Achtsamkeit, Alltag

Achtsamkeit im Alltag II – achtsam fernsehen

Ja, es geht wirklich. Selbst eine so passive Tätigkeit wie Fernsehen, bei der wir normalerweise noch zig Dinge gleichzeitig tun und das Gerät nur so nebenher läuft, selbst bei Nachrichten, kann achtsam ausgeführt werden. Es ist einfach nur eine Frage der Übung, wie alles, was mit Achtsamkeit und dem Gewahrsein der gegenwärtigen Situation zu tun hat. Ich habe zugegebenermaßen bereits eine gewisse Praxis, dennoch habe ich heute zum ersten Mal bewusst die Situation wahr genommen. Durch mein metta Experiment sind meine Sinne, obwohl ich noch am Anfang stehe, etwas geschärft oder sollte ich besser sagen, mein „Achtsamkeitsmuskel“ schon etwas gestärkt.

Ich sitze also am Nachmittag, nach Mittagessen und Hausarbeit, mit meinem Mann vor dem Fernseher. Er hat sich an mich angelehnt, den Kopf halb auf meinem Bauch (was wiederum zur entsprechenden Reaktion unseres Babys führt). Es läuft ein Film, den wir beide schon x Mal gesehen haben, aber es ist so gemütlich und sich einen guten Film nochmal anzusehen, kann nicht schaden. Da wir den Film bei aus unserer Jugend kennen, ruft es auch irgendwie immer Erinnerungen an diese Zeit wach. Jaja, damals…

Nun sitze ich also da, sehe diesen Film, lache mich schlapp und streiche meinem Mann über den Rücken (das ist irgendwie sowieso so ein Reflex, wir sind sowieso sehr verschmust). Die Sonne hat sich auch entschieden heute nochmal raus zu kommen, obwohl es am Vormittag gar nicht so aussah. Auf einmal merke ich, dass es in mir ganz ruhig ist. Keine Gedanken, die durch die Gegend wuseln und von Thema zu Thema springen. Ich sitze einfach nur auf dem Sofa, spüre die Sonne auf meiner Haut und sehe ganz bewusst diesen Film im Fernsehen. Und ich denke nur: „Hej, das ist unglaublich. Ich sehe gerade tatsächlich achtsam fern.“ In mir flammt kurz Freude darüber auf, es ist ein wirklich tolles Gefühl. Vor allem diese geistige Ruhe, dieses in sich zentriert sein. Dabei wird selbst das Sehen eines bereits so bekannten Filmes nochmal ein ganz neues Erlebnis. Nachdem diese Gedanken kurz durch meinen Geist gezogen sind, kann ich, sogar ohne die bewusste Konzentration auf meinen Atem, wieder in diesen achtsamen Zustand zurück finden kann.

Es ist wirklich ein unbeschreibliches Gefühl. Auch wenn man die Situation schon oft erlebt hat, etwas schon oft gesehen oder gegessen hat, kann es zu einem komplett neuen Erlebnis werden. Irgendwie vertraut, aber doch wieder total neu. Es ist ein Gefühl von Wärme, ein bisschen wie nach Hause kommen an einem Regentag.

Wie Ihr seht, ist es mit etwas Übung sehr gut möglich auch im Alltag immer wieder Achtsamkeit zu üben und des Augenblickes gewahr zu werden. Es macht den Alltag wieder zu einem neuen Erlebnis, denn wir fangen an unseren Alltag wieder an zu ERleben, anstatt ihn nur zu VERleben.

(Wenn das mal kein Anreiz zum Üben ist. Denn wer wünscht sich nicht mehr Spannung im Alltag?)

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