoch gern nochmals auf. Insbesondere, da die kleine Dame mich momentan sehr beansprucht. Ich merke sehr, dass sie langsam dem Babyalter entwächst und beginnt sich selbst als eigenständiges Wesen zu begreifen. Gleichzeitig will sie ganz viel Nähe und Distanz, was so nicht geht und immer wieder für Frust sorgt, nicht nur bei ihr. Es hat ein wenig was von einer Katze, der man die Tür öffnet, weil sie raus will und dann sofort wieder maunzt, weil sie wieder rein will.

Was hat das nun mit Grenzen zu tun? Ganz einfach, Nähe schenken bedeutet, jemanden wörtlich an sich heran zu lassen. Wir erlauben jemandem, sich quasi in unseren privatesten Raum zu begeben. Nun ist es so, dass gerade Babies und Kinder sehr deutlich machen, wenn sie Nähe wünschen. Und das phasenweise sehr viel und intensiv. Da kann man als Elternteil an eine sehr persönliche Grenze stoßen, egal wie sehr man sein Kind liebt. Gerade als Mutter, wenn man in den ersten ein bis zwei Jahren das Kind dauernd um sich hat, kann das sehr an die Substanz gehen. Nun wird sicher der ein oder andere sagen „Aber warum denn? Sie hat das Kind ja auch 9 Monate in sich getragen, da kann doch so ein bisschen kuscheln nicht so schlimm sein!“ Wenn es denn nur kuscheln wäre. Aber genau das ist es eben nicht. Es ist aktives Dasein, reden, streicheln, trösten, beklettert werden, an den Sachen gezogen werden, Kratzer bekommen, stürmisches in den Arm fallen und und und. Das ist verdammt anstrengend. Ich bin jedoch selbst ein Mensch, der gern viel Nähe möchte. Ich kann den Wunsch meiner Tochter nach Gesellschaft und der Möglichkeit jederzeit in meine Arme zu kommen absolut verstehen. Und genau das ist es, was mir hilft, meine eigene innere (Belastungs)Grenze immer wieder zu verschieben. Denn ich weiss wiederum wie es ist, wenn man keine Nähe geschenkt bekommt, obwohl man es sich wünscht oder braucht.

Grenzen sind in meinen Augen generell nichts festes, sondern immer wieder flexibel verschiebbar, auch in Bezug auf Besitztümer. Ich würde zum Beispiel nie auf die Idee kommen, mit meinem Kind das Essen nicht zu teilen, nur weil es gerade etwas gegessen hat. Momentan geschieht das bei uns recht häufig, ebenso wie genau kontrolliert wird, ob auf allen Tellern das gleiche ist. Manchmal wird nur kurz gekostet, manchmal isst sie dann doch noch gut mit. Soll sie, es ist für mich in Ordnung und wäre es auch, wenn wir nicht solchen Nahrungsüberfluss, wie hier in der westlichen Welt, hätten.
Wenn ich so darüber nachdenke, gibt es bei uns momentan nur zwei Situationen an denen tatsächlich eine strikte Regel gilt: Mit Kabeln wird nicht gespielt und Smartphones sind tabu. Beides hat mehr mit Sicherheit als allem anderen zu tun, denn auch auf einem Smartphone rumlutschen ist sicher nicht unbedingt gut.

Ansonsten empfinde ich Grenzen und diese generelle Grenzen aufzeigen müssen Mentalität als ein gesellschaftliches Problem. Würden wir alle respektvoller und offener miteinander umgehen, wäre es nicht notwendig immer wieder ein „Halt, bis hierhin und nicht weiter“ zu signalisieren. Wir wären in der Lage sehr genau beim anderen zu erspüren, bis wohin etwas geht. Wir würden auch nicht dauernd auf die Idee kommen, anderen Besitztümer weg nehmen zu wollen oder uns massig Besitz zu zulegen, denn Neid wäre kein Thema mehr. So wie viele andere Gefühle, die aus falschen bzw. künstlich erweckten Bedürfnissen entstehen. Bestimmte gesellschaftliche Konstrukte, die Grenzen in unterschiedlichen Varianten und Begrifflichkeiten notwendig machen, würden dann wahrscheinlich gar nicht existieren.

2 thoughts on “Beziehung statt Erziehung 7 Tage Challenge

Kommentar verfassen