Achtsamkeit, Alltag, Kommunikation

(achtsame) Kommunikation

Vor ein paar Tagen ist mir wieder etwas unter gekommen, was sehr symptomatisch für unsere digitalisierte Gesellschaft ist. Ich bin natürlich auch in den sozialen Medien unterwegs, wenn auch nicht (mehr) unter meinem richtigen Namen. Nun schreibt mich eine Bekannte, von der ich seit Beginn meiner Schwangerschaft nichts mehr gehört habe, an. Grundsätzlich nichts gegen einzuwenden, ich unterhalte mich ja gerne und auch ein länger ruhender Kontakt ist jetzt für mich kein Grund sauer zu sein. Ich habe gelernt, dass es gerade bei Kontakten im Netz recht normal ist, wenn man einfach mal so eine Weile nichts hört.
Nun werde ich gefragt, wie es mir gehe. Ich antworte und will natürlich nach so langer Zeit das Befinden meiner Bekannten und ihrer Familie ist. Darauf bekomme ich eine recht unmotivierte Antwort und hake natürlich nach. Doch damit ist das Gespräch auf einmal wieder vorbei. Und wurde seitdem auch nicht wieder aufgenommen.
Ich unterhalte mich wirklich gerne, so lange es sich nicht um Small Talk Geplänkel handelt. Ich bin eine Freundin echter und vor allem achtsamer Kommunikation. Das bedeutet eben nicht nur dieses halbherzige Gerede über das Wetter, sondern ein echtes Gespräch mit Inhalt und Persönlichkeit. Das geht über jeden Kommunikationskanal, denn es bedeutet letztendlich “nur“ sich auf diesen Moment in diesem Gespräch zu konzentrieren, ganz da zu sein mit seinen Gedanken und Gefühlen.
Vor diesem Hintergrund frage ich mich dann natürlich, warum man überhaupt ein Gespräch beginnt, auch wenn es nur über einen Chat ist, wenn man nicht gedenkt dieses dann auch weiter zu führen.?
Klar, das Internet und die vielen Möglichkeiten der Telekommunikation machen es sehr leicht und bauen eine Illusion von virtueller Nähe auf. Man kann mal eben chatten, E-Mails oder SMS versenden oder eines der vielen Netzwerke nutzen, um sich anderen mitzuteilen. Das nimmt natürlich auch viel Verantwortung aus der Kommunikation. Denn ist erstmal eine Nachricht abgesetzt, dann ist der andere in Zugzwang. Und man selbst hat seine Schuldigkeit getan. Von Angesicht zu Angesicht geht das natürlich nicht so und wird als extrem unhöflich empfunden. Und doch macht es wirklich jeder, wenn es um Kommunikation über digitale Kanäle geht. Und wundert sich, wenn der andere eventuell etwas verstört reagiert. Dabei spricht auch dieses Verhalten Bände und sagt mehr, als das tatsächliche Gespräch.

Verhalten wie dieses zeigt deutlich, wie wenig wir achtsam darauf bedacht sind auf das, was wir in der digitalen Welt tun. Sie scheint, aus welchen Gründen auch immer, immer noch als eigene separate Welt gesehen zu werden, die nichts mit der Realität zu tun hat. Und somit auch keine Auswirkungen darauf hat. Dabei sollten wir doch, egal welches Kommunikationsmittel wir nutzen, immer ganz dabei sein. Für den Moment, wo wir etwas hören oder lesen, unsere Aufmerksamkeit darauf richten. Und dann, wenn wir antworten, unsere Aufmerksamkeit und Gedanken darauf richten. Wir sollten uns vorher bewusst machen, was uns unser Gesprächspartner sagen will. Und das nicht nur mit den Worten, sondern mit dem Satzbau, mit dem Tonfall (z.B. am Telefon), die Mimik und Gestik bei einer Unterhaltung von Angesicht zu Angesicht oder den sogenannten „Smilies“, die dieses in einem virtuellen Gespräch ersetzen. Wir sollten unsere Worte mit bedacht wählen, darüber nachdenken, ob sie das transportieren und dem Gegenüber das zu verstehen geben, was wir sagen möchten. Auch wenn wir uns gegenüber stehen, haben wir oft dieses Gefühl, der andere würde uns nicht verstehen und wir reden aneinander vorbei. Spätestens hier sollten wir inne halten, Augen und Ohren öffnen und mal ganz genau hinhören. Hinhören und in uns Hineinhören. Und erst dann, wenn wir ganz genau hin, hinein und zugehört haben, antworten.

Heisst im Umkehrschluss auch, bevor ich ein Gespräch beginne, frage ich mich selbst, ob ich jetzt überhaupt mit jemandem reden möchte und wenn ja warum. Wollen wir manchmal nicht einfach nur Momente der Langeweile damit überbrücken, wenn wir einen Chat-Gespräch beginnen? Oder wollen wir wirklich gerade mit dieser Person sprechen? Wollen wir wirklich einen Austausch, wollen wir mitteilen wie es uns geht, Rat holen und selbst erfahren wie es dem anderen geht und Rat erteilen? Eine Unterhaltung kann soviel schöner und befriedigender sein, wenn wir uns vorher kurz diese Fragen stellen.

Damit will ich nicht sagen, dass wir immer tiefgründige, philosophische Gespräche führen sollen. Ich wünsche mir, dass wir bei jeder Unterhaltung, jeder Art von Kommunikation ganz da sind, egal worum es geht. So fühlen wir und auch unsere Gesprächspartner sich auch mit „Kleinigkeiten“ angenommen und sich in unserer Gegenwart wohl (und wir uns in unserer eigenen Gegenwart auch). Ein besseres Gefühl als sich selbst angenommen zu fühlen, sich selbst annehmen und den anderen annehmen, gibt es nicht.

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