Achtsamkeit im Babyalltag

Nancy Bardacke schreibt in „Der achtsame Weg durch Schwangerschaft und Geburt“ davon, dass nicht nur ein Baby, sondern der eigene Achtsamkeitslehrer geboren wird. Klingt etwas verklärt, doch nach diesen drei Monaten mit unserem Baby kann ich ihr nur zustimmen.
Ein Baby bringt uns dazu inne zu halten. Nicht nur, um dieses kleine Wunder zu betrachten und zu bestaunen. Wir vergessen, zumindest in den guten und ruhigen Phasen, die Welt um uns herum. Wenn wir uns darauf einlassen, dann beginnen wir, die Welt mit anderen Augen zu sehen. Wir können wieder staunen über die Welt. Achtsam sein, wenn alles gut ist, sprichwörtlich die Sonne scheint, ist leicht.
Doch gerade die ersten drei Monate sind voller Stürme, egal ob es das erste Kind ist oder schon Geschwister da sind. Jedes Baby durchläuft Entwicklungs- und Wachstumsschübe, hat Bauchweh und und und. Die Eltern müssen sich in ihre neue Rolle einfinden und zusätzlich ist gerade die Mutter noch zusätzlich durch die Hormonumstellung belastet. Gerade in diesen Momenten ist es schwer, aber umso wichtiger, achtsam zu sein. Achtsam sich selbst gegenüber, seinem Baby und dem Partner. Achtsam seinen Bedürfnissen gegenüber und denen seines Babies.

Durch das Netz und die sozialen Medien geistern immer wieder Begriff wie Attachment Parenting, Co-Sleeping, Kurse zur bedürfnisorientierten Erziehung. Diese werden nicht selten als das Nonplusultra in der Erziehung dargestellt. Letztendlich ist es vollkommen egal, ob Familienbett oder Baby im eigenen Bett, im eigenen Zimmer. Egal, ob getragen, gestillt, Kinderwagen oder Flasche oder eine Mischung aus allem. Das einzige, was wirklich zählt, ist dass man seinem Kind achtsam gegenüber tritt. Dass man es wahrnimmt mit seinen Sorgen und Bedürfnissen. Hier muss jede Familie ihren Weg finden und ich bezweifle sehr stark, dass irgendein Kurs dieser Welt wirklich vermitteln kann, was es heisst, diesen Weg zu finden.

Gleichzeitig klingt bedürfnisorientierte Erziehung (oh, wie mich dieses Wort nervt) immer nach totaler Aufgabe der Eltern. Denn es geht scheinbar nur um die Bedürfnisse des Babies. Eltern haben jedoch genauso welche. Auch Eltern müssen mal essen, schlafen, duschen, wollen mal kurz am PC sitzen (und vielleicht nach etlichen Tagen einen Blogbeitrag fertig kriegen *grins*). Auch hier muss man seinen Weg finden. Man kann sich vollkommen dem Baby hingeben, seine Aufmerksamkeit auf dessen Bedürfnisse richten und sich selbst hinten an stellen. Das kann gut gehen, muss aber nicht. Ich merke immer wieder, dass ich, so sehr ich es liebe mein Baby auf dem Arm zu haben, auch gerne einige Zeit ohne Baby bin. Heisst nicht, dass ich sie in Betreuung abgebe. Sie wird in der Zeit vom Papa bekuschelt und hat so auch die Möglichkeit ihre Bindung zu ihm aufzubauen und zu pflegen. Ich bin immer in der Nähe, sofort da, wenn der Hunger kommt oder Mama als Trost benötigt wird (es gibt Dinge, da kann Papa einfach nicht trösten). Trotzdem tut es gut, sich mal frei zu bewegen. Und ich kann mich dann wieder voll und ganz auf mein Baby konzentrieren, wenn ich auch mal ein paar Minuten einfach den Kopf woanders haben kann.

Mein Baby lehrt mich achtsam mit ihm, mit mir selbst und mit meiner Umwelt umzugehen. Ich sehe die Welt mit anderen Augen, denn es sind achtsame Babyaugen, die die Welt bestaunen. Und ich staune mit ihnen, als hätte ich dies alles noch nie gesehen. Sicher komme ich zur Zeit nicht zu formellen Meditationsübungen, doch verankere ich mich immer öfter in dem aktuellen Moment. Nehme diesen wahr, wie er ist. Übe meine Achtsamkeit im Alltag. Auch wenn ich gerne mal wieder in Ruhe meditieren würde, aber dazu bin ich noch nicht wieder wirklich bereit. Manchmal, wenn ich mich mit ihr zu einem Nickerchen hinlege, kann ich ein wenig metta aussenden. Wenn auch nur für ein paar Minuten, denn oft wird meine Aufmerksamkeit dann wieder woanders gefordert und ich bin dann in diesem Moment. Ich denke allerdings darüber nach, wenn meine Tochter etwas älter ist, mit ihr zusammen mit leichten Übungen wieder zu beginnen.

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