Achtsamkeit im Alltag

Mal Hand aufs Herz, wie viel von Eurem Alltag nehmt Ihr bewusst wahr? Nicht viel oder? Wie oft seid Ihr beim Aufstehen schon dabei zu überlegen, ob die Straßenbahn heute wieder so voll ist und ob Ihr einen Sitzplatz bekommt. Oder ob durch den Regen der letzten Nacht die Züge wieder verspätet sein werden und Ihr deswegen zu spät zur Arbeit kommt (und ob Euer Chef dann wieder sauer auf Euch sein wird)? Wie sieht es aus mit Frühstück? Wie verbringt Ihr Eure Mittagspause? Ist Eure Aufmerksamkeit auch da, wo Ihr seid? Oder vielleicht beim Meeting am Nachmittag? Beim Kollegen, der mal wieder einen blöden Kommentar abgegeben hat? Oder vielleicht schon bei der Heimfahrt, wieder in einem vollen Zug (was Euch jetzt schon total nervt)?

Wenn man dann nach so einem Tag nach Hause kommt, ist es mehr als schwer abends zur Ruhe zu kommen. Immer wieder kommt der gesamte Tag wieder hoch. Die Gedanken rattern durch den Kopf, man wälzt sich hin und her und findet nur schwer in den Schlaf.

Hier kann Achtsamkeit helfen. Wie ich schon beschrieben habe, lässt sich Achtsamkeit auch ausserhalb der formellen Praxis kultivieren. Das heisst, im Laufe des Alltags innehalten, sich des eigenen Atems bewusst werden und sich der Situation gegenwärtig werden. Ich nutzte hierfür gern die Zeit während der alltäglichen Dusche. Duschen kann hier soviel mehr werden, als reine Körperpflege. Wobei in der heutigen hektischen Zeit hier vermutlich die Pflege vom intensiven kümmern, um den eigenen Körper zu 5-Minuten-Einseifen-und-Abduschen verkommt. Für diese Übung ist es vollkommen egal, ob Ihr morgens oder abends oder irgendwann im Laufe des Tages duscht. Es ist nur wichtig, dass Ihr Euch wirklich Zeit dafür nehmt. Wenn Ihr also das nächste Mal duschen geht, probiert einfach folgendes aus: Wenn Ihr das Wasser auf Eurer Haut spürt, nehmt Euren Atem ganz bewusst wahr. Atmet ein und aus und spürt einfach wie Euer Atem beim Einatmen durch die Nase in den Brustraum und von dort in den Bauch fliesst und beim Ausatmen aus dem Bauch in den Brustraum und durch die Nase wieder auströmt. Wenn Ihr möchtet, schließt dabei die Augen oder richtet Euren Blick auf einen Punkt kurz vor Euch. Lasst dabei Euren Blick weich werden (also nicht konzentriert auf eine Stelle starren). Nehmt wahr, wie das Wasser über Eure Haut fliesst. Hört das Rauschen des Wassers, wenn es aus dem Duschkopf fließt. Versucht nicht, die Empfindungen zu bewerten, ob sie sich gut oder schlecht anfühlen. Nehmt sie einfach nur wahr.Es ist vollkommen normal, wenn dabei Gedanken auftauchen, Geschehnisse aus dem vergangenen Tag wieder hoch kommen. Lasst es einfach zu. Wenn Ihr merkt, dass Ihr beginnt Euch auf etwas anderes als das Atmen zu konzentrieren, führt Eure Aufmerksamkeit wieder zum Atem zurück. Macht Euch keine Vorwürfe darüber, dass Ihr abgelenkt wart. Akzeptiert, dass Eure Gedanken immer wieder abschweifen können. Es ist vollkommen in Ordnung, dass der Geist auf Wanderschaft gehen will. Verurteilt Euch nicht deswegen. Ihr könnt diese Übung solange machen, wie Ihr gern möchtet. Es geht nicht darum eine bestimmte Zeit einzuhalten oder zu schaffen.

Wenn Ihr Euch wirklich darauf einlassen könnt, dann kann Euch diese Übung helfen die Turbulenzen des Alltages für einige Zeit abzulegen und neue Kraft zu tanken.

Mir selbst hilft diese Übung sehr, insbesondere an eher turbulenten Tagen, wenn ich sehr viel um die Ohren habe. Ihr seid herzlich eingeladen, die Übung selbst zu probieren.

(18.03.2015 auf meinachtsamesleben.blogspot.com)

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