Meditation, metta

108 Perlen der Weisheit – Nachdenken über Freude

Die folgende Meditation stammt aus dem Buch „108 Perlen der Weisheit“, einem Buch in dem Mantras und Meditationen des Dalai Lama durch Catherine Barry zusammen gestellt wurden und im Goldmann Verlag erschienen ist.

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„Wenn Sie an sich zweifeln und es Ihnen an Selbstvertrauen mangelt, denken Sie an das wunderbare Potenzial, das sie als Mensch besitzen und das Sie immer weiterentwickeln können. Dann werden Sie ob dieses Schatzes, der in Ihnen ruht, Glück empfinden: Freude lässt sich erlernen. Üben wir uns darin.“

Zusammen mit meiner Mala habe ich mir das oben genannte Buch bestellt. Wenn mein Geist sich schon unbedingt bei meiner Meditation beschäftigen möchte, dann doch bitte mit etwas „sinnvollem“. Ich meine nicht intensives Nachdenken, sondern unter der Anregung der Worte meinen Geist ein wenig wandern lassen und sehen, was ihm dazu so einfällt.

Nach dem ersten Lesen, gehen mir natürlich meine Erfahrungen mit der metta Meditation durch den Kopf. Denn wirkliche Freude kann ich nur empfinden, wenn ich mit mir „im Reinen“ bin, wie man so schön sagt. Und das kann ich nur sein, wenn ich erkannt habe, welches Potenzial die Fähigkeit sich zu freuen, mit sich bringt. Hierzu muss ich zunächst lernen, mich selbst anzunehmen und mir Freundschaft antragen.

Es sind die kleinen Dinge im Leben.

Dieses Sprichwort ist im Zusammenhang mit der Fähigkeit zur Freude mehr als wahr. Denn, wenn ich lerne, Freude zu empfinden, dann werde ich jeden Tag etliche, teils wirklich kleine Dinge, finden, die mir Freude bereiten. Das können die ersten Sonnenstrahlen am Morgen sein. Oder der Regen, der an mein Fenster klopft, denn er spendet Feuchtigkeit für die Lebewesen der Natur. Es kann ein Vogel sein, der singt. Oder schlicht die Tatsache nicht vom schellenden Wecker geweckt worden, sondern bereits kurz vorher gut ausgeruht aufgewacht, zu sein. Und wenn ich meinen Tag so beginne, dann schmeckt auch mein morgendlicher Kaffee oder Tee ganz anders. Das Frühstück ist irgendwie schöner und nahrhafter und die Fahrt zur Arbeit auch nicht so stressig.

Zum Thema Stress fällt mir wieder ein, welche Proben mein Mann und ich bereits gemeinsam bestanden haben. Er arbeitet seit wir uns kennen im Schichtdienst. In der Hinsicht wusste ich von vornherein, was auf mich zukommt und habe es akzeptiert. Sein Beruf bringt es nun mal mit sich. Als ich dann selbst in Schichten arbeiten musste, hatten wir Phasen, wo wir uns dann wirklich nur die Klinke in die Hand gegeben haben und uns am Tag vielleicht 5 Minuten gesehen haben. Das waren sehr anstrengende Zeiten, an denen man durchaus als Paar hätte scheitern können. Warum wir es dennoch hinbekommen haben und es auch weiterhin funktioniert? Ich denke, weil wir beide wissen die Zeit, die wir zusammen haben, zu geniessen. Jeden Augenblick und selbst wenn wir nur zusammen vor dem Fernseher sitzen und so gesehen nichts tun. Vielleicht ist es sogar genau dieses nichts tun, was uns diese schwierigen Zeiten so gut überstehen lässt. Wir setzen uns nicht unter Druck dauernd etwas als Paar unternehmen zu müssen (das Thema hat sich sowieso bald erledigt). Wenn wir Lust dazu haben, unternehmen wir etwas. Was zugegeben bei zeitweise zwei Schichtarbeitern eher selten ist. Aber dann nehmen wir uns die Zeit zusammen zu kochen und zu essen, die Zeit, die wir zusammen haben, miteinander zu geniessen. An solchen Tagen haben wir sowohl großartige, wirklich tiefgründige Gespräche geführt, als auch einfach nur die Zeit „verplempert“ und mal alles sein lassen. Ruhe zu bekommen und sich gemeinsam regenerieren zu können, kann ebenso Freude sein.

Respekt und Sanftheit, gewaltfreie Kommunikation

Dann wandern meine Gedanken zu der Frage, wie ich anderen helfen kann, mehr Freude in ihrem Leben zu empfinden. Denn Freude wächst umso mehr, wenn ich sie teile. Und Freude teilen ist definitiv besser, als Ärger teilen, der nur weiter Leid verbreitet. Ich denke darüber nach und komme zu dem Schluss, dass ein erster Anstoß zur Freude bei anderen sein kann, wenn ich ihnen die Freundschaft, die ich mir selbst gegenüber empfinde, ebenfalls antrage. Ihnen offenen Herzens begegne und sie spüren lasse, dass auch sie das Potenzial haben, sich zu freuen. Und dass es mir wichtig ist, dass sie Freude empfinden können. Freude schenken kann schon ein Lächeln, eine freundliche Antwort, eine Kommunikation, die von Respekt und Offenheit zeugt. Was nicht bedeutet, dass man deswegen immer klein beigibt. Es geht um die Art und Weise WIE man mit dem gegenüber umgeht. Sanftheit ist ein weitaus besserer und sinnvollerer Weg der Kommunikation als laut herum zu brüllen (und manchmal muss man auch einfach erstmal jemanden brüllen lassen, damit respektvolle Kommunikation wieder möglich ist).

Am Ende sehe ich also, dass die Fähigkeit Freude zu empfinden, in jedem Wesen vorhanden ist und es gar nicht schwer ist, diese Fähigkeit zu entdecke und zu verfeinern.

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